Fashion

MBFWB: Backstage-Interview mit Ioana Ciolacu Miron

Von Claudia am Sonntag, 19. Januar 2014 um 12:00 Uhr
Mit ihrer unkomplizierten und freundlichen Art empfing uns Ioana Ciolacu Miron am Donnerstag (16. Januar 2014) auf der Premium Berlin während der Mercedes-Benz Fashion Week. Mit der "Designer for Tomorrow"-Gewinnerin 2013 haben wir über ihre Inspirationen, ihr ganz persönliches Vorbild und was sie alles von Stella McCartney gelernt hat, gesprochen.

Ioana, woher nimmst du die Inspiration für deine Kollektionen?

Wenn du ungefähr weißt, in welche Richtung du möchtest, dann kommt die Inspiration bei mir von ganz allein. Ich kann aber auch nicht einfach so mit dem Finger schnipsen. Die Inspiration kommt, wenn ich ausgeschlafen bin, das innere Kind in mir heraus lasse, Filme schaue, mich zum Dinner mit Freunden treffe oder von dem Treffen jetzt mit Dir - durch solche Situationen sprudelt es aus mir heraus. Es ist alles zufällig. Ich lasse mich sehr von Gefühlen beeinflussen. Und ich hoffe jedesmal, dass sich das Gefühl auch in meinen Kollektionen wiederspielt. 

Wer sind denn deine Vorbilder? 

Mein Vorbild ist ganz klar mein Vater. Er kümmerte sich die meiste Zeit allein um mich, er war für mich da wie eine Mutter und ein Vater in einem. Ich fühle mich auch nicht gut, wenn er mit etwas nicht einverstanden ist. Auf der Fashion-Ebene ist mein Vorbild die Rumänin Marietta Lissai. Sie ist eine Schauspielerin und Sängerin und spielte auch als Geheimagentin. Sie ist ein bisschen wie Marlene Dietrich. Diese Art von Frauen mag ich sehr. Aber natürlich versuche ich nicht wie eine Geheimagentin zu sein. 

Wer motivierte dich bei "Designer for Tomorrow" mitzumachen? Vielleicht dein Vater?

Zunächst einmal wurde ich darauf aufmerksam, weil ein Jahr vorher Marc Jacobs der Schirmherr von "Designer for Tomorrow" war. Ich abonnierte also einfach den Newsletter. Dadurch bekam ich mit wie sehr die Gewinnerin von 2011, Alexandra Kiesel, durch "DfT" gefördert wurde. Das fand ich super. Und als es dann wieder soweit war, schickte ich einfach Fotos einer älteren Kollektion ein. Man könnte auch sagen, dass "Google" mich motiviert hat (lacht). 

Hast du damals damit gerechnet zu gewinnen? 

Oh nein, ich hätte niemals damit gerechnet zu gewinnen. Ganz im Gegenteil. Während der freien Tage, die ich vor der Show hatte, war ich so traurig, weil ich nicht verstand, warum ich für das Finale ausgewählt wurde. Ich fühlte mich so schlecht, dass ich einfach nur noch wegrennen wollte - ich dachte ich hätte dort nichts verloren. Ich habe es also wirklich nicht erwartet und war mir sogar sicher, dass Jamie gewinnen würde.

Was hat sich seitdem geändert? 

Die Frage ist eher, was hat sich nicht verändert? Es ist einfach nichts mehr wie es vorher war. Ich reise unglaublich viel und alles läuft immer ein bisschen schneller. Ich bin nicht mehr allein und habe die Unterstützung von meinem Team, das ständig um mich herum ist. Viele junge Designer fühlen sich allein und bekommen nicht die Aufmerksamkeit die sie gerne hätten. Aber ich habe jetzt immer jemanden, der sich um mich kümmert und nach mir schaut. 

Was ist das Wichtigste, dass du von deiner Schirmherrin Stella McCartney gelernt hat?

