Fashion

MBFWB: Backstage-Interview mit Lena Hoschek über Sex, Mode & ihren Duft

Von Claudia am Dienstag, 14. Januar 2014 um 17:00 Uhr

Von elegant bis provokant. GRAZIA traf Modedesignerin Lena Hoschek (33) nach der Show auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin und plauderte mit ihr über ihre Inspirationsquelle, Kinder und die Sexualität der Frau.

Was trägt die Lena Hoschek-Frau im Herbst/Winter 2014?

 

Die Lena-Hoschek-Frau trägt zunächst einmal das, was ihr gut steht. Die Kollektion ist deshalb auch sehr vielseitig. Es gibt viele Looks, die extrem provokant und auch viele die elegant sind. Ich finde, das sich der Spaß an der Provokation und die Eleganz nicht unbedingt ausschließen. Eigentlich ganz im Gegenteil. Ich habe mich mit dem Thema "Frau" einfach eingehend beschäftigt und auch mit ihren verschiedenen Rollen. Eine Frau ist für mich nicht nur eine Art von Typ, man verkörpert extrem verschiedene Rollen. Um das zu zeigen, habe ich die Looks aufgeschlüsselt. Die Kleider sind sowohl für Mütter, als auch für Business-Frauen. Die vielen einfarbigen Looks unterstützen das natürlich. Mustermix, den ich so wahnsinnig Liebe, ist fürs Office natürlich zu wild.

 

Was war deine Inspirationsquelle?

 

Meine Inspirationsquelle war auf jeden Fall "Femme Fatale" und Frauen, die mit ihrer Sexualität ganz wild und offen umgehen. Das steht ganz klar im Vordergrund. Auch die Heldinnen aus David Lynch Filmen haben mich inspiriert. Das waren immer ganz spezielle und eigentlich sehr normale Frauen. Keine großen Göttinnen, aber so das man sich mit ihnen identifizieren konnte. Diese Ladys haben einen wahnsinnigen Sexappeal, aber immer etwas versteckt. Mit offensichtlichem Sex komme ich gar nicht klar.

 

 

Während der Show konnte man auf der Leinwand Bewegtbilder mit nackten Frauen sehen. Was wolltest du damit zum Ausdruck bringen?

 

Ich wollte zeigen, dass man Sex nicht mit Retusche verwechseln oder gleichsetzen soll. Sex ist ja überall heutzutage, an jeder Ecke, überall im Internet, aber oft sehr poliert. Und so wie wir das damals aus dem Bravo-Heft kannten, diese ungeschminkten Körper, so wie sie tatsächlich aussehen, das hat man schon lange nirgends mehr gesehen. In diesen sogenannten "Sexploition" Filmen aus den 60er Jahren sieht man alle Arten von Körper. Hübsche Mädels, unattraktive Mädels, schlaffe Titten, knackige Pos und so weiter. Der Retrofaktor macht das Ganze schon wieder "so hot". Es ist etwas Außergewöhnliches, obwohl es eigentlich so banal ist. Mir ist wichtig, dass man wieder ein bisschen runter kommt von dem Ideal. Dass man beim Sex immer perfekt rasiert sein muss, kein Pickel irgendwo sein darf und man keine Cellulite haben darf, das ist ja alles Quatsch! Die wilden 60er haben es vorgemacht, dass jeder immer und überall Spaß haben und sich einfach ausleben soll. Ich finde es wichtig, dass man sich als Frau so wie man ist, jeden Tag feiern kann!

 

 

Kannst du dir vorstellen eine Lena Hoschek-Männerkollektion zu kreieren?

 

Ich stell mir das sogar schon sehr lange vor. Wir sind in der Firma noch ein bisschen zu klein, weil das natürlich einen doppelten Arbeitsaufwand bedeuten würde und das heißt auch doppeltes Personal und größeres Investitionskapital. Ich sehe das total von der Business-Seite, weil wenn ich eine Männerkollektion mache, dann will ich die verkaufen können. Das bedeutet natürlich Shows in Mailand oder Florenz – da wo die Männermode wirklich verankert ist. Man muss das schon gewissenhaft planen. Ich nehme das sehr, sehr ernst und habe das definitiv auch vor. Ich liebe Männermode und finde es gibt viel zu wenig lustige Menswear – also Mode, die sich vielleicht auch ein bisschen mehr traut.

