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Interview mit Rachel Roy: „Frauen sollen sich in meinen Stücken stark und sexy fühlen“

Von Susan am Dienstag, 26. November 2013 um 10:38 Uhr

Designerin Rachel Roy hat in Hamburg nicht nur einiges über sich selbst erzählt, sondern auch das perfekte Silvester-Outfit verraten.

In den USA ist sie eine bekannte Star-DesignerinHeidi Klum, Katie Holmes und sogar die First Lady Michelle Obama tragen Stücke von Rachel Roy. Jetzt kommt sie auch dank Karstadt mit ihrer zweiten Linie RACHEL Rachel Roy nach Deutschland.

In Hamburg habe ich mich mit der 39-Jährigen getroffen und kann nur sagen: Ihre positive Art hat mich einfach umgehauen. Wie sie in New York den American Dream lebt, warum sie so sehr zu Coco Chanel aufblickt und was sie so an NYC liebt, erzählt Rachel Roy im Interview.
 

Erzähl uns wie alles angefangen hat – wenn du zurück blickst, warum wurdest du Designerin?

Ich habe in der Mode-Branche gearbeitet, seit ich 14 Jahre alt war. Mein erster Job war es, Pakete für einen Store auszupacken. Während meiner Schulzeit habe ich für ein Unternehmen gearbeitet und war zu meinem College-Abschluss dort schon Store-Manager. Ich wusste aber, dass ich lieber auf der anderen Seite der Mode arbeiten will. 15 Jahre lang war ich im Verkauf tätig und habe dann angefangen unbezahlt als Stylistin zu arbeiten. Ich habe nach dem College wieder als Praktikantin angefangen und in einem Mode-Unternehmen, das gerade erst gegründet wurde, gelernt, wie man ein Unternehmen aufbaut - Dort habe ich sieben Jahre lang gearbeitet, bevor ich meine eigene Modelinie gegründet habe. Es war der American Dream – ich habe es nur nicht realisiert, weil ich noch so jung war.
 

Wie hat dir die Arbeit als Store-Managerin und Stylistin auf dem Weg zur Designerin geholfen?

Während ich im Verkauf gearbeitet habe, habe ich gelernt, was Frauen hilft sich gut zu fühlen, was sie kaufen und war zu ihrer Silhouette passt. Ich habe all das unbewusst gelernt und als ich dann anfing zu stylen, habe ich viele Leute getroffen, die gerade ihr eigenes Label gegründet haben – und das war ja das, was ich schon immer selbst tun wollte.
 

Wenn du dich in 5 Worten beschreiben solltest – welche würdest du wählen?

Gefühlvoll, eine Schwester für alle Frauen, liebevoll, (dann fragt sie ihre Assistentin um Hilfe und beide sprechen darüber), ehrgeizig und ich kann mich gut mit anderen identifizieren.
 

Zu welchem Designer hast du schon immer aufgesehen?

Definitiv Coco Chanel – aus so vielen Gründen. Hauptsächlich, weil sie ein Waisenkind war und durch die Art, wie sie aufwuchs. Coco Chanel hat ihre Situation komplett verändert und verkaufte ihre Kollektionen and die reichsten und bekanntesten Frauen. Ihr Schicksal auch ein ganz anderes hätte sein können, wenn sie nicht an sich selbst und an ihr Talent geglaubt hätte. Für mich geht es nicht darum, wo man geboren wurde, es geht darum zu wissen, wer man ist und an sich zu glauben. Ich glaube, wir sind alle mindestens in einer Sache richtig gut und sie hat das gefunden und gelebt. Bei mir ist es dasselbe – Mode ist der Bereich in meinem Leben, bei dem ich nicht hinterfrage, was ich tue.
 

Was inspiriert dich an New York City?

New York ist die Stadt, in der du alles tun kannst, was du willst. Ob Mode, Möbel, Essen, Bücher – du kannst in allen Bereichen ein Unternehmen gründen und findest Unterstützung dafür. Die Besten der Besten ziehen dort hin und die Klügsten. Frauen streben oft danach schön zu sein, aber in New York wollen sie klug sein – und das Liebe ich.
 

Wo können wir den Einfluss des Big Apples in der RACHEl Rachel Roy Kollektion sehen?

In meiner Kollektion versuche ich zu erreichen, dass sich die Frauen in den Stücken stark und sexy fühlen. Nur sexy ist mir zu langweilig, nicht inspirierend. Wenn eine Frau allerdings zur Tür hereinkommt und stark und sexy aussieht – dann will ich mehr über sie erfahren und sie kennenlernen.

