Fashion

MBFWB: Backstage-Interview mit Achtland

Von GRAZIA am Montag, 15. Juli 2013 um 16:40 Uhr

Oliver Lühr und Thomas Bentz sitzen ganz entspannt auf den Treppen des Kronprinzenpalais in Berlin Mitte. In einer Stunde beginnt die erste Modenschau ihres Labels Achtland (2011 gegründet). Noch wirkt das Designer-Duo und Paar ziemlich entspannt. Ob das so bleibt? GRAZIA fragt nach.

In einer Stunde beginnt Eure erste Modenschau. Seid Ihr aufgeregt?

Heute geht es mit der Aufregung. Wenn die Maschinerie erst mal angelaufen ist, kann man sie eh nicht mehr stoppen und das ist gut so. Es fühlt sich eher wie ein erster Schultag an.

Was ist das Thema Eurer Achtland-Sommerkollektion für 2014?

"Prinzhorns's Finches". Die Kollektion ist von der Sammlung Prinzhorn und von den sogenannten "Showbirds" inspiriert.

Was sind denn "Showbirds"?

Eine Fotoserie mit Porträts von kleinen Zuchtfinken. Die Finken haben ein ganz tolles Selbstbewusstsein – zauberhaft, wie sie ihre Hälschen rücken. Das fanden wir ironisch, witzig aber auch ernsthaft.

Wie beginnt Ihr mit einer Kollektion?

Wir suchen uns immer ein spannendes Thema aus. In dieser Saison hat uns die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg fasziniert.

Wie seid ihr gerade auf diese Ausstellung gekommen?

Wir haben in der "London Time Out" eine Jacke aus der Ausstellung gesehen und angefangen darüber zu lesen. Das hat uns neugierig gemacht, so sind wir spontan nach Heidelberg gefahren.

Was hat Euch an der Sammlung besonders inspiriert?

Die Sammlung Prinzhorn ist die weltweit größte erhaltene Sammlung von "Outsider Art". Die Ausstellung ist wahnsinnig vielfältig und man findet ganz unterschiedliche Sachen. Von kleinen detailverliebten Zeichnungen bis zu große Rauminstallationen mit zerfetzten Stoffbahnen - diese Gegensätzlichkeit hat uns beschäftigt.

Würdet Ihr Euch als intellektuelle Designer verstehen?

Nicht unbedingt. Wir suchen nicht zwanghaft nach einem intellektuellen Hintergrund. Das Kollektionsthema interessiert uns immer auch privat. Uns macht es einfach Spaß so zu arbeiten - man schafft etwas Neues, was es vorher noch nicht gab.

Seid ihr Euch immer einig?

Wir räumen uns gegenseitig immer ein starkes Vetorecht ein, weil wir uns vertrauen und einen sehr ähnlichen Geschmack haben. Jeder Stoff und jedes Teil führt immer zu einem kleinen Diskurs. Kurz vor der Show haben wir zum Beispiel noch ein Abendkleid rausgeworfen - man an muss sich auch selbst zensieren können.

Hand aufs Herz, knallt es bei Euch denn nie?

Da gibt es eine gute Taktik. Wir machen eigentlich alles zusammen, außer die Fahrt ins Büro. Das schafft uns das letzte Stückchen Selbstständigkeit.

Wie läuft das praktisch ab?

Einer macht Sport oder schläft länger. Das Ritual hilft uns, das Gefühl von Freiheit zu bewahren. Auch wenn wir gemeinsam designen haben wir die Aufgaben klar verteilt. Ich betreue mehr den kreativen Teil (Oliver Lühr) und Thomas kümmert sich um das Management. Um Entscheidungen zu treffen, müssen wir uns wirklich verabreden.

Hattet Ihr Angst davor, Euch als Paar selbstständig zu machen?

Nein, eigentlich nicht. Die Selbstständigkeit ist eine extreme Erfahrung - extrem schön, aber auch extrem anstrengend. Wir verstehen uns super und müssen niemanden erklären, warum wir bis 12 Uhr im Büro bleiben, das ist wirklich toll.

Oliver, Du hast bei Balanciaga und Chloé in London gearbeitet. Was hast Du aus dieser Zeit mitgenommen?

Genau, ich habe in London Mode studiert und danach als Assistent des Strickdesigners bei Balanciaga gearbeitet. Meine Aufgabe war es, die Kleider von Cristóbal Balenciaga aus den Archiven zu holen und abzufotografieren. Das war ein absolutes Recherche-Privileg und ich habe viel darüber gelernt. Deshalb ist bei Achtland die Recherche auch so wichtig.

Überlegt Ihr Euch, wer Eure Sachen tragen könnte?

Nein, dass machen wir ganz bewusst nicht. Wir haben uns aber im Kopf unsere Frau Achtland geschaffen.

Wie sieht Frau Achtland aus?

Frau Achtland ist Mitte 30 bis Ende 30. Sie kommt aus einem gemischten Hintergrund und geht mit einem offenen Blick durch die Welt. Sie hat schon ihren Weg gefunden und weiß wonach sie sucht. Sie ist kein Trend-Mitläufer und hat Spaß an Verarbeitung und Materialien.

Wofür steht der Name Achtland?

Die Königin Achtland ist eine Figur aus der irisch-keltischen Mythologie. Geboren als Sterbliche, blieb sie unzufrieden mit der Auswahl an irdischen Männern und erhob sich durch die Heirat mit einem Gott selbst in den Götterstand. Der Name symbolisiert für uns Stärke und Selbstbewusstsein.

Ihr wurdet schon in der letzten Saison als Newcomer gefeiert. Ist der Druck gestiegen?

Den Druck machen wir uns vor allem selbst. Wir sind nämlich unsere größten Kritiker. Eine Show ist schon ein anderes Level (jetzt steigt die Aufregung doch noch).

Wen würdet Ihr Euch in der Front Row wünschen?
Die Leute, die heute kommen sind schon toll. Wenn Coco Chanel noch leben würde, hätte wir sie wahnsinnig gern zu unserer Show eingeladen - auch wenn sie wahrscheinlich nicht gekommen wäre.

Eure Ziele mit Achtland?

Wir wünschen uns Achtland auf ein internationales Niveau zu bringen, sodass eine Kundin in Tokio unsere Mode genauso versteht, wie eine Frau in New York oder Paris. Wenn uns das gelingt, haben wir viel erreicht.

Wo entspannt Ihr nach der Show?

Wir machen bald Ferien in Indien und besuchen eine Freundin.

Sind Sie auch bei Facebook? Dann werden Sie Fan von GRAZIA!

Themen