 

 

Du stehst für die 50er/60er Jahre. Mit wem hättest du damals gern zusammen gefeiert?

 

Das ist ja eine ganz gut Frage. Aus dieser Zeit. Hmm... Wer hat denn richtig gut gefeiert damals? Also, ich hätte sehr gern mit den Rolling Stones abgehangen – ich liebe die Musik. Und durchaus auch mit den Beatles. Ich glaube, dass gerade die Bands, die damals angesagt waren, sicher die wildesten Partys gefeiert haben. Ansonsten auf jeden Fall mit Sophia Loren! Sie ist mein absolutes Idol. Ich liebe ihren Look und auch ihr Lachen. Das ganze Gesicht ist voll mit Zähnen. Zumindest wirkt sie so nett. Man kann es sich ja immer nur vorstellen, wie sie wirklich ist, aber sie scheint sehr lebendig, sehr lebensfreudig und seitdem ich jetzt auch immer öfter in Italien bin und italienisch spreche, wäre ich sehr gern mit ihr unterwegs.

 

Apropos Rolling Stones... Wie sehr beeinflusst dich Musik generell in deiner Arbeit?

 

Musik spielt eine riesig große Rolle. Ich habe Tom Waits auch schon als Kind gehört. Zuerst kommt das Farbkonzept bei der Kollektion und dann brauche ich zum Arbeiten diese Stimmung, um zu entwerfen und mich reinzufühlen und da ist der Sound schon extrem wichtig. Deshalb bin ich auch froh das ich mein eigenes Büro habe. Ich mache alle Türen zu. Das wird dann durchaus auch mal richtig hart. Die treibt mich halt richtig gut voran. Da können die Schneider nicht bei mir sitzen. Als ich komplett allein gearbeitet habe, da ging es bei mir noch viel lauter zu. Das ist inzwischen alles schon sehr abgeschwächt.

 

Auf deiner Facebook-Seite schreibst du, dass der Duft einer Frau das prägnanteste Statement des Stils ist. Was sagt dein Duft über dich aus?

 

Also mein eigener Duft ist das Parfum "Love Rose", das wir kreiert haben und das im Herbst rausgekommen ist. Es ist wirklich sehr einschlägig. "Love Rose" ist so ein starker, offensichtlicher Name und wir haben mit dem Parfum etwas markantes, süßes und schweres kreiert. Ich liebe das Puffige an einem Parfum. Auch das Gefühl, dass man sich in der schönsten Zeit Ende des 19. Jahrhunderts in einem Bordell vorgestellt hätte. Also richtig gewagt und provokant. Man muss nur wissen, wie man mit einem Duft umgeht. Meiner steht definitiv nicht jeder Frau. Man muss den ganz vorsichtig erst mal ausprobieren und sich herantasten, ob das wirklich etwas für einen ist. Also der Auftritt mit diesem Parfum ist gigantisch. Bam da bin ich. Wir haben ihn auch sehr modernisiert. Da sind Duftstoffe drin enthalten, die einen wirklich überraschen. Es sollte riechen, wie eine geile warme Frau. Wenn die Kopfnote erst mal verschwunden ist, dann bleibt ein urweiblicher Duft zurück.

 

Letzte Frage Lena: Wo siehst du dich in den nächsten 10 Jahren privat und beruflich? 

 

Mein Wunschtraum: Ich sehe mich mit vier Kindern und einer tollen Firma. Einfach das ich es mit acht Armen locker schaffe ein Modeunternehmen zu führen, auf dem Land zu leben und glückliche Kinder in die Welt zu setzen. Ich will definitiv beides. Ich bin auch jemand der nicht aufgibt und knallhart an seinen Vorsätzen festhält. Es wird sicher eine stressige Zeit, da möchte ich mir selber gar nichts vormachen. Mit Kindern wird es bestimmt auch hart werden, aber das ist mein größter Lebenswunsch. Ich will ein Haus, Kinder und heiraten. Heiraten werde ich übrigens im September. Und ich freu mich schon. 
 

Hier gibt es die komplette Show von Lena Hoschek als Video:

 

 

Die heißtesten Looks von Lena Hoschek auf dem Laufsteg der Mercedes-Benz Fashion Week sehen Sie in unserer Bilder-Galerie.