 

Was sind deine Lieblingsorte in New York?

Ich liebe das MoMa. An den Wochenenden habe ich meiner Tochter oft Malunterricht gegeben. Sie war sehr frustriert und sagte, dass ihre Bilder nie so schön sind wie meine. Da habe ich sie mit ins MoMa genommen und ihr ein Bild gezeigt. Es war sehr abstrakt, aber in der Beschreibung stand, dass es ein Haus darstellt. Meine Tochter meinte, das sieht doch überhaupt nicht aus wie ein Haus. Ich habe es ihr erklärt und dann hat sie diesen Gesichtsausdruck bekommen – plötzlich fühlte sie sich akzeptiert. Das ist das Tolle an NYC – du kannst eine Idee haben, die nicht perfekt sein muss, und sie trotzdem bis zum Ende durchziehen. Außerdem bin ich sehr gern am Wasser. Wenn ich im Battery City Park bin, dann kann ich auch Ellis Island sehen. Mein Großvater kam aus Holland nach Ellis Island und landete schließlich zum Arbeiten in Iowa. Ich sehe das als Motivation: es ist meine Aufgabe so hart zu arbeiten, wie ich kann, weil er auch so hart gerarbeitet hat.
 

Gibt es ein Stück aus deiner Kollektion, dass du besonders gern zu Weihnachten tragen würdest?

Auf jeden Fall einer meiner Cardigans, sie sind so groß und gemütlich wie ein Bademantel. Mit einem Gürtel kann man sie toll stylen – ich trage am liebsten Leder Leggings und ein T-Shirt dazu.
 

Was ist für dich ein perfektes Silvester-Outfit?

Ich finde einen Overall super. Er ist genau so sexy wie ein kleines schwarzes Kleid, aber individueller und frischer. Mehr: Man sticht damit aus der Masse heraus.
 

Was sind zwei easy Stylings, auf die du gern zurückgreifst?

Ich trage sehr gern einen Trenchcoat als Kleid. Ich fühle mich darin stark und sexy und für so ein Kleid braucht man keine perfekte Figur. Außerdem liebe ich Blazer mit akzentuierter Schulterpartie. Die werfe ich mir auch gern einfach nur über die Schultern.

Du bist im Social Media Bereich sehr aktiv – warum ist dir das so wichtig?

Ja, das ist der einzige Weg meinen Kunden zu zeigen, wer ich wirklich bin. Mit 39 bin ich sehr viel älter als manche Kundinnen, aber auch im selben Alter von vielen. Die RACHEL Rachel Roy Frau ist etwas jünger – sie kann aus meinen Fehlern und Erfolgen lernen. Die Frau, die Rachel Roy kauft, ist ungefähr in meinem Alter und kann sich deswegen mit mir identifizieren. Instagram macht mir am meisten Spaß. Aber ich musste mich auch erst in die Social Media Welt reinfinden und mir alles erklären lassen.
 

Hast du Kooperationen oder Projekte, die dir besonders am Herzen liegen?

Ich habe eine tolle Kooperation mit Peace & Co. - sie bringen mich mit Frauen in Indien und Guatemala zusammen, wo es wenig Arbeit gibt und ich habe versucht ihnen mit meiner bunten Reisetaschen-Kollektion Arbeit zu geben.

Außerdem habe ich ein Social Media Projekt mit dem Hashtag #rrkindness. Hier rufe ich alle dazu auf, etwas Gutes zu tun – das kann eigentlich alles sein – und ein Foto davon zu teilen. Für jeden Hashtag spende ich an Familien, die sich kein Weihnachtsessen leisten können. Ich will nicht nach Geld fragen, sondern möchte lieber bitten, etwas Gutes zu tun.
 

Was würdest du anderen Frauen und besonders deinen beiden Töchtern raten?

Ich hoffe, dass ich meinen Töchtern die „tools to be happy“ beibringen kann – d.h. Wege, wie man sich selbst glücklich machen kann. Für mich ist Glücklichsein kein Zustand, sondern man hat selbst die Wahl. Außerdem ist es wichtig, dass wir uns auch selbst etwas Gutes tun. Man ist nicht gleich egoistisch, wenn man mal etwas für sich selbst macht. Ich nehme mir dann Zeit, allein meine Zeitschriften zu lesen, um meine Akkus wieder aufzuladen. Dann kann man auch anderen viel mehr geben.
 

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