Lifestyle

‚Brauch ich das wirklich, oder kann das weg?‘: Tipps für den minimalistischen Lifestyle!

Von Linnea am Donnerstag, 13. Oktober 2016 um 11:56 Uhr

Ein Leben à la Minimalismus? Warum nicht einmal ausprobieren, was angesagte YouTube-Stars und Blogger propagieren. Doch das neue Smartphone und das Herbstkleid aus dem Schaufenster nicht kaufen und dafür lieber auf die Uralt-Variante des Smartphones oder Selbstgenähtes setzen?Für mehr Minimalismus im Leben muss nicht zwangsläufig gleich auf jegliches Gut der verlockenden Konsumlandschaft verzichtet werden, aber dennoch heißt es: Gepflegte Zurückhaltung an den Tag zu legen und darüber nachzudenken, welche Dinge wirklich notwendig und vor allem leistbar sind. Hier ein paar Tipps, die zu einem minimalistischen Lifestyle verhelfen können.

Was bedeutet dieses minimalistische Leben eigentlich?

Minimalismus kommt eigentlich aus der Architektur und ist mittlerweile im Alltag zum Trendbegriff für eine bestimmte Lebenseinstellung geworden. Minimalitisch bedeutet aber nicht, dass sich in Enthaltsamkeit geübt wird und die Gummibärchen oder das neue Trendteil aus dem Modegeschäft nicht mit nach Hause dürfen. Vielmehr ist dieser Lebensstil durch Reduktion und eine bewusste Auswahl von Gebrauchsgegenständen gekennzeichnet. Kurzum: Eine minimalistische Lebensweise ist einfach bewusst und zwar was den Kauf von Luxusgütern, die Ernährung oder den Umgang mit dem seelischen Wohlbefinden angeht. Nachfolgend wird gezeigt, wie Minimalismus das eigene Leben umkrempeln kann – und dafür muss es nicht in die einsame Holzhütte in den Wald.

Die Säulen des minimalistischen Lifestyles

Wer minimalistisch leben möchte, der muss Platz schaffen und neue Anschaffungen gut durchdenken, damit der einst aufgeräumte Kleiderschrank nicht direkt wieder zum überfüllten „Ich seh das Kleid vor lauter Kleidern nicht mehr“-Schrank verkommt. Beim Minimalismus geht es aber nicht nur um materielle Dinge. Auch bei den Themen Ernährung oder seelische Gesundheit wird sich ausschließlich auf die Dinge beschränkt, die einen echten Mehrwert bieten.

Natürlich ist es anfangs gar nicht so leicht, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu beschränken. Denn während der eine meint: „Dieser Schrankhüter kann doch wohl weg!“, denkt der andere: „Nein, auf keinen Fall, da hängen so viele Erinnerungen dran!“ Jeder kann die Grundsäulen des Minimalismus selbstverständlich eigenständig auslegen und sich die Frage stellen: „Brauch ich das wirklich, oder kann das weg?“ Nachfolgend einige Säulen des Minimalismus, denen im Alltag Beachtung geschenkt werden kann.

Eins der Lieblingskleider passt nicht mehr und der Schrank ist noch gut mit anderen Kleidern bestückt? Im minimalistischen Lifestyle heißt es dann: „Weg damit!“ oder auch „Ab zur Swap-Party!“ ©Drobot Dean

  • Fakt:

Jeder hat nutzlose Dinge. Unter anderem die wohlbekannten Schrankhüter.

  • Ja, Nein, Vielleicht!?:

Jeder kann für sich entscheiden, welche Dinge wirklich nutzlos sind und auf Dauer keinen echten Mehrwert bieten.

  • Schlussstrich ziehen:

Nicht lang nachdenken und sich von einmal als nutzlos erkannten Dingen und Lebenseistellungen verabschieden.

  • Halt Stopp!:

Bevor die Kreditkarte übergeben oder der „Kaufen-Button“ geklickt wird, hinterfragen, welchen wirklichen Mehrwert die Errungenschaft dem Leben bietet. Kann die Frage nicht beantwortet werden, dann handelt es sich wohl eher um einen Spontankauf, der zwar oft Glücksmomente verschafft, aber eher nicht im Sinne des minimalistischen Lifestyles ist.

