Beauty

Interview: im Atelier von Christian von der Heide

Von Susan am Freitag, 23. August 2013 um 17:24 Uhr

Wie entstehen eigentlich die hübschen Parfum-Flakons? Wir haben Luxus-Designer Christian von der Heide, der u.a. die Flakons der Dita von Teese Düfte designt, in seinem Atelier getroffen.

Corporate und Packaging Designer Christian von der Heide steht lässig in seinem Atelier – das genau so aussieht, wie man es sich vorstellen würde. Neben Holzbalken steht ein Tisch mit unzähligen Flakons und Designs. Eine inspirierende Atmosphäre, in der uns der Hamburger mit ganz viel Leidenschaft von seiner Arbeit erzählt.

Christian von der Heide designt Duft-Flakons, Verpackungen und Logos für Strellson, Dita von Teese oder Michael Michalsky. Aber auch Bücher und edle Verpackungen – zum Beispiel für Tee.

Der 34-Jährige wurde schon mit dem Red Dot Design Award 2010 ausgezeichnet und für den Designpreis Deutschland 2011 nominiert. Seit 2010 ist er nach einer Ateliergemeinschaft mit dem renommierten Designer Peter Schmidt in Hamburg und Berlin mit eigenem Atelier selbständig. Im Moment ist er auch sehr im Austausch mit Parfümeurin Kim Weisswange - die z.B. die Düfte für Kate & William erschafft.

Wie war es denn die Dita von Teese Flakons zu designen?

Bei den Düften haben wir ja die ganze Marke entwickelt. Da ist es natürlich extrem aufwendig, z.B. die Wappen zu gestalten. Wir haben da sehr eng mit Dita von Teese zusammengearbeitet. Haben sie auch getroffen in einem Schloß in Paris und da zwei Tage mit ihr verbracht. Tatsächlich sind die ganzen Wappen-Elemente auf der Verpackung von ihr inspiriert. Man sieht ein kleines Korsett – da haben wir auch Originalentwürfe bekommen von ihrem Korsett-Macher Mr. Pearl, um exakt die Proportion ihrer Taille abzubilden. Es war z.B. auch ein langer Weg, bis die Federn so fielen, als wären sie dreidimensional. Der Handschriftzug im Wappen wurde von einem Typografen geschrieben. Alles lief parallel: das Wappen, der Flakon und der Duft. Das hat ein gutes Jahr gedauert. Mir ist es wichtig zu zeigen: wie ist eine Person, wie ist eine Marke. Der zweite Duft hat eher das Juwelen-Thema, während der erste Flakon eher die Stofflichkeit betont mit Faltenwurf etc.

Wie lange dauert es allgemein bis das Design des Flakons und der Verpackung steht und der Duft auf den Markt kommen kann?

Das kann schon über ein Jahr dauern. Der Flakon wird zuerst eingebrieft und dann mache ich zunächst Skizzen und sammle Ideen. Dann geht es erst einmal in eine Phase, in der man Muster macht – das ist ein 3D-Print-Verfahren. Da wird das Volumen und die Machbarkeit überprüft. Der Flakon muss ja auch umsetzbar sein. Dann ist in der Regel schon ein Dreivierteljahr vergangen. Ohne einen Tropfen Glas oder einen Tropfen Duft. Danach kommt die erste Abmusterung, bei der man mit dem Glas Versuche unternimmt.

Es kommt doch sicherlich vor, dass Kunden eine bestimmte Idee im Kopf haben, die als Flakon aber gar nicht umsetzbar ist, oder? Ich denke da zum Beispiel an eine Blütenform.

Ja, das stimmt – da muss man dann ein wenig tricksen. Aus der Erfahrung kennt man da gewisse optische Tricks mit denen man das Auge überlistet. Glas lässt sich eben nicht beliebig formen in der Herstellung. Dasselbe gilt aber z.B. auch bei Verschlüssen. Der Verschluss beim Dita von Teese Rouge ist in sechs Einzelteilen produziert, weil kein Werkzeug dieser Welt einem solch eine Kappe produziert. Man geht wirklich oft auch technisch an die Grenzen. Die kleinen Größen der Dita Flakons werden so lange am Hals getragen bis sie abgekühlt sind – es gibt keine Möglichkeit sie stehend zu lagern.

Wie geht es dann weiter bei der Kreation eines neuen Flakons?

Ich habe meistens ganz viele Farbmuster, die mit der Hand gemischt werden und da werden dann ungefähr zehn Muster erstellt und dann wird es auf dem Originalmaterial versucht. Die Komponenten für einen Duft kommen, auch wenn es um den Flakon geht, aus der ganzen Welt. Das Glas kommt häufig aus Frankreich, aber auch aus Deutschland. Viel kommt auch aus Asien. Und Duftkomponenten aus der ganzen Welt – vieles aber auch aus Frankreich, z.B. aus Grasse – dort werde ich auch bald zwei Monate verbringen.

Wie kamst du überhaupt zum Packaging Design?

Also zunächst habe ich Mode studiert. Dann bin ich durch Assistenz-Jobs in Agenturen gekommen und habe dann viel Corporate Design gemacht – z.B. Logos und Broschüren. Mein erster Packaging Job in einer großen Agentur war tatsächlich Katzenfutter. Danach wurden es aber ganz schnell Flakons. Ich mache heute natürlich auch noch andere Sachen, aber viel Duft, weil das ein spezielles Segment ist. Den Spagat hinzubekommen zwischen Standards und Normen und dem Poetischen – das muss man über Jahre lernen.

Das heißt man muss die Kreativität auch manchmal ein wenig zügeln, weil es nicht umsetzbar ist?

Ja, das ist immer ein wenig so als würde man an einem Seil ziehen. Da sagt die Glashütte "nein das geht nicht" und ich dann "bitte noch ein Millimeter". "Okay, dann noch einen halben..." Gerade bei der ersten Dita von Teese Flasche diese Taille hinzubekommen war extrem schwierig. Mit dem dickflüssigen Glas ist das fast nicht möglich und da haben wir in der Glashütte wirklich um jeden Bruchteil eines Millimeters gerungen.

Bei einem Frauenduft gibt es da ja bestimmt andere Richtlinien als bei einem Flakon für einen Mann?

Natürlich das eine ist das Optische, aber das andere ist zum Beispiel auch, dass Frauen ja zum Beispiel einfach kleinere Hände haben. Männer-Flakons sind auch meist viel schwerer. Man sieht sich aber natürlich auch die Marke an – ein eleganter Männer-Flakon sieht ja auch anders aus als ein sportlicher. Man muss also nicht nur Männer und Frauen unterscheiden, sondern auch die individuelle Aussage.

Ist es beim Design so: je verspielter, desto interessanter?

Es macht als Designer genau so viel Spaß, Sachen sein zu lassen wie welche zu machen. Die Idee muss Hand und Fuß haben. Wenn man kein guter Gestalter ist kann man sich mit viel Dekoration über mangelndes Fachwissen hinwegschummeln. Wenn man einen sehr puren Entwurf macht, dann fällt der Fehler natürlich direkt auf. Weil eine Form purer ist macht sie nicht weniger Arbeit.