Fashion

Starke Reaktion: Lala Berlin wehrt sich gegen das Trump-Regime

Von Marie am Freitag, 3. Februar 2017 um 17:43 Uhr

Designerin Leyla Piedayesh hat es nicht nur geschafft mit ihrem Label lala Berlin, welches aus einem Flohmarktstand mit gestrickten Pulswärmern entstand, Kultstatus zu erreichen und neue Maßstäbe in der Deutschen Modebranche zu setzen, sondern ist auch die erste Designerin, die gerade WEGEN ihrer deutsch-iranischen Wurzeln zur Trump-Perversion Stellung bezieht: "Wir waren lange viel zu unpolitisch", sagt sie und noch viel mehr... 

Text: Claudia ten Hoevel

War das eine spontane Idee von dir mit dem "I’m an immigrant"- Schild auf den Laufsteg zu gehen – oder hattest du das schon länger geplant?

Das war total spontan. Aber der Grundgedanke, also die Idee endlich mal Stellung zu beziehen, die entwickelte sich schon länger. Einfach weil im vergangenen Jahr, oder auch schon etwas länger, so viele extreme Dinge passiert sind, die einen einfach zum Nachdenken bringen müssen. Also nicht nur Trump, da ist ja noch viel mehr...

Hattest Du denn damit gerechnet, dass Trump so schnell so einschneidende Maßnahmen umsetzt wie das Einreiseverbot für Bürger einiger muslimischer Staaten?

Nein, auch nicht so gewaltig und extrem und so verschachtelt, wie er es jetzt tut. Man denkt ja das ist alles völlig willkürlich – und im nächsten Moment wirkt es doch durchdacht, was dort vor sich geht. 

Ich fand immer das Mode und Politik nicht viel gemeinsam haben

Und mit diesem Gefühl hast du dann in deinem Hotelzimmer in Kopenhagen gesessen und gesagt, ich muss dem etwas entgegen setzen?

Wir hatten den ganzen Tag für die Show gefittet, und dann kam ich nach Hause und war einfach so aufgewühlt und war im Internet unterwegs und habe mir alles reingezogen, was an dem Tag wieder passiert war. Man fühlt sich so ohnmächtig und sehnt sich plötzlich nach etwas, wofür man einstehen kann. Und da ich aus dem Iran komme, betreffen mich das Einreise-Thema und der  Immigrations-Stopp natürlich auch noch persönlich. Und deshalb war es für mich an dem Abend das Richtige mit dem Schild rauszugehen. Also mein Gesicht zu zeigen und zu sagen, dass gerade vieles nicht so läuft, wie man sich das wünscht. Ich fand immer das Mode und Politik nicht viel gemeinsam haben. Aber jetzt ist eben die Zeit gekommen, Stellung zu beziehen – aus welcher Ecke du auch immer kommst.

Ich denke, diese Ohnmacht angesichts der aktuellen Lage, die du eingangs beschreibst,  kennen viele von uns...

Ich finde, dass die meisten von uns die letzten 20 Jahre viel zu unpolitisch waren. Wir haben goldene Zeiten genossen, in denen vieles einfach gut war. Und jetzt verändert sich weltweit gerade etwas. Durch die Globalisierung und die Vernetzung rückt alles so eng zusammen, man erfährt so schnell, was überall passiert, dass einem kaum Zeit zum Atmen bleibt. Aber es ist an der Zeit, wieder mehr nachzudenken und Dinge zu bewegen, statt einfach nur zu konsumieren und zu verbrauchen.

Wie waren denn die Reaktionen auf deine Botschaft?

Nur positiv. Viele haben mir gesagt, dass sie das toll finden und stolz sind. Und das hat mich natürlich auch berührt und positiv gestimmt.

Endlich engagieren sich die Menschen wieder

Irgendwie ja normal, seine Meinung zu äußern, und trotzdem ist so ein Schritt heute mutig. Glaubst du, dass noch richtig harte Zeiten kommen?

Ich habe viele schwarze Bilder vor Augen gehabt die letzten Monate, darüber wie unsere Zukunft wohl aussieht mit Klimawandel, dem Bevölkerungswachstum und den Ressourcen, die wir pro Kopf verbrauchen. Es gibt so viele wichtige Themen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Und dann kommt auch noch so ein Trump dazu, mit seinem Wahnsinn. Ich will jetzt die Zukunft nicht völlig schwarz malen. Aber es ist einfach Zeit, dass wir aufwachen. Und etwas tun. Es ist alles so komplex und schnell. Du kannst alles schwarzsehen – oder dich an positiven Dingen festhalten. Etwa, dass wir mit unserem Wissen und unserer Technik an einem Punkt sind, wo wir viele Dinge, die wir irre schnell kaputt gemacht haben, eventuell auch wieder umdrehen und retten können.

Und um das jetzt auf Trump zu beziehen, hat er ja viele Menschen dazu gebracht, sich wieder zu engagieren – um jetzt einfach mal das Positive an der Situation zu sehen. Es gibt Menschen, die durch ihn zum ersten mal seit langer Zeit wieder angeregt werden, für etwas einzustehen und auf die Straße zu gehen. Aufwachen und sich bewegen, damit es eben keine schwarze Zukunft geben wird.