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Projekt Grenzenlos: Instagram-Community mit Herz

Von Frederika am Freitag, 19. Mai 2017 um 14:50 Uhr

Projekt Grenzenlos zelebriert die Schönheit eines jeden Menschen – egal, wie er aussieht, oder was seine Geschichte ist.

Krampfhafte Bauchschmerzen, ungewollter Gewichtsverlust, starke Gelenkschmerzen – Morbus Crohn ist eine chronische, schubweise verlaufende Krankheit des Magen-Darm-Traktes, unter der auch Saskia Frietsch leidet – und das seit 16 Jahren. Zwei Jahre lang lebte sie mit einem künstlichen Darmausgang. Auf Instagram teilt sie ihre Erfahrungen und Geschichten mit der Online-Community. Dabei steht nicht nur ihre Krankheit im Mittelpunkt, sondern jede Form des "Anders seins". Über den Hashtag #projektgrenzenlos kann jeder Teil des Projektes werden, dort Verständnis finden und Menschen, die das gleiche durchmachen.

Im April 2016 rief Saskia den Account mit ihrem Freund Patrick Pasig in die Welt, um zu zeigen, dass hinter jeder Narbe eine Geschichte steht und Makel einen Menschen nur schöner machen. Sie möchte den Teilnehmern Mut machen und ihnen helfen, die Krankheit zu verstehen. Damit sie sich ihrer Schönheit bewusst werden, organisiert das Paar regelmäßig Fotoshootings mit den Leuten, die sich für ihr Vorhaben bewerben, und teilen die Bilder und die dazugehörige Story anschließend auf Instagram und seit neustem auch auf ihrer Website. Dafür sucht die 23-Jährige Fotografen, Visagisten und Menschen mit Makel, Narben oder Behinderung. Was sie zu der tollen Aktion inspiriert, von welchen Zielen sie träumt und was Projekt Grenzenlos bewirkt, das verrät Saskia jetzt im Interview.

Was hat dich zu @projekt.grenzenlos inspiriert?

Ich habe mich selber viel fotografieren lassen und habe bemerkt, wie das meinem Selbstbewusstsein geholfen hat. Ich nahm meinen Körper plötzlich ganz anders wahr und habe gesehen, dass das, was ich mache, trotz meiner Makel schön ist. Es gibt zwar Fotografen, die Narben fotografieren, aber nie auf eine Art und Weise, die ich ästhetisch gefunden habe – deswegen wollte ich genau das machen. Ich wollte, dass Menschen sich mit ihren Makeln schön finden können.

Wieso hast du dich für Instagram als Plattform entschieden, auf der das Projekt stattfindet und über die du Models suchst?

Zum einen stehen auf Instagram die Fotos im Vordergrund. Zum anderen liegt es daran, dass die Menschen dort so freundlich und aufgeschlossen sind. Sie lesen sich viel eher die Geschichten durch, weil sie dir nur folgen, wenn sie sich wirklich für dich interessieren. Mir folgen inzwischen über 9000 (Anmerkung: Inzwischen knapp 20.000; Stand: 19. Mai 2017) Menschen und die Community ist trotzdem total privat und harmonisch. Außerdem hat man viele coole Möglichkeiten – beim letzten Shooting sind wir zum Beispiel auch mal Live gegangen und die Leute waren total aktiv, haben Fragen gestellt und fanden es spannend zu sehen, wie so ein Shooting abläuft.

Was erhoffst du dir für den Account und das Projekt für die Zukunft? Gibt es ein bestimmtes Ziel, das du erreichen möchtest?

Mein Traum wäre eine Foto-Tour – wir sehen über das Hashtag #projektgrenzenlos auch viele Geschichten aus Österreich oder der Schweiz und ich würde gerne einige Städte anfahren, jeweils vier bis fünf Menschen treffen und mit denen den ganzen Tag verbringen. Es soll nicht um die reine Foto-Session gehen, sondern auch darum, dass man die Leute richtig kennenlernt, sich austauschen kann, Witze macht, zusammen isst und so weiter. Ich will meine Message in so viele verschiedene Städte wie möglich bringen.

Aufruf, Auswahl, Shooting und finales Foto auf dem Account – wie entstehen die Fotos, die du auf @projekt.grenzenlos vorstellst?

Wir suchen Menschen mit Makel. Das muss gar keine Narbe sein – es könnte auch jemand sein, der seine Nase als größten Makel empfindet, aber der Meinung ist, dass es Zeit wird, dazu zu stehen. Man muss einfach ein Foto machen, auf dem man diesen Makel bewusst in Szene setzt, darunter seine Geschichte teilen, also erzählen, woher man seine positive Energie nimmt, und das Foto mit #projektgrenzenlos versehen. So finde ich Menschen, die an dem Projekt teilnehmen können.

Was war ein besonderer Moment, den du durch @projekt.grenzenlos erleben konntest? Gab es etwas, das dich überrascht hat?

Es ist natürlich eine große Ehre, mit so viele Menschen arbeiten zu können, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Menschen mit berührenden Geschichten, die so viel Stärke aufbringen, dass ich es selbst kaum fassen kann, auch wenn mein Leidensweg selber nicht der schönste ist. Es ist wichtig, diese Geschichten zu erfahren, denn viel zu oft urteilt man einfach über Menschen, ohne sie wirklich zu kennen. Die schönsten Momente bei Shootings sind die, in denen die Menschen ihre fertigen Bilder sehen und dann ganz gerührt und so unfassbar dankbar sind. Alles was @projekt.grenzenlos mir gibt und all die Menschen, die ich dadurch kennenlernen durfte, sind besonders für mich.

Auch wir finden den tollen Zweck von Saskias Projekt besonders, denn wer hat sich nicht schon mal wegen eines Makels vor der Kamera gedrückt, sich geschämt und oder Zweifel über die eigene Schönheit gehägt? Dass so etwas nicht sein muss, verdeutlichen spätestens die fotografischen Kunstwerke von Projekt Grenzenlos.

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