Beauty

Treibt uns Instagram in den Beauty-Wahn?

Von GRAZIA am Samstag, 28. Juni 2014 um 15:00 Uhr
Es wird immer absurder: Hand-Liftings, Po-cials, Zehenverkleinerungen – und alles wegen Twitter und Instagram! Wie bekloppt sind wir eigentlich?

Mit Rihannas „Belfie“ ging es so richtig los. Butt-Selfie, für alle, die nicht wissen, was es sein soll. Sie postete ein Danke an Prada für ihre neuen Stiefel, die fast bis zu den Pobacken gingen. Den nackten Pobacken. Kim Kardashian legte sofort nach. Der Rest von Instagram folgte: Popos am Strand, beim Shoppen, in schicken Hotelsuiten, auf dem Eiffelturm, in einer Ausstellung. Kurz: butts with a life. Streng genommen waren viele ja keine echten Belfies, weil man dazu Orang- Utan-Arme brauchte. Egal, der Punkt ist: Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis das erste „Po cial“ auf den Markt kommen würde.

Strange! Kniestraffung, nur um auf Fotos eine gute Figur zu machen?

Im New Yorker Stadtteil Williamsburg gibt es jetzt eins. Jetzt können auch Hintern so tun, als ob sie schon beim Aufwachen umwerfend aussehen: #wokeuplikethis. Und zwar durch Tiefenreinigung, Microdermabrasion und Dampf-Peeling. What’s next? Models, die sich die Minihärchen rund um die Brustwarzen zupfen (mit einer Pinzette, autsch!) kann man noch verstehen. Die tragen berufsbedingt transparente Tops. Aber Normalo Frauen, die ihre Ohrläppchen mit Botox unterspritzen (das, was nicht mehr in die Stirn passte) oder ihre Knie straffen lassen, um auf Fotos eine gute Figur zu machen?

Kim Kardashian hat sich das Fett an den Zehen absaugen lassen

Absurd. Kim Kardashian soll 5000 Dollar hingeblättert haben, um sich Fett an den Zehen absaugen zu lassen. Angeblich weil sie zur Hochzeit besser in ihre Heels passen wollte. Sie ist kein Einzelfall: Fußchirurgen berichten von immer mehr Cinderella-Operationen, bei denen die Zehen gekürzt werden, damit man eine kleinere Schuhgröße tragen kann – ist schließlich hübscher. „Loub job“ heißt das im Englischen, nach Schuhdesigner Christian Louboutin. Und auch die Hände sind dran. Seit Twitter und Instagram hat der New Yorker Dermatologe Ariel Ostad beispielsweise doppelt so viele Hand-Liftings im Kalender stehen wie früher (er unterspritzt die Hände mit Hyaluronsäure, damit sie glatter wirken). Nicht zuletzt, weil frisch verlobte Frauen ihr „Ja“ nicht mehr am Telefon oder persönlich, sondern mit einem Bild von Hand und Klunker mitteilen.

Nein! Beauty- Redakteurin Annika Thomé hat noch kein „Po-cial“ gemacht!

Muss das alles sein? Ja, sagen zumindest Ostads Kundinnen. Und #saidyes steht dann auch unter dem Bild, das sie posten. Nein, finde ich. Man muss nicht alles mitmachen. Wofür gibt’s denn die ganzen Filter? Es wird immer absurder: Hand Liftings, Po-cials, Zehenverkleinerungen – und alles wegen Twitter und Instagram! Wie bekloppt sind wir eigentlich?

 

Text: Annika Thomé