Beauty

Inhaltsstoffe im Verruf: Ist weniger das neue Mehr?

Von GRAZIA am Sonntag, 24. August 2014 um 18:01 Uhr

Parabene, Paraffine, Silikone, Parfum – immer öfter wirbt Hautpflege vor allem damit, worauf verzichtet wird. Einige Inhaltsstoffe sind auch ziemlich in Verruf geraten. GRAZIA hat nachgeforscht, wie schädlich sie wirklich sind.

Eigentlich cremen wir ja, damit unsere Haut schön und gesund aussieht. Manchen Inhaltsstoffen wird aber immer öfter unterstellt, dass sie Pickel, Allergien oder sogar Krebs auslösen. Hersteller wie CD verzichten deshalb auf Mineralöle, Parabene und Silikone, andere setzen gleich auf nur sehr wenige Inhaltsstoffe, wie etwa das Beauty-Label Hyapur. Aber wie steht es nun wirklich um unsere Skincare-Produkte?

Parabene, die Konservierer

Schön den Finger in die Creme tauchen und dann ins Gesicht damit. Dass sich dennoch nicht sofort Keime im Tiegel ansiedeln, gibt es Konservierungsstoffe. Die Klassiker: Parabene. Sie galten lange als sehr gut erforscht und unbedenklich. Bis Studien dann eine Östrogenwirkung nachwiesen – allerdings je nach Paraben bis zu 10 000 000-mal schwächer als das Hormon. Außerdem fanden Forscher in 18 von 20 Gewebeproben von Brustkrebspatientinnen Parabene in geringer Konzentration. Allerdings ist die Zahl der untersuchten Fälle gering, und es fehlen Gegenproben von gesunden Testpersonen. Das Vorhandensein allein sagt ja noch nichts darüber aus, ob Parabene bei der Erkrankung eine Rolle gespielt haben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung kommt deshalb zum Schluss, dass Parabene sicher sind. Auch Prof. Ulrike Heinrich von Dermatronnier, dem Institut für Experimentelle Dermatologie an der Universität Witten/ Herdecke, findet die Forschungslage gegen Parabene dünn. „Eine Wirkstoffgruppe, die so gut erforscht ist, deswegen zu verteufeln, macht keinen Sinn“, erklärt sie. „Und die Alternativen sind zum Teil nicht so gut getestet und allergener.“ Viele Beauty-Unternehmen reagierten trotzdem und verzichten jetzt auf Parabene.

Paraffine, die Schutzschicht

Sie werden aus Erdöl gewonnen, was zugegebenermaßen nicht sehr sexy klingt. Trotzdem steckten sie lange als Basis in vielen Cremes. Denn sie halten gut, sind preiswerter als viele natürliche Öle und außerdem wenig allergen. Und sie schützen die Haut sehr gut vor Feuchtigkeitsverlust, indem sie sich auf die Haut legen. Das ist allerdings auch ihr Problem – sie ziehen schlecht ein. Was gerade bei fettiger Haut oder im Sommer nicht ideal ist. „Deshalb machen Paraffine in einer leichten Feuchtigkeitspflege keinen Sinn, bei Produkten für sehr trockene Haut, zum Skifahren oder in einem Massageöl sind sie aber durchaus zu empfehlen“, erklärt Prof. Heinrich.

Alkohol, der Bakterienkiller

Mit dem Alkohol in Beauty-Produkten ist es ein bisschen wie mit dem in Bier und Schnaps: Man sollte ihn in Maßen genießen. Er trocknet zwar einerseits die Haut aus, gleichzeitig hat er aber auch ein paar sehr nützliche Eigenschaften. Er kühlt und desinfiziert vor allem, weshalb er in vielen Produkten nicht nur als Konservierungsmittel eingesetzt wird. „Bei fettiger, zu Akne neigender Haut ist er ein wahrer Segen“, erklärt die Hamburger Dermatologin Dr. Birgit Kunze, die auch das Akne Forum leitet. „Pickel und Unreinheiten heilen sehr schnell ab, und der zum Teil sehr störende Fettgehalt der Haut kann reduziert werden. Intelligent angewendet hat er keine Nachteile.“ Wer trockene Haut hat und trotzdem zu Unreinheiten neigt, sollte Produkte mit Alkohol aber höchstens punktuell oder nur alle zwei Tage anwenden.

Silikone, die Weichzeichner

Sie ähneln Ölen und Wachsen, werden allerdings synthetisch hergestellt. In der Haarpflege setzt man sie nur noch sehr vorsichtig ein. Zwar sorgen sie für eine tolle, glatte Oberfläche bei strapazierten Strähnen, lagern sich dort aber auch an und beschweren. Auf Dauer angewendet können sie die Haare deshalb ziemlich müde aussehen lassen. Aber auch in Skincare-Produkten verzichten einige Hersteller inzwischen auf die Glattmacher, obwohl sie im Grunde als Alleskönner gelten: Sie füllen in Anti-Aging-Cremes Fältchen auf und sorgen so für einen Sofort-jünger- Effekt und für einen hübschen Glow. Außerdem schützen sie die Haut vor Feuchtigkeitsverlust. „Zahlreiche Untersuchungen belegen die sehr gute Verträglichkeit dieser Stoffgruppe“, betont Birgit Huber vom Industrieverband für Körperpflege- und Waschmittel. Was gegen die Silikone spricht: Sie legen sich wie ein Film auch auf die Hautoberfläche, was im Winter zwar schützend, im Sommer aber weniger angenehm sein kann. Und sie sind biologisch nicht abbaubar, sondern reichern sich in Abwässern und Kläranlagen an.

Text: Alexandra Busse-Richter

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