Beauty

Dior's Make-up-Meister Peter Philips im exklusiven GRAZIA-Talk

Von Martyna am Donnerstag, 14. Juli 2016 um 17:42 Uhr

Wir sind backstage bei Dior in der Avenue Montaigne, DER Adresse wenn es um Haute Couture geht. Hier beobachten wir Dior's Make-Up-, Creative- und Color-Designer Peter Philips, der seelenruhig Interviews gibt und sich von der wuseligen Atmosphäre nicht aus der Ruhe bringen lässt. Für die Show entwarf er nicht nur für alle 46 Models 46 verschiedene Looks, sondern er legte auch 46 Mal selbst Hand an – trotz seines großen Teams. Uns verriet der Perfektionist im exklusiven GRAZIA-Interview warum. 

Sie haben tatsächlich 46 Models für die Dior Haute Couture Show selbst geschminkt?

Jep! Zuerst machte das Team die Base und ich schminkte dann ein Auge, so dass sie nur den Look auf das andere Auge kopieren mussten.

Wow, das ist tough, das sind ja viele Augen! Und jede Linie muss sitzen!

Ich habe das Glück eine sehr ruhige Hand zu haben. (lacht!)

War das von Anfang an die Idee für den Haute Couture Look? Ein grafischer schwarzer Haute Couture Eyeliner?

Die Kollektion ist schwarz, weiß und gold und die Designer benutzen die alten Dior Codes, wie z.B. das 'Bar Jacket' und veränderten, bzw. aktualisierten sie. Ich dachte mir, warum nicht auch beim Make-up. Als Christian Dior seinen neuen Look präsentierte, trugen die Models einen schwarzen Eyeliner, einen sehr eleganten. Ich übertrug ihn in die heutige Zeit. Dazu kommt eine moderne, definierte Augenbraue, damit der Look nicht zu retro wird. Als kleiner Twist in mitten der Show, schminkte ich vier Models einen goldenen Eyeliner – auch Christian Dior bediente sich bereits solcher kleinen Highlights.

Mit welchem Liner arbeiten sie am liebsten?

Mit dem wasserfesten 'Diorshow Proliner'.

Ist der nicht ein wenig viel Produkt und fettig? Und dadurch schwierig aufzutragen? Gerade, wenn der Look so präzise ist?

Bei den 46 Looks gibt es keine filigranen Shapes, es sind ja eher größere Flächen und ich habe eine Menge feiner Q-Tipps (lacht).

Bella Hadid backstage

Aber gerade wenn der Liner großflächig ist und man das Auge öffnet und schließt, entsteht doch gerne ein Abdruck auf dem Oberlid!

Nicht wenn man den Eyeliner der Augenform und dem Lid angepasst. Genau aus diesem Grund habe ich die 46 Looks für jedes Model einzeln entworden. Ich habe auch keine Lust ständig nach zu arbeiten. Hat ein Model ein eher schweres Augenlid, wie z.B. Bella Hadid mache ich den Liner gleich auf das Unterlid, oder ich lasse sie das Auge öffnen, sehe den Abdruck und nehme ihn als äußerste Linie und fülle den Liner auf – und damit ist die Sache erledigt. Manchmal wird es damit auch eine dicke Linie. Aber ständig hinter einem Mädchen für eine Korrektur herzulaufen ist ein Alptraum.

Haute Couture ist die hohe Kunst der Mode, was bedeutet das für den Make-up Look, unterscheidet er sich von dem einer Prêt-a-Porter-Show?

Für mich eigentlich nicht. Ich spreche mit den Designern, schaue mir ihre Moods an, das inspiriert mich. Es muss alles in der Balance bleiben, das Outfit, die Haare die Musik, das Set.

Schauen sie auch Tutorials, beispielsweise auf YouTube?

Na klar!

Gibt es einen bestimmten Kanal, den sie schauen?

Eher nicht, ich zappe einfach so durch, ich stoße da einfach drauf – auf unfassbare Show-Girl-Tutorials – das sind zum Teil echte Kerle die sich in Fabelwesen verwandeln. Oder auch Frauen in ihrem Badezimmer, das ist nicht immer perfekt, aber du spürst die Freude, die ihnen Make-up bereitet und das ist für mich das Wichtigste.

Ein Model wartet auf den Beginn der Haute Couture Show

Gibt es Regeln an die man sich Make-up technisch halten soll?

Nimm niemals zuviel, aber achte drauf, dass es genug ist!

'Bare Faces', also kaum Make-up, sind zurück, wenn man die Shows anschaut, die Fashion Kampagnen, Editorials – gehen wir weg von starkem Contouring und Co.?

Contouring ist ja eher ein 'Red-Carpet'-Ding– es gibt einfach so viel mehr Mediakanäle heute. Magazine sind nicht mehr der größte Impulsgeber, genauso wenig wie Modeshootings. Dafür gewinnt der rote Teppich mehr und mehr an Bedeutung, das heißt aber nicht, dass sich das eine mit dem anderen kanibalisiert, sondern es funktioniert perfekt nebeneinander. Auf dem roten Teppich geht es eher klassisch zu, mal eine rote Lippe hier, mal ein Smokey Eye – Modeshoots sind einfach sehr viel freier und künstlerischer. Eher zum Träumen und Inspirieren lassen.

Gibt es Farben mit denen Sie nichts anfangen können?

Manchmal habe ich Probleme mit Lila und Lavendel – trotzdem benutze ich sie hin und wieder, merke aber, dass ich mich nicht zu 100% darauf einlasse. Das sieht man auf den ersten Blick, wenn man in meine Make-up Cases guckt. (lacht)

Aber es gab bei den letzten Shows pflaumenfarbene Augen und auch in der neuen Lippenstiftlinie 'Rouge Dior' gibt es einen limitierten lavendelfarbenen Lippenstift!

Ja weil der Ton einfach zu vielen Hautfarben großartig aussieht – komisch oder?

Du möchtest noch mehr von Peter Philips und seinen Eyeliner-Künsten erfahren? Dann jetzt ab zum Kiosk und die neue Ausgabe der GRAZIA schnappen! 

GRAZIA Beauty-Editor-in-Chief und Peter Philips

Interview: Bettina Brenn 

Hier kannst du dir das Video zur Dior Haute Couture Show ansehen: