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Interview mit Dries van Noten: "Die 70ies haben mich zu dem Mann gemacht, der ich heute bin"

Von Stephanie am Mittwoch, 18. Februar 2015 um 16:45 Uhr
Dries van Noten (56) ist mit seinen Hippie-Looks für Spring/Summer 2015 sowas wie der Trend-Guru der Saison. Er verschickte zweideutiges Gras als Einladungskarte, hat den ersten It-Teppich der Welt kreiert (der sogar Kanye West in Staunen versetzte) und wird jetzt mit einer großen Ausstellung in Antwerpen gefeiert. Für GRAZIA hat das belgische Mode-Genie die wichtigsten Fragen zur Saison beantwortet!

Neben den Wow-Looks war der grüne Gras-Teppich der absolute Star deiner Fashion-Show, selbst Kanye West war total beeindruckt. Welche Idee steckt dahinter?

Das Setting ist inspiriert von Summer-Festivals und der Sonnenwende. Man könnte sagen, es ist ein Mittsommernachtstraum. 

Warum passt das Setting so gut zu deiner neuen Kollektion für Frühjahr-Sommer?

Es ist doch die perfekte Atmosphäre nach einem Festival. Der morgen danach, wenn alles noch schläft und man von der Romantik der Stille geweckt wird.

Deine Einladung war eine Plexibox mit dubiosem Gras-Inhalt. Kann man das etwa rauchen?

Es ist Moos. Ich glaube das ist un-rauchbar (schmunzelt).

Es gab bestimmt auch ein paar heikle Momente, dieses Traum-Setting aufzubauen, oder?

Der Teppich wurde ja in Buenos Aires angefertigt. Er stammt von Alexandra Kehayoglou, einer Teppich-Knüpferin in vierter Generation. Die Zeit war unser größter Gegner. Der Teppich kam erst einen Tag vor der Show in Paris an. Wegen seiner enormen Größe (48 Meter lang, 3 Meter breit) war der Transport eine sehr heikle Angelegenheit. Aber am Ende ist ja Gott sei Dank alles gut gegangen.

 

 

Wie lang hat Alexandra denn daran gearbeitet?

Der Teppich ist aus reiner patagonischer Wolle gefertigt. Vier Wochen lang haben drei Teams mit jeweils zehn Leuten rund um die Uhr geknüpft. Es ist das größte Projekt, das Alexandra je gemacht hat. Der Teppich besteht aus vier Teilen zu jeweils zwölf Metern Länge.

Und wo ist der Teppich jetzt, in deiner Wohnung?

Nein, oh Gott, dafür ist er viel zu groß. Er liegt in unserem Atelier in Antwerpen. Bald wollen wir ihn aber in Hongkong und vielleicht auch in Berlin ausstellen. 

Die 70er Jahre sind ja das beherrschende Theme in dieser Saison. Hast du eine besondere Erinnerung an diese Zeit?

Klar, meine Teenager-Jahre! Meine Eltern arbeiteten beide im Modebusiness und haben auch in mir die Leidenschaft für Fashion geweckt. Es war so eine unglaublich kreative und optimistische Zeit. Die 70ies haben mich zu dem Mann gemacht, der ich heute bin. 

Du meintest mal in einem Interview, dass du auf Kitsch und Hässlichkeit stehst. Warum?

Ich fühle mich irgendwie gechallenged, wenn Leute einen etwas anderen Geschmack haben. Das erweitert meinen Horizont und daran kann ich wachsen.

Seit 12. Februar gibt es in Antwerpen deine Ausstellung "Dries van Noten Inspirations". Erzähl uns doch ein wenig darüber.

Die Ausstellung war vorher mit großem Erfolg in Paris und zieht jetzt in meine Heimatstadt. Darüber bin ich sehr stolz. Es wird auch etwas anders sein als in Paris. Es gibt neue Objekte und Kunstwerke (z.B. Stücke von Elsa Schiaparelli, Christian Dior, Damien Hirst oder Yves Klein, d. Red.). Die Besucher bekommen dadurch einen ganz guten Eindruck, was mich antreibt, was mich inspieriert und wo ich meine Ideen hernehme. 

Themen
Dries Van Noten,
70ies,
Summer of Love