Minimalismus beim Essen muss nicht bedeutet, dass strenge Diät angesagt ist. Ab und zu ist natürlich erlaubt, was schmeckt. Aber dennoch wird unter anderem auf die Qualität der Lebensmittel und die Konsummenge – beispielsweise von Fleisch – geachtet. ©GTeam

Ist das auch Bio? Auf Qualität und vor allem Herkunft von Lebensmitteln wird immer mehr Wert gelegt, was nicht heißen soll, dass beim minimalistischen Lifestyle nicht auch mal ein Bonbon erlaubt ist. Doch in jedem Fall kann der Minimalismus beim Lebensmittelkonsum eine bewusstere Ernährungsweise bedeuten, die weniger strikte Enthaltsamkeit, als vielmehr bewusstere Nahrungsaufnahme und Lebensmittelauswahl bedeutet. Dies kann einfach weniger Fleisch oder insgesamt eine bewusstere Ernährungsweise sein:

  • Minimalistischer Fleischkonsum!?

Erst Vegetarier, dann Veganer und jetzt Flextarier. Gemein haben die Ernährungsweisen, dass sie auf qualitativ hochwertige Lebensmittel setzen. Wobei bei den Flextariern durchaus Fleisch auf dem Menüplan stehen darf. Aber Fleisch, das Qualität verspricht und der Fleischkonsum wird auf ein bis zwei Tage beschränkt. Einen bewussten und minimalistischen Fleischkonsum zwischen 300 und 600 pro Woche empfiehlt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihren 10 Regeln für vollwertiges Essen und Trinken.

  • „Reines Essen“

Minimalistische und bewusste Ernährung geht auch mit dem Trend des „Clean Eating“ einher. Beim Clean Eating werden bewusst verarbeitete Lebensmittel und Produkte mit künstlichen Zusatzstoffen gemieden. Also eine minimalistische Ernährungsweise, die auf natürliche Nährwerte setzt.

  • Verpackungsfrei einkaufen und die Mengen selbst bestimmen

Wer kennt das nicht: Im Kühlschrank finden sich abgelaufenen Lebensmittel oder das Obst hat leider Schimmel angesetzt. Oft landen aber auch Produkte im Müll, die durchaus noch genießbar sind. Minimalismus bedeutet deshalb unter anderem sich auf die Lebensmittelmengen zu beschränken, die vor Ungenießbarkeit auf dem Teller landen. Den minimalistischen Lebensmitteleinkauf unterstützen in einigen Städten bereits verpackungslose Läden. Dort können sich jegliche Lebensmittel nach Eigenbedarf in eigene Behälter abgefüllt werden.

Auf „Kleidertauschpartys“ können die eigenen Schrankhüter an andere weitergegeben werden. Das macht nicht nur den Schrank leerer, sondern schenkt noch einmal Freude. ©Contrastwerkstatt

Natürlich hat jeder seine ganz persönlichen Dinge und Neuerrungenschaften gerne für sich alleine. Aber im Sinne des Minimalismus gehört das Teilen im Alltag doch einfach dazu. Denn, wer teilt oder tauscht handelt im Sinne des minimalistischen Lifestyles bewusst im Umgang und in der Nutzung von Gütern. Bevor sich also ein Auto oder ein neues Kleid gekauft wird, wird überlegt: „Muss ich dieses Konsumgut wirklich allein für mich kaufen, oder kann ich es teilen oder ein anderes Teil dafür eintauschen, um Kosten zu sparen?“ Also warum Dinge nicht einmal durch zwei, drei oder vier teilen?

  • Sharing-Modelle

Minimalistischer Konsum hängt mit einigen Sharing-Modellen zusammen, die bereits zum Trend auf dem Konsummarkt geworden sind. Ob Auto, Fahrrad, Lebensmittel oder Büros, schon lange wird nicht mehr nur die Mentalität: Mein Haus, mein Auto oder mein Garten gelebt. Richtig gehört, mein Garten. Denn auch Privatgärten werden geteilt und zum Garden-Surfing angeboten. So kann in den Gärten der Welt das eigene Zelt für eine kostengünstige Unterkunft aufgeschlagen werden. Sozusagen die minimalistische Urlaubsunterkunft.

