Fashion

Top-Designer Matthew Williamson im Interview mit GRAZIA

Von annalena am Donnerstag, 18. September 2014 um 14:47 Uhr

Wir haben den britischen Top-Designer Matthew Williamson zum Interview getroffen! Neben den Must-Buys für den kommenden Herbst hat er uns von Champagner-Gelüsten, Social Media Gewohnheiten und Beauty-Kooperationen erzählt.

Matthew Williamson (42) ist ein Design-Multitalent. Neben seiner Kollektion, die er seit 17 Jahren zur London Fashion Week präsentiert, designt und kreiert er noch Tapeten und Stoffbezüge. Was als nächstes kommt? Eine Kooperation mit der Beauty- und Haarmarke Toni & Guy! Die von Matthew designte Beauty-Bag greift Farben und Muster aus seiner Herbst/Winterkollektion auf und ist ab sofort in ausgewählten Filialen erhältlich.  

 

Was bedeutet Schönheit für dich?

Wie auch bei Kleidung ist das etwas sehr subjektives. Es geht darum, seinen Charakter und seine Persönlichkeit auszudrücken und je nach Stimmung kann man einen schlichten oder aufgeregten Look tragen.

 

Ist es eine Herausforderung Mode mit Make-up und der Frisur zu kombinieren?

Für mich ist das eigentlich nicht schwierig – es ist viel mehr ein Prozess, der mir großen Spaß macht. Sowohl Frisur als auch Make-up runden Outfits immer toll ab. Ich sehe das ganze auch als Part meines Jobs – den kompletten Look zu sehen und nicht nur die Kleidung an sich.

 

Welche Beauty- und Haarprodukte trägst Du immer mit Dir herum?

Für meine Haar benutze ich im Moment ein Produkt von der Marke Fatboy – es ist quasi wie Gel, nur mit einem trockenen Finish. Ansonsten benutze ich nur eine Feuchtigkeitscreme, aber das war's.

 

Du hast schon einige Beauty-Kooperationen gemacht – aber wird es je eine eigene Matthew Williamson Beauty-Linie geben?

Hoffentlich eines Tages! Das wäre echt cool – ich würde gern Kosmetikprodukte herstellen, wie z. B. Lippenstift oder Nagellack. Bislang haben wir das mit meinem Label noch nicht realisieren können, aber das wäre definitiv ein tolles Projekt.

 

2017 feierst Du das 20-jährige Bestehen deines Labels. Was bedeutet Dir das?

Wow stimmt. Das habe ich ganz vergessen. Das bedeutet vor allem eine lange Zeit. Es ist etwas, auf das man sehr stolz sein kann – ein Grund zu feiern. Und es bedeutet, dass man ein gewisses Establishment erreicht hat und darüber bin ich wirklich glücklich. 20 Jahre sind ein echter Meilenstein in diesem Business.

 

Meine Kundin lässt sich von Trends nicht unter Druck setzen

 

Wie hat sich deine Marke in der Zeit entwickelt und was hast Du gelernt?

Ich würde sagen, der Spirit und die DNA sind die gleichen wie vor 17 Jahren. Es geht immer noch um einen bestimmten Typ Frau, die individuell ist und sich nicht zu sehr von Trends unter Druck setzen lässt. Meine Kundin ist superinteressiert an Stoffen, Farben und Weiblichkeit. All das trifft auf heute zu, wie auch auf 1997. Aber ich würde sagen, dass es jetzt veredelt und geschliffen ist. Ich habe gelernt, mich mit den Kollektionen weiterzuentwickeln.

 

Die London Fashion Week steht vor der Tür – bist Du immer noch nervös vor deiner Show?

Absolut! Ich bin jedes Mal echt nervös. Es wird auch nicht leichter mit der Zeit, sondern ist jedes Mal wieder gleich nervenaufreibend. Aber ich denke, das ist genau das, was so spannend an der Branche ist. Die beiden Wochen vor der Show bin ich immer total gestresst.

 

Hast Du Pre-Show Rituale?

