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Clinton vs. Trump – der wohl größte Wahlkampf aller Zeiten!

Von GRAZIA am Montag, 10. Oktober 2016 um 12:27 Uhr

Der Wahlkampf in Amerika ist momentan auch ein heißes Thema bei euch? Dann solltet ihr jetzt weiterlesen, denn wir haben mit der gebürtigen Hamburgerin Elisabeth Wehling gesprochen, die an der Berkeley Universität in Kalifornien Sprachwissenschaft lehrt und die zweite Debatte für uns haargenau analysiert hat…

Interview: Kalle Schäfer

 

Hattest Du den Eindruck, dass Hillary Clinton vor der zweiten Debatte möglicherweise rhetorisch geschult worden ist?

Ganz sicher! Und nicht nur Hillary Clinton, auch Donald Trump. Das ist in der US-Politik gang und gäbe. Zwar prahlt Trump damit, dass er sich nicht schulen lässt. Aber das ist nur ein Manöver. Er will sich als authentisch darstellen und seine Konkurrentin als künstlich und gestellt. Nun, viele Amerikaner schlucken die Idee und meinen, Trump habe keine Berater und bereite sich nicht auf die Debatten vor. Das zu glauben ist naiv.

Wie hat Sie Dir diesmal gefallen? Nutzt Sie Sprache immer noch zu „intellektuell“, um wirklich alle (Wechsel-)Wählerschichten zu erreichen?

Clinton holte beim ersten TV-Duell gut auf. Aber nicht, weil sie besonders gut die faktischen Vorteile ihrer Programmvorschläge darlegte. Sondern weil sie ganz eindeutig intensiv gecoacht worden war, was ihre „Marke“ als Person angeht – sie hatte an Mimik, Körpersprache und Tonfall gearbeitet. Die neue Marke hieß ‚Gelassenheit und ein Schuss Fröhlichkeit’. Dieses neue Auftreten hat sie im zweiten TV-Duell nicht lange durchgehalten. Trump gab einen sehr harschen Tonfall vor, kreierte eine Stimmung des aggressiven Kampfes. Nach den ersten zwanzig Minuten des Duells kippte Clinton, verlor ihre Gelassenheit und Coolness.

 

 

‚Clinton muss noch gezielter Bilder nutzen‘

Trump suggeriert viel mit einfachen Worten, hat Clinton diesbezüglich (immer noch) ein Defizit?

Das Clinton-Team hat, was einfache Sprache betrifft, nicht den besten Riecher. Das machen die Trump-Leute besser, die zur Vorbereitung etwa erzkonservative Radioshows hören um herauszufinden, was die Wähler bewegt und wie sie reden. Clinton muss noch gezielter Bilder nutzen, die ihren moralischen Kompass als Politikerin sichtbar machen.

Dabei geht es nicht darum, komplexe Lösungen und Statistiken bis zur Unkenntlichkeit zu vereinfachen. Das kann man gar nicht. Es geht darum, eigene Werte und Ziele glasklar zu formulieren. Beispiel: Gesundheitsversorgung für alle Bürger, weil es patriotisch ist, füreinander zu sorgen – wenn eines Deiner Kind fiebernd im Bett liegt ist, rufst Du den Arzt, egal um welches Kind es sich handelt. Solch eindeutige Bilder hat sie aber nicht geliefert, als es in der Debatte um die Gesundheitsreform ging.

Ist es nicht eigentlich zu begrüßen, dass Clinton sich weniger manipulativ ausdrückt als Trump? Oder wird das bei der Stimmabgabe zu wenig honoriert werden?

In der Politik einfache Worte zu finden ist keine Manipulation. Im Gegenteil. Es ist ehrlich, Dinge auf den Punkt zu bringen. Es ist auch demokratisch, denn so versteht jeder Mitbürger, worum es einem im Kern geht. Oft machen sich Politiker diese Arbeit nicht. Kein Wunder, denn einfache Sprache ist harte Arbeit. Kennen Sie die Geschichte von Mark Twain? Sein Verleger bat ihn um eine Kurzgeschichte – zwei Seiten in zwei Tagen. Twain antwortete: Geht nicht! In zwei Tagen kann ich Euch dreißig Seiten liefern. Aber für zwei Seiten müsst Ihr mir dreißig Tage geben.

Eines muss man übrigens ein für allemal verstehen: US-Bürger, die Trump unterstützen, tun das nicht, weil er sie manipuliert. Sie tun es, weil sie seine Werte und Weltsicht teilen. Zurück zum Beispiel Gesundheitsreform, hier fand Trump einfache Worte: Es gäbe nun einmal Amerikaner, die nicht die nötigen finanziellen Mittel erwirtschafteten, um für sich selbst zu sorgen. Der Wert: Eigenverantwortung.

‚Trump ist bemüht sich als starke, männliche Autorität darzustellen‘

Wer ist für Dich der Sieger dieser zweiten Debatte – und warum?

Donald Trump. Er hat die Themen gesetzt und die Stimmung vorgegeben. Auch durch seine Köpersprache. Es hat den Raum abgeschritten, sich in die Brust geworfen, seine Gegnerin feindlich gemustert. In manchen Momenten schien es, als bereite er sich auf einen Ringkampf vor.

Wieso das alles? Weil er bemüht ist, sich als starke, männliche Autorität darzustellen, die im Kampf gegen das Böse die Amerikaner verteidigen kann. Und dass Amerika in Gefahr ist, hat er ständig wiederholt. Irgendwann habe ich aufgehört mitzuzählen, wie oft er ISIS und „islamischer Terror“ sagte. Clinton hatte einige gute Ansätze. Zum Beispiel nannte Sie Trump nicht länger „Donald Trump“, sondern nur noch „Donald“. Eine gute Strategie, denn Trump bedeutet im Englischen der Trumpf.