  • Swap-Partys

Kleidung aus fremden Schränken? Warum eigentlich nicht. In jedem Fall schränkt es den eigenen Konsum auf ein Minimum ein und es wird doch ab und an das eine oder andere Schmuckstück entdeckt, das gut erhalten und kostenlos getauscht werden kann. Damit nicht wieder Schrankhüter einziehen, bringen Tauschbegeisterte jeweils etwa bis zu zehn Kleidungsstücke oder Accessoires mit und dürfen diese wiederum nur gegen eine festgelegte Menge eintauschen.

  • Stöbern im öffentlichen Bücherschrank

Auch in den Bücherschränken sammelt sich meist der eine oder andere Wälzer an, der nach einmaligem Lesen nur noch rumsteht, Platz wegnimmt und zum Staubfänger wird. Das Lieblingsbuch kann mit anderen in einem öffentlichen Buschschrank geteilt werden, oder dort nach einem Klassiker oder einem aktuellen Bestseller Ausschau gehalten werden. Die Online-Suche bringt schnell zutage, wo sich ein solcher Bücherschrank in der Nähe befindet.

Weitere Dinge, die teilbar sind und wodurch sich nicht nur das Portemonnaie freut, sondern auch der minimalistische Lifestyle gelebt wird, sind der Internet-Anschluss, das Zeitungsabo oder der Wohnraum. Das Teilen von verschiedensten Gütern sorgt für mehr Minimalismus im Leben. Zudem wird meist bares Geld gespart und so werden unnötige rote Zahlen auf dem Bankauszug vermieden. Neben dem Teilen bieten einzelne Konsumbereiche, wie Haushalt oder Unterhaltung, weitere Einsparpotentiale, die vor Schulden bewahren und den Minimalismus unterstützen. Denn wer sich auf bestimmte Konsumgüter beschränkt, beim Kauf nach Sparmöglichkeiten schaut oder mit anderen teilt, spart Geld und im minimalistische Leben häufen sich nicht so schnell Schulden an. Diese machen einem bekanntermaßen das Leben nur zusätzlich schwer und gehen aufs Gemüt.

Die Auszeit für die Seele. Meditation ist ein Mittel, um Stressfaktoren wie dem Lernen zu entkommen. Sie ist Teil eines achtsamen Lebens, das zum minimalistischen Lifestyle gehört. ©Triocean

„Ich fühle mich wohl und ausgeglichen!“ Dies klingt erst einmal nach dem Ende einer Kundalini-Yoga-Sitzung, aber ist zudem ein Leitsatz, der für Minimalismus steht. Denn neben dem Verzicht auf bestimmte Konsumgüter wird mehr Bewusstsein für das seelische Wohlbefinden angestrebt. Somit weg mit negativer Energie und her mit positiven Momenten und Ruhephasen, die dem Geist guttun. Der Konzentration auf Augenblicke, die nicht be-, sondern entlasten und an die wir uns immer wieder mit einem Lächeln erinnern, wird im Minimalismus mehr Platz eingeräumt. Denn Stress im Beruf oder Konflikte, die sowieso ins Leere zu führen scheinen, gehören zwar zum Leben dazu, ziehen aber nur runter. Deshalb ist Bewusstwerdung angesagt – und zwar Bewusstwerdung der Dinge, die eine positive Wirkung auf die Seele haben. Hier ein paar Tipps:

  • Welche drei Dinge müssen in dieser Woche unbedingt erledigt werden und was ist nur zusätzlicher Ballast?

  • Was sind Gegebenheiten, die häufig von der Erledigung wichtiger Dinge ablenken?

  • Welche Dinge werden wirklich benötigt, um eigene Ziele zu erreichen?

Vorhaben sind mit Fragen an sich selbst zu reflektieren, um herauszufinden, worauf sich wirklich beschränkt werden sollte, damit der Alltag „Downshifting“ erfährt und so Stressfaktoren aus dem Leben entfernt werden. Um zu klären, in welchen Momenten Minimalismus angesagt ist, kann mehr Achtsamkeit verhelfen: 4 Tipps für mehr Achtsamkeit im Alltag unterstützen mehr Minimalismus und die Konzentration auf die Dinge, die dir und deiner Seele wirklich guttun.  

Themen
minimalismus,