Fashion

MBFWB: Backstage Interview mit Guido Maria Kretschmer

Von Claudia am Montag, 20. Januar 2014 um 17:16 Uhr
Während der Mode-Circus in der Hauptstadt so manchen an den Rand der Verzweiflung treibt, behält er einen kühlen Kopf. Star-Designer Guido Maria Kretschmer empfing uns während der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin in seinem Showroom und zeigte uns, warum man den Shopping-King einfach in sein Herz schließen muss.

Bei Shopping-Queen müssen die Kandidatinnen mit relativ wenig Geld ein komplettes Outfit shoppen. Stehen Sie selbst auf Schnäppchen?

Ich bin keiner der sagt: Können Sie’s mir etwas günstiger geben. Wenn mir was gefällt, dann kaufe ich das und zahle sofort. Mein Mann ist ja Holländer, der ist da eher dabei und fragt immer: Gibt’s hier Rabatte?

 

Wie würden Sie Ihre neue H/W 2014 Kollektion beschreiben?

 

Alles ist moderner, jünger und rockiger, aber auch reduzierter. Das Couturige ist ein bisschen raus. Ich wollte kein Chichi. Ich möchte meine Hauptkollektion ab jetzt demokratischer designen.

 

Sie haben hier in Ihrem Showroom auch ganz schön aufgefahren…

 

In der Tat. Es ist von Strick über Schuhe, Accessoires, Handschuhe und so weiter alles dabei. Ich habe sogar den Sound selbst zusammengestellt. Ich bin textil erwachsen geworden.

 

Nach Shopping Queen und der Werbung für Actimel saßen Sie in der Supertalent-Jury. Warum?

 

Ich wollte einfach wissen, wie das Samstagabend-Geschäft funktioniert. Und die Quote war super. Wo ist das Problem?

 

Was verkörpern Sie?

 

Die Botschaft: Du kannst ein schwuler dicker Junge aus der Provinz im Münsterland sein und Stardesigner werden. Genauso wie du eine schräge Frisur und eine runde Figur haben kannst – und trotzdem Bundeskanzlerin werden kannst. Das geht aber nur, weil wir unsere Ziele im Blick hatten.

 

Sind Sie ein Sprachrohr für Schwule?

 

Komisch nicht? Schwule mögen mich auch, obwohl ich nicht den durchtrainierten Prototypen verkörpere. Ich habe kein Problem damit, der Quotenschwule zu sein. Ich will da immer keine große Geschichte draus machen, aber ich weiß auch, dass ich Rückhalt kriege, wenn es um schwule Themen geht. Ich kriege dann 13000 Mails zum Thema „Hallo Herr Kretschmer, was sagen Sie denn zum Hitzlsperger?“ Ich schaffe dann ständig eine Message. Und ich sag den Leuten: Wenn Ihr nen kleinen Jungen habt und der wackelt mit dem Po, dann liebt den dafür, dass er wackelt! Wir müssen offen sein und kein Geschiss drum machen. Ich bin stolz auf den Hitzlsperger! Was soll denn das? Man kann auch den Ball hart ins Tor schießen, wenn man nicht mit ner Frau ins Bett geht. Aber ich bin auch das Sprachrohr für Frauen. 

 

                         

Guido Maria Kretschmer und sein Mann Frank Mutters führen seit knapp 30 Jahren eine glückliche Beziehung (Bild: picture alliance)

 

 

Was sagen Ihre Eltern zu Ihrer Karriere? Haben die Sie immer unterstützt? 

 

Absolut. Ich habe die tollsten Eltern der Welt! Und wenn ich von dieser Petition in Baden Würtemberg lese, wo zigtausende Eltern unterschrieben hab, damit über Homosexualität nicht im Unterricht berichtet wird, kann ich nur sagen: Denen wünsche ich, dass die alle viele schwule und lesbische Kinder kriegen und dann sehen, wie sie diskriminiert werden. Wenn Sie auf der Straße verprügelt werden oder jemand schreit „Du schwule Sau!“ dann werden die sehr schnell ihre Meinung ändern. Und schließlich sind es die Heteros, die für den schwullesbischen Nachschub sorgen.

 

Sie haben mal Medizin studiert. Wären Sie nicht der perfekte Frauenarzt geworden?

 

Nee, Gynäkologie wäre nicht so meins. Aber ich hätte sicher eine schicke Privatpraxis und wäre Arzt für innere Medizin oder Psychologe.

 

Interessieren Sie sich für Klatsch?

 

Über mich? Nee! Den über die Anderen? Natürlich! Aber ich kenne immer die Wahrheit.

 

Auch über die schwulen Fußballer?

 

Ja. Da muss man aber auch mal fairerweise sagen: Nicht jeder von dem man es denkt, ist es. Es herrscht ja die Meinung, dass alle hübschen Hetero-Spieler auf Typen stehen sollen, oder haben Sie schonmal den Satz gehört: "Guck mal, die olle Gurke da, die ist doch bestimmt schwul?" Nä! Tom Cruise als Schwuli dagegen wollen wir doch alle – schick in Uniform, aber Rainer Calmund? Gottfried Fischer? Von denen gibt es das Gerücht nicht!

 

Ihre Wunschkandidatinnen für Promi-Shoppingqueen?

 

Ganz klar Claudia Roth und Katja Epstein!

 

Ihre erste große Liebe war ja Pina Bausch...

 

Ja, wegen ihr habe ich früher auch getanzt. Mit neun fing es an und irgendwann war ich im Feuervogel von Strawinsky.

 

Tanzen Sie heute noch?

 

Nur zu Hause mit Frank, der ist so ein Bewegungswahnsinniger. Da können wir alles tanzen. Aber öffentlich nicht. Weil dann alle ihre Handys zücken. Dann sieht man mich ja überall als Tanzbär.

 

 

Noch mehr Fragen und Antworten von Guido Maria Kretschmer lesen Sie ab dem 23. Januar 2013 in der neuen GRAZIA. Hier gibt es die Bilder der neuen Herbst-/Winterkolletion 2014.

 

(Das Interview führte Roland Rödermund)