
Backstage bei den großen Fashion Shows, im Salon oder bei Transformationen von Stars – Ben Gregory weiß, was als Nächstes kommt, bevor es überhaupt auf unseren Instagram-Feeds landet. Im Rahmen des Transformation Days von L'Oréal Professionnel in Paris haben wir mit ihm über den neuen Colour-Trend, die besten Styling-Hacks für zu Hause und den Fehler, den wir 2026 endlich ablegen sollten, unterhalten.
Grazia: L'Oréal Professionnel hat "Chocolate Caramel Bronde" als Farbtrend 2026 ausgerufen. Wie unterscheidet sich diese neue Dimension aus Braun und Blond vom Balayage-Hype der letzten Jahre?
Ben Gregory: Der entscheidende Unterschied bei diesem Trend ist, dass er auf niedrigen Kontrast setzt. Die Nuancen liegen sowohl im Ton als auch in der Tiefe viel näher beieinander als beim klassischen Balayage, und die Strähnchen werden feiner gesetzt. Wir arbeiten generell mit wärmeren Paletten, und wo kühlere Töne vorkommen, tendieren sie eher zu Violett als zu Blau. Das Ergebnis ist eine mehrdimensionale Farbe, die nahtlos von einem schimmernden Ton in den nächsten übergeht – für ein edles, luxuriöses Finish statt offensichtlichem Kontrast.
Perfektion ist durch Filter, KI und endlose Tutorials so leicht erreichbar geworden, dass sie fast schon langweilig wirkt.
— Ben Gregory
Du bist bekannt für deine Editorial-Looks. Welchen simplen Trick kann jede Frau zu Hause anwenden, um ihrem Haar dieses "High-Fashion-Finish" zu verleihen?
Ehrlich gesagt: nicht zu viel! Perfektion ist durch Filter, KI und endlose Tutorials so leicht erreichbar geworden, dass sie fast schon langweilig wirkt. Stattdessen sollte man lernen, das eigene Naturhaar zu betonen und die eigene Persönlichkeit sprechen zu lassen, anstatt starren Styling-Regeln zu folgen, die nur einen bereits häufig gesehenen Look kopieren. Natürlich hat auch durchgestyltes Haar seinen Platz, aber im Alltag würde ich mich darauf konzentrieren, die Produkte und die Routine zu finden, mit denen die natürliche Textur ihre bestmögliche Version werden kann.
Wenn du nur fünf Minuten hättest, um ein Model für ein spontanes Shooting vorzubereiten – welchen Schritt könntest du niemals überspringen?
Texturbildung. Die genaue Technik hängt vom gewünschten Ergebnis ab, aber Textur ist immer die Basis. Ist sie einmal geschaffen, eröffnen sich plötzlich unzählige kreative Möglichkeiten. Sie sorgt für Bewegung, Charakter und Spannung – oft innerhalb weniger Minuten. Mein absolutes Go-to-Produkt, die Grundlage fast jedes Looks, den ich kreiere, ist L'Oréal Professionnel Tecni.Art Flex Pli. Es lässt sich unglaublich einfach anwenden und gibt dem Haar ein Gedächtnis, das hilft, die hart erarbeitete Textur zu halten. Egal ob Bewegung, Volumen oder Lived-in-Texture gefragt sind – der Style hält den ganzen Tag, ohne steif oder overstyled zu wirken.
2026 zählt Diversität!
— Ben Gregory
Gibt es eine Ikone oder einen Star, deren Haarschnitt dieses Jahr den Ton angibt – so wie einst der "Rachel Cut"?
Ich glaube, Mode und Trends haben sich seit den Zeiten von "The Rachel" dramatisch weiterentwickelt. Damals hat ein einziger Star einen Trend gesetzt, und alle sind ihm gefolgt. 2026 zählt Diversität. Statt eines einzigen prägenden Haarschnitts gibt es viele verschiedene Versionen der modernen "Rachel", die jeweils für eine andere Ästhetik, Identität und einen anderen Lifestyle stehen. Individualität ist zum eigentlichen Trend geworden.
Welchen Styling-Fehler siehst du immer wieder und sollten wir 2026 endlich hinter uns lassen?
Zu stark gelockte Haare. Es gibt mittlerweile so viele Tools, mit denen sich Locken leicht erzeugen lassen. Die eigentliche Kunst liegt darin, diese Locken so zu verfeinern, dass sie mühelos, modern und "lived-in" wirken. Oft entsteht das beste Styling erst, nachdem die Locken ausgebürstet und softer gemacht wurden.
Du bist jetzt Teil der Global Creative Contributors. Was ist die wichtigste Lektion, die du von den großen Bühnen der Welt für deine tägliche Beratungsarbeit mitgenommen hast?
Behalte den Auftrag immer fest im Blick, aber erlaube deiner Interpretation davon, sich während der Arbeit weiterzuentwickeln. Ob backstage bei einer Fashion Show, im Salon hinterm Stuhl oder bei der Arbeit mit Stars am Transformation Day – die besten Ergebnisse entstehen, wenn man auf das Haar reagiert, statt ihm etwas aufzuzwingen. Eine klare Vision ist wichtig, aber wer der Kreativität Raum lässt und sich an das anpasst, was gerade vor einem liegt, erzielt am Ende oft die besten Ergebnisse.






