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Hila Limar: "Eine Spende von 10 Euro schadet niemandem"

Von Linnea am Donnerstag, 4. Januar 2018 um 16:32 Uhr

Hila Limar weiß, wie es ist, sich ein neues Leben aufzubauen. Als Kind aus Kabul geflohen und in Hamburg gelandet, Architektur studiert und heute, mit 31 Jahren, Vorstandsvorsitzende der Charity-Organisation Visions for Children e.V. – uns beantwortete die Beauty exklusiv Fragen über ihre vorbildliche Arbeit…

Interview: Miriam Amro

Wir haben mit Hila Limar über ihre Arbeit, die Erfahrungen und den Widerständen gesprochen, mit denen sie jeden Tag konfrontiert ist.

GRAZIA: Hila, du bist seit 8 Jahren im Vorstand bei der Charity-Organisation Visions for Children und setzt dich für die Bildung von Kindern in Ländern wie Uganda und Afghanistan ein. Erkläre uns kurz deinen Job.



Hila: Visions for Children e.V. ist ein kleiner Verein mit familiärem Charakter, aber dennoch stark strukturiert. Es gibt fünf Arbeitsfelder mit je einem Teamleiter. Ich leite die Projekte und darüber hinaus überblicke, koordiniere und steuere ich die anderen vier Bereiche. 



Du kommst gerade aus Uganda und hast zusammen mit Teamkollegen die Grundsteine für eine neue Schule aufgebaut. Woher nimmst du deine Motivation?

Hauptsächlich durch die Überzeugung von der Sache selbst und die Gewissheit, dass das was wir tun absolut sinnvoll und richtig ist. Jede Stunde, die ich für Visions arbeite kommt einem benachteiligten Kind zugute, das motiviert ungemein. Aber ich schöpfe auch Kraft durch mein wunderbares Team. Es ist ein tolles Gefühl, Menschen an seiner Seite zu haben, die für die gleichen Ziele, nämlich die einer besseren gerechteren Welt einstehen. Und dann natürlich noch die Menschen, vor allem die großartigen Kinder, die unsere Hilfe erreicht und denen ich auf unseren Projektreisen begegnen darf.

Auch in Afghanistan setzt sich Visions für Bildung ein

Hila Limar: "Wir haben immer die Sorge, nicht genug Spenden zu generieren"

Hauptberuflich bist du Architektin – wie vereinbarst du deinen Job mit Visions?

Ich habe die letzten 5 Jahre Vollzeit als Architektin gearbeitet und ehrenamtlich Visions geleitet, dadurch hatte ich zwischenzeitlich eine 70-Stunden-Woche und das tat mir nicht gut. Seit Beginn des Jahres arbeite ich nur noch in Teilzeit als Architektin und so lässt es sich gut vereinbaren.

Schaltest du jemals ab?


Haha. Ich versuche es, aber es gelingt mir zu selten. Da wir Mitglieder uns hauptsächlich ehrenamtlich bei Visions engagieren, arbeitet jeder dann, wenn er die freie Zeit dazu hat. Da ich sehr oft die letzte Instanz bei Entscheidungen bin, kann ich schwer meinen Feierabend ausrufen. Aber falls ich mal Ruhe habe und abschalten kann, kommen mir meist neue Ideen zum Leid meines Teams.

Hila Limar in Uganda

Was sind die größten Hürden, mit denen ihr im Team konfrontiert seid?

Zum einen das Fundraising und damit die Sorge nicht genug Spenden generiert zu haben um die Projekte durchzuführen und damit die Menschen in den Projektländern zu enttäuschen und zum anderen die Vorhaben im Ausland selbst. Wir können in einem Krisenland wie Afghanistan nie sicher sein, was im nächsten Jahr kommt. Bei jedem Anschlag könnte einer unserer Mitglieder, Helfer oder Partner betroffen sein.

Erzähl uns von deinem schönsten Moment bei Visions...