Was ich von Stella gerlernt habe ist, dass Stars real sind (lacht) und dass sie ganz normale Menschen sind, die die gleichen Dinge tun, die wir auch tun. Ich habe außerdem gesehen, dass sie dieselben Tools benutzt wie ich. Ich dachte immer Designer wie sie sind so etwas wie Götter oder Personen mit übernatürlichen Kräften. Aber das sind alles keine Genies in dem Sinne. Designer zu sein bedeutet, dass du Talent hast und auch die geschäftliche Seite im Kopf behälts, dass man sich selber pushen und voranbringen muss, um etwas großartiges zu kreieren. Als ich Stella getroffen habe hat sie mir gezeigt, was für ein toller Mensch sie ist - jemand der völlig auf dem Boden geblieben ist. Sie hat außerdem mit den selben Problemen wie ich zu kämpfen, wenn es ums designen geht. Das zu sehen und mit ihr darüber zu sprechen, hat mir sehr geholfen und mich selbstbewusst gemacht. Sie meinte auch das es nicht um richtig oder falsch geht. Man sollte einfach das tun was man eben tut, dann kann man auch nichts falsch machen. 

Kannst du uns schon etwas über deine nächste Kollektion verraten? 

Für meine nächste Kollektion werde ich die üblichen Prints beibehalten und ein bisschen mit Sommerfarben spielen. Es ist für mich sehr wichtig, immer eine Balance zwischen den Farben und Mustern zu finden. Ich werde diesmal auch ein Muster verwenden, dass ein bisschen an den Chanel-Print erinnert. Ich möchte zum Klassischen zurückkehren. Es wird alles sehr tragbar werden. Die Kollektion wird übrigens "Hunter" heißen. Dabei geht es aber nicht um den Jäger an sich. Es geht um Gegensätze und den Wechsel von Positionen, den man in der Liebe, in der Politik und generell in der Gesellschaft findet. 

Erklär mir doch mal woran ich ein Teil von Ioana erkenne. Wie sieht dein Alleinstellungsmerkmal aus? 

Ich denke ich habe sehr strukturierte Designs. Aufgrund meines architektonischen Backgrounds konstruiere ich meine Kollektion auch und das ist etwas, dass man immer sehen kann. Und auch die Prints haben einen deutlichen Wiedererkennungswert. Allerdings werde ich mit der nächsten Kollektion auch ein bisschen versuchen zu überraschen. 

Welchen Star würdest du gern einmal in deinen Designs sehen? Bzw. hättest du gern einmal eingekleidet? 

Da fällt mir direkt Katharine Hepburn ein. Sie sah immer so sportlich und elegant aus und das ist genau das, was ich auch versuche zu machen. Und sie war eine wirklich starke Frau. Dann fällt mir noch Marc Bolan ein, der Sänger von der Band T-Rex. Er war in der Zeit der 80er und des Glam Rock bekannt für sein Make-Up und die verrückten Kostüme. Ich hätte es geliebt ihn für die Bühne anzuziehen. Oh und Karin O, die Sängerin von den Yeah, yeah, yeahs. Sie würde ich jetzt gern einkleiden.

Meine letzte Frage: Wie sehen denn deine Ziele für 2014 aus? 

Mein Ziel für 2014 ist es erst einmal die Kollektion zu beenden. Weiterhin würde ich gern, auch wenn es im Moment noch nicht so realistisch ist, ein paar Tage Urlaub nehmen - einfach zwei Tage schlafen und an nichts denken würde schon reichen. Außerdem plane ich schon länger junge Nachwuchsdesigner zu unterrichten. Vermutlich wird das in diesem Jahr nicht mehr klappen, aber in den nächsten fünf Jahren möchte ich ähnlich wie Stella mein Wissen weitergeben. In Rumänien gibt es keine gute Design-Schule. Und ich kann das sehr leicht in meinem Studio machen. Nichts großes, einfach eine kleine Klasse. Ja, und dann wird es im Sommer bereits drei ausgewählte Teile meiner Kollektion bei Peek & Cloppenburg zu kaufen geben. Ich freue mich schon, wenn die Sachen in den Läden sind.

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