Fashion

„Dieses Designercape brachte mich fast ins Gefängnis!“

Von Miriam am Dienstag, 19. April 2016 um 16:32 Uhr

Klar, Mode soll auch mal provozieren. Doch dass Florian Winges durch das Tragen eines heiß begehrten Trendteils eine Straftat begeht, hätte er nicht gedacht.

Ich stehe auf Regencapes! Es ist so schön, darin durch die Tropfen zu tanzen, die Kapuze weit ins Gesicht zu ziehen. Das französische It-Label Vetements, um das es seit einiger Zeit einen Riesen-Hype gibt und das ich persönlich richtig cool finde, brachte kürzlich ein Modell heraus, in das ich sofort schockverliebt war: pechschwarz, bodenlang, übergroß und mit dem deutschen Wort „Polizei“ quer über dem Rücken. Genial. Schließlich ist es gerade total angesagt, Klamotten mit Firmenlogos wie von McDonald’s, Coca-Cola oder Lidl zu tragen.

Doch leider war es in diesem Fall illegal, wenn man bedenkt, dass die Polizei, wie soll ich es sagen, das alleinige Recht auf ihren Schriftzug hat. Aber das war mir anfangs gar nicht klar.

Ich fand es einfach nur chic.

Jedenfalls war der erste Schwung Capes sofort ausverkauft. Doch bei der zweiten Lieferung einer Mailänder Luxusboutique gehörte ich zu den Glücklichen, die noch ein Exemplar ergattern konnten. Für 180 Euro! Zugegeben, der Preis ist happig für ein Stück Plastik, doch das Regencape war ein echter Hingucker – so dauerte es auch nicht sehr lange, bis eine Streife in der Stuttgarter Innenstadt auf mich aufmerksam wurde. „Hören Sie, junger Mann! Sie dürfen das nicht tragen. Das ist Amtsanmaßung!“, erklärte mir ein Polizist entrüstet. Die vielen Touristen in Stuttgart könnten den Unterschied zwischen mir und der offiziellen Uniform nicht erkennen, versuchte man, mir verständlich zu machen. Ich versprach, das Cape auf links zu drehen, und zog weiter.

Aber was nützt einem ein Designerstück, bei dem der Eyecatcher- Effekt verdeckt wird?

Also lief ich weiterhin als „Modepolizist“ durch den Regen.

Doch der Spaß endete kurz darauf in der Fußgängerzone. Zwei Beamte fuhren mir in ihrem Streifenwagen nach. „Sofort stehen bleiben!“, schallte es aus dem Megafon. Man hielt mich an und zitierte mich ins Auto. Man forderte Verstärkung an. Aus zwei Polizisten wurden plötzlich sieben, und ich fühlte mich tatsächlich wie ein Schwerverbrecher.

Im Streifenwagen nahm man meine Personalien auf und hielt mich eine Stunde in Gewahrsam. Diskutieren? Zwecklos! Auch die Tatsache, dass es sich um ein extrem geniales Statement-Piece eines Pariser It-Labels handelte, ließ die Beamten kalt. Ich philosophierte über die Metaebene der Designaussage, um die unangenehme Stille zu füllen, die zwischen mir und den vielen Polizisten herrschte. „Das ist eine Straftat! Wir zeigen Sie wegen Missbrauchs von Amtszeichen an!“, bellte mir ein Polizist entgegen. „Den Mantel ziehen Sie bitte aus. Der ist jetzt beschlagnahmt!“

Ich fand das ziemlich lächerlich und zog das Cape widerwillig und entrüstet aus. Es war kalt, und ich konnte es nicht glauben, dass ein Designerteil ganze sieben Polizisten auf Trab hält.

Bis heute habe ich es übrigens nicht wiederbekommen.

Dafür hat sich Vetements bei mir gemeldet. Sie hatten Wind von meiner Geschichte bekommen und wollen mir ein neues „Polizei“-Cape schicken.

Es soll nächste Woche ja auch wieder regnen.

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