Beauty

Anti-Aging-Wunder: Eine zweite Haut

Von Vera am Freitag, 20. Mai 2016 um 12:11 Uhr

Es klingt wie der Stoff aus einem Science-Fiction-Film: US-Forscher tüfteln derzeit an einer Haut aus Silikon. Im Gesicht aufgetragen, soll sie Falten und viele andere Makel verschwinden lassen.

Man soll die künstliche Haut wie eine Creme auftragen können – und binnen Sekunden den elastischen Teint einer 20-Jährigen bekommen. Das ist keine vollmundige Werbung für ein unseriöses Jahrmarktprodukt, sondern ein wissenschaftliches Projekt der Harvard University und des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Die Forscher arbeiten derzeit gemeinsam mit der Haarkosmetikmarke Living Proof und dem US-Labor Olivo Labs an einer Art Maske aus Silikon. Sie wird in zwei Schritten aufgetragen, Creme und Katalysator verbinden sich dadurch zu einer nicht sichtbaren, hauchdünnen Schicht.

„Dabei zieht sich die Maske zusammen, strafft die Haut und deckt kleine Falten und Unebenheiten ab“, erklärt Dr. Afschin Fatemi, Facharzt für Dermatologie und Leiter der S-thetic-Kliniken in Deutschland. Bis zu 24 Stunden hält diese Schicht auf der Haut, bevor sie einfach abgezogen wird. Gegen Schweiß und Wasser soll die zweite Haut unempfindlich sein.

Das Besondere an der sogenannten „XPL“-Masse: Sie ist unserer Haut sehr ähnlich, in alle Richtungen dehnbar und atmungsaktiv. „Einen eindrucksvollen Soforteffekt bekommt man meistens in den Bereichen um die Augen. Fältchen und selbst Augenringe verschwinden durch die enorme Elastizität des Materials“, so Fatemi. Erste Studien ergaben außerdem, dass die Schicht bei den Probanden keinerlei allergische Reaktionen hervorrief.

Aber nicht nur der Schönheitsaspekt spielt hier eine Rolle: Für Menschen mit Hautkrankheiten wie Neurodermitis könnte diese Innovation nützlich sein. Das entsprechende Medikament würde einfach unter der Silikonschicht aufgetragen und so von ihr gehalten werden. Ständiges Nachsalben würde entfallen. Auch feine Narben, wie durch Akne oder Verbrennungen, und Pigmentstörungen können bis zu einem gewissen Grad problemlos abgedeckt werden. „Für Menschen mit diesen Problemen wäre die zweite Haut äußerst hilfreich.

Auch wenn man spontan einen wichtigen Termin hat, bei dem es darauf ankommt, frisch auszusehen, ist das Silikon, partiell angewendet, eine Hilfe“, bestätigt Fatemi. Er erinnert aber auch daran: „Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass der Effekt nur vorgetäuscht wird. Vergleichbar mit einem verrosteten Auto, das einfach überlackiert wird. Die Schäden sind zunächst nicht mehr sichtbar, aber unter der neuen Farbe altert es immer weiter. Tiefe Falten verschwinden mit der Maske nicht.“

Ob „XPL“ als neue Anti-Aging-Waffe taugt, wird sich Ende diesen Jahres zeigen. Dann geben die US-Wissenschaftler bekannt, wann das Produkt auf dem Markt erhältlich ist.

 

Text: Franziska Frank