Fashion

Model sagt Essstörungen in der Fashion-Welt den Kampf an

Von Martyna am Freitag, 3. Februar 2017 um 14:47 Uhr

Es ist DAS Vorurteil der Fashion-Branche: Models haben Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht. Eine aktuell durchgeführte Studie eines Ex-Models beschäftigt sich intensiv mit dem Thema und kritisiert die Modebranche wegen zu wenig Aufklärung. 

Sara Ziff war früher selbst Model und weiß aus erster Hand, wie hart die Branche ist. Die Mädchen müssen dünn sein um Jobs zu bekommen. Und genau da setzt Ziff mit ihrer Studie an. Zusammen mit der Eliteuniversität Harvard, der Northeastern University und dem Boston Childrens Hospital hat sie 85 junge Models bei der Fashion Week befragt. Die Kernfrage: Woher kommen die Essstörungen und wie werden sie verursacht? Das Ziel: Neue Erkenntnisse über mögliche einzuführende Regulationen und Gesetze sammeln. Im Großen und Ganzen möchte die junge Frau Mädchen helfen als Model gar nicht erst in die Magersucht oder ähnliches abzurutschen. Die ganze Studie wurde erst vor zwei Tagen im International Journal of Eating Disorders veröffentlicht und hat schon viele Anhänger gefunden. Gegenüber Vogue.com sagte Ziff: 

Es scheint niemanden zu geben, der die Models berät. Es gibt nur eine BMI-Bestimmung für die Mädchen, doch die ist nicht die Antwort. Wir schlagen keine neuen Prinzipien oder Gesetze vor, wir haben uns bloß umgehört was die Menschen denken, was funktionieren könnte.

In den Ergebnissen der Studie ist eines sehr leicht erkennbar: Der Großteil der Models muss sich mit seinem Gewicht für den Job kritisch auseinandersetzen. Natürlich, schließlich ist ihr Körper ihr Kapital. Was jedoch erschreckend ist, ist dass mehr als 62 Prozent der Befragten angeben, dass ihnen von Agenturen oder Brancheninsidern geraten wurde, ihr Gewicht für bessere Jobs zu verändern. Eine Sache muss man hierbei im Gedächtnis behalten: Es wurden Menschen befragt, die bereits einen sehr niedrigen BMI haben und nach vielerlei Standards als untergewichtig gelten – trotzdem wird ihnen geraten noch mehr Gewicht zu verlieren. 


Wenn die berufliche Zukunft davon abhängt einige Kilo abzunehmen und dieses Gewicht dann zu halten, entwickelt es sich schnell zum gesundheitlichen Problem, sagt auch das frühere Model Sarah Ziffl. Und genau davor möchte sie die Models schützen – zusammen mit der gesamten Branche. Diese unsicheren Arbeitsbedingungen sind normal für das Berufsfeld, doch sie ist überzeugt, dass sich jeder darauf einigen kann, dass "grundlegende Gesundheits- und Sicherheitsstandards gegeben sein müssen". Eine Idee, die aus der Studie hervorgeht ist, dass es vorgeschriebene, 30-minütige Pausen sowie gestellte Nahrung bei Jobs, die mehr als sechs Stunden dauern, geben muss.

Eines Tages ist die Karriere vorbei und alles was übrig bleibt ist eine kranke junge Frau. Laut Statista steigt die Zahl der Bulimie und Magersuchtsfälle, die in einem Krankenhaus nachweislich behandelt wurden. Im Jahr 2000 waren es rund 7.000 Fälle, 2014 waren es weitmehr als 10.000. Experten führen diesen Anstieg häufig auf das in den Medien und der Modebranche verfälsche Frauenbild zurück. Ziff ist sich sicher, dass gesunde Models auch in dieser Sicht Besserung bringen könnten. Viele Models sind seit Veröffentlichung der Studie an die Öffentlichkeit gegangen und haben ihre ganz persönlichen Geschichten zu dem Thema erzählt. Unter dem Hashtag #DearNYFW gibt es bereits über 200 Beiträge von mutigen Models, die an die Modemacher appellieren dieses Problem ernst zu nehmen und sich mehr für die Gesundheit ihrer Models einzusetzen.

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