Fashion

Neues Style-Leiden: Fashionorexie

Von GRAZIA am Sonntag, 11. Mai 2014 um 10:00 Uhr

Davon haben Sie noch nichts gehört? Bedeutet nichts anderes, als ab und zu mal aufs Essen zu verzichten, um Geld für tolle Klamotten zu haben. Machen laut einer neuen Studie immer mehr – ist aber auch echt gefährlich …

Oje, was für eine Zwickmühle: da hat man eine total tolle Tasche entdeckt, die man uuunbedingt haben muss – doch der Kontostand ist für solch eine Investition gerade viel zu niedrig. Was tun? Eine britische Studie hat gerade ergeben, dass viele Frauen zu fashionorexics (zusammengesetzt aus „fashion“ und „anorexia“) werden, um sich ein It-Piece leisten zu können:

 

Statt vernünftig zu bleiben und sich die Bag erst zu gönnen, wenn genug Geld auf dem Konto ist, schlagen sie trotzdem zu – und essen den Rest des Monats nur noch nackte Nudeln oder Knäckebrot. Sage und schreibe 44 Prozent der Britinnen sollen Mahlzeiten überspringen, um genug Geld für Designerklamotten, Beauty-Behandlungen & Co. zu haben; eine von sechs isst mindestens zwei Wochen im Jahr nur Bohnen oder Toast, um den Kleiderschrank aufzumotzen, neun Prozent bleiben an den Wochenenden auf der Couch, um nicht in Drinks und Restaurantbesuche investieren zu müssen.  

Die Gefahr von Fashionorexie

Hoppla, da ist bei vielen der Hunger auf Fashion wohl grösser als der auf Steak oder Pizza! Und wenn Shoppen auch nicht satt macht, so macht es dafür doch glücklich, und wenn die Endorphine wegen der neuen It-Bag im Dreieck hopsen, merkt man das große Loch im Bauch (und im Geldbeutel) kaum noch. Manche denken natürlich auch, dass sie mit der Hungerkur gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen: Sie pimpen nicht nur ihren Kleiderschrank, sondern auch ihren Body. Wie Matthäus-Ex Liliana Nova (26), die offen zugibt: „Ich bin schon wirklich modeverrückt. Ich würde die nächsten zwei Wochen lieber hungern, um mir Klamotten leisten zu können – das macht mich glücklich.“ Doch „Fashionorexie“ kann natürlich auch gefährlich sein – immerhin ist es eine, wenn auch zeitlich begrenzte, Essstörung.  

 

Liliana Nova ist modeverrückt

Bild: Getty Images

Was passiert bei dieser Hungerkur?

Ernährungsexpertin und Autorin Dagmar von Cramm („Meine grüne Diät“) erklärt im Gespräch mit GRAZIA: „Bei so einer Hungerkur ignoriere ich meine innere Stimme, die mir sagt, was eigentlich gut für mich ist. Es zeigt eine Gleichgültigkeit dem eigenen Körper gegenüber.“ Dass man so abnimmt, ist laut der Expertin ohnehin ein Trugschluss: „Nach so einer Radikalhungerkur besteht die Gefahr, dass der Heißhunger kommt – und man die verlorenen Kilos ganz fix wieder zunimmt. Wenn man nur staubiges Knäckebrot isst, ist es außerdem schwierig, standhaft zu bleiben. Die Gefahr, den überall lauernden Versuchungen zu erliegen, ist groß.“  

Zwangs-Diät für die It-Bag

Wenn man schon für die It-Bag aufs Essen verzichtet, dann mit Köpfchen. „Es ist ein Irrtum, dass man nur noch Knäckebrot essen muss, um zu sparen“, so die Ernährungsexpertin. „Man kann günstig und gleichzeitig gesund essen. Porridge zum Beispiel ist nahrhaft, die Zutaten dafür (Haferflocken und Milch) kosten nicht viel. Auch Hülsenfrüchte wie Kichererbsen und Linsen oder Gemüse der Saison wie Möhren und Radieschen sind ja nicht teuer.“ So gibt’s keine Mangelerscheinungen. Aber noch besser: Sollte man sich nicht einfach überlegen, ob die Tasche nicht auch noch einen Monat warten kann?

 

Text: Corinna Ophüls