Wow, ich glaube, den gibt es nicht. Ich erlebe wirklich fast oder sogar jeden Tag einen schönen Moment, weil wir jeden Tag irgendwo kleine Erfolge feiern. In letzten Jahr ist wieder sehr viel passiert: wir haben zum ersten Mal einen Antrag auf Projektförderung beim BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) eingereicht und bewilligt bekommen. Das ganze Team war aus dem Häuschen. Dann haben wir unsere erste Schule in Uganda fertiggestellt und eine großartige Einweihungsfeier mit den Schülern gehabt und gerade freue ich mich, dass mich die Grazia interviewt.

Deine Schwester Wana (Influencerin und Redakteurin) ist an deiner Seite und tritt als Markenbotschafterin auf. Wie muss man sich euch bei der Arbeit vorstellen? 

Wer Wana und mich kennt, weiß dass wir von Grund auf einen verschiedenen Charakter und damit auch Arbeitsweisen haben. Was uns sehr stark verbindet ist unsere Moralvorstellungen und das Besserwissen. Eine gute Basis für eine Zusammenarbeit also. Wana ist ja nicht nur Markenbotschafterin, sondern auch vollwertiges Mitglied, die seit 5 Jahren zum Team gehört und die PR-Abteilung unterstützt. Zu Beginn war die Zusammenarbeit etwas ungewohnt aber mittlerweile haben wir uns gut eingespielt und jeder hat seine Rolle gefunden.

Hila und Wana Limar

Euch unterstützen auch viele Prominente wie zum Beispiel Lena Meyer-Landruth. Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit solchen Stars und wie schafft ihr es, die zu überzeugen?

Damit unsere Vision und Botschaft so viele Menschen wie möglich erreicht, ist die Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (die unsere Vorstellungen und Werte teilen) sehr wichtig. Durch ihre Reichweite eröffnen sich uns andere Kanäle und Möglichkeiten, wodurch wir Bewusstsein schaffen können.

Hila Limar: "Eine Spende von 10 Euro schadet niemandem"

Gibt es einen Lieblingspromi, den du an dieser Stelle gerne für Visions gewinnen möchtest?

Spontan: The Rock! Aber ebenso auch Leonardo DiCaprio, Königin Rania von Jordanien oder Topmodel Claudia Schiffer.

Gerade war das Weihnachtsfest und viele Charity-Unternehmen rührten kräftig die Werbetrommel für Spenden. Wie empfindest du die Bereitschaft in Deutschland zu spenden und was steht bei euch an?

In den letzten Jahren gab es aus meiner Sicht einen großen Wandel im Spendenverhalten. Im weltweiten Vergleich werden wir im World Giving Index der letzten 5 Jahre auf Platz 20 gelistet. Die Top Ten wird seit Jahren von Myanmar angeführt. Das Bewusstsein wie auch die Spendenbereitschaft haben in Deutschland stark zugenommen, dennoch sind die Deutschen dem Spenden gegenüber leider immer noch sehr misstrauisch. Die gängigen Fragen: Kommt das Geld auch wirklich bei den Bedürftigen an? Oder die Einstellung: mit meinen 10 Euro kann ich nichts bewirken nerven mich persönlich etwas, denn eine Spende von 10 Euro schaden wirklich niemanden und 10 Euro können wirklich was bewirken. Mein Appell: einfach mal machen!

Das Visions for Children Team auf einer Reise in Uganda

Zusammen mit dem Taschen-Label Liebeskind oder dem Label Hessnatur habt ihr schon kooperiert. Wie wählt ihr eure Partner aus? 


Grundsätzlich lehnen wir finanzielle Unterstützung von Unternehmen ab, die durch ihre Produkte oder ihr Handeln Kinder gefährden oder unserer Arbeit für Kinderrechte entgegenstehen. Sobald wir eine Anfrage erhalten, prüft meine Kollegin Kristina das Unternehmen auf "Grün sein". Wenn nichts gegen das Unternehmen spricht und sie unsere alle unsere Kriterien erfüllen, startet die Zusammenarbeit.

"Wana" Clutch von Liebeskind

Wie kann man euch unterstützen?


In dem man uns bei Instagram und Facebook folgt, über uns spricht und selbstverständlich monetär. Am liebsten sind uns Dauerspenden oder Fördermitgliedschaften, weil diese uns Planungssicherheit gewährleisten.

Ihr möchtet etwas Gutes tun und für Visions spenden? Dann hier entlang…

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