Beauty

GRAZIA-Talk: Ist es okay, sich in der U-Bahn zu schminken?

Von Linnea am Montag, 28. November 2016 um 10:45 Uhr

Ein japanischer Werbespot fordert Frauen auf, in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht Make-Up nachzulegen – das sei unhöflich. Bei uns gab es geteilte Meinungen

Britta Kröpke, Beauty-Leitung:

Es gibt Travel-Bags, Taschen-Spiegel, Reiseminis. Warum erfindet die Industrie so was, wenn man diese Dinge nicht überall nutzen soll? Ich werde quasi dazu aufgefordert, mich in der Öffentlichkeit zu schminken.

"Spart zeit, und ich störe niemanden"

Momentan verbringe ich mehr Zeit in der Bahn als sonst wo. Klar, sich zu schminken ist was Intimes. Man zeigt, was man vertuschen und verbessern will und muss. Eine halbe Stunde bis Stunde kann das schon mal dauern. Deshalb ist Zeitmanagement für mich alles, und ich komme eben manchmal nicht darum herum, mich in der U-Bahn oder im ICE vor Zuschauern zu schminken.

Das heißt nicht, dass ich meinen Werkzeugkoffer mit 39 Beauty-Produkten auspacke und mir den tollsten grafischen Lidstrich schminke (das bekommt man bei dem Gewackel eh nicht hin), aber Lippen nachziehen (ist laut Knigge auch am Tisch erlaubt!), Contouring und Mascara auftragen, kein Problem!

Außerdem hat Schminken was Beruhigendes, Meditatives, einen Ritualcharakter. Mehr als Lesen. Kein Sitznachbar muss Angst haben, dass ich ihm die Klamotten ruiniere. Da passe ich auf. Man muss sich eher Gedanken machen, wenn Leute Hamburger und Pommes in der Bahn essen. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Karen Jäger, Ressortleitung Foto:

Sich mal kurz in der U-Bahn die Nase pudern oder den Lippenstift nachzuziehen finde ich okay. Wenn mein Gegenüber allerdings die Kulturtasche rausholt und das volle Schminkprogramm startet, bin ich peinlich berührt. Mein Fremdschämradar steigt minütlich, und da ich nicht mehr weiß, wo ich hingucken soll, starre ich die Dame direkt an – schließlich will ich mich ja nicht alleine schämen.

Ab und an überlege ich, ob ich einfach mal bemerken soll, dass die Make-up-Farbe gar nicht zum Teint passt, oder nur ein kurzes „Weniger ist mehr“ raushaue. Das würde die Situation wahrscheinlich beenden. Aber dann sage ich nichts und bereue es zutiefst, denn schon am nächsten Tag, wenn sich wieder eine Bahnschminkerin genau vor mich setzt …

"Bitte nur im Badezimmer"

Ich bin einfach der Überzeugung, dass alles, was man im Bade macht, zur Intimsphäre gehört und nicht in die Öffentlichkeit. Und mal ehrlich: Der Weg von Make-up zur Zahnseide oder Nagelschere ist auch nicht wirklich weit. Daher meine Bitte: Wecker früher stellen, und es bleibt genügend Zeit für Körperpflege…

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