Die zwei Nächte vor der Show verbringe ich im Hotel, um mir keine Gedanken übers Essen oder das Waschen machen zu müssen. Ich brauche dann einfach ein Zimmer, in dem ich schlafen kann. Zudem gönne ich mir an den beiden Abenden je eine Massage.

 

Wie fühlst Du dich fünf Minuten vor der Show?

Ich trinke vor der Show immer einen Schluck Champagner – nur einen Mund voll. Ich bin vorher wahnsinnig aufgeregt, die Arbeit zu zeigen, an der ich die letzten sechs Monate saß und ich bin besorgt, dass sie nicht gut ankommt.

 

Wie sieht der Catwalk der Zukunft aus? Glaubst Du, dass es große Veränderungen geben wird?

Ich denke, dass es den Laufsteg in irgendeiner Form immer geben wird, weil es einfach die purste Form ist, seine Arbeit zu präsentieren. Durch die Evolution der digitalen Medien ändert sich aber natürlich alles – trotzdem denke ich, dass es immer dieses Verlangen geben wird, die Produkte live zu sehen. Das wird auch so bleiben, schätze ich.

 

Was denkst Du über „Fast Fashion“? Also direkt vom Runway zu shoppen.

In meinen Augen ist das eine gute Sache, so lange die Branche mit der Nachfrage umgehen kann. Ich meine, alles wird schneller und jeder will die Sachen, die er gerade noch auf dem Catwalk gesehen hat, sofort haben. Das ist einfach der Lauf der Welt, in der wir leben – Dinge werden immer schneller verfügbar, das ist quasi unvermeidbar.

 

Meinen Instagram Account manage ich selbst

 

Wie wichtig ist Instagram für Dich und nutzt Du auch andere Social Media Plattformen privat?

Ich bin auf Twitter und Facebook vertreten. Und Instagram ist auch mein persönlicher Account, den ich selbst betreue. Für mich ist das die beste Plattform sich kreativ auszudrücken. Ich liebe es, meine Kunden und Follower an meinem Arbeitsprozess und Behind-the-scenes Momenten Teilhaben zu lassen – das ist eigentlich das spannendste an diesem Business. Der Designer kann direkt mit seinen Kunden kommunizieren. Ein super wichtiges Tool um auszudrücken wer ich bin und woran ich grad arbeite. Ich genieße das richtig.

 

Nenne drei Best-Buys für den Herbst / Winter 2014!

Selbstverständlich einen Mantel – vor allem, wenn man in England oder Deutschland lebt. Als zweites sollte man in ein Day-to-evening Dress investieren. Ein Kleid, das man für verschiedene Events und Gelegenheiten tragen kann und das einen vom Büro zum Dinner bis hin zu einer Party begleitet. Zeitlos sollte es sein. Als drittes sollte man auf sein Herz und seinen Instinkt hören und keinem speziellen Trend folgen: Das kann ein Lippenstift sein oder ein Tuch oder was auch immer einen glücklich macht.

 

Gibt es irgendetwas, das du gern mal designen würdest, wie z.B. ein Gebäude oder ein spezielles Kleidungsstück?

Ich würde mich liebend gern noch mehr dem Interior Design widmen und damit meine Kollektion ergänzen. Es wäre toll Tapeten, Möbel und Bezüge zu designen. Zuletzt habe ich an einer Kooperation mit dem britischen Label Osborne & Little gearbeitet. Die Kollektion gibt es Online zu kaufen. Neben der Mode ist das meine zweite Leidenschaft.

 

Ich besitze keinen Computer

 

Wie kommunizierst Du? Benutzt Du Whatsapp? Emojis? Wie viel Zeit verbringst du am Smartphone?

Ich habe Whatsapp, benutze aber keine Emojis. Da ich keinen Computer hab, arbeite ich nur an meinem Smartphone – ich wüsste also gar nicht, was ich ohne machen würde!

 

Was ist an britischem Style so besonders und inwiefern grenzt er sich von dem Rest der Welt ab?

Das Wort Kreativität wird häufig im Zusammenhang mit britischem Style genannt. Dieser Sinn für Individualität, Exzentrik und der kulturelle Hintergrund drücken sich in britischem Style besonders aus.

 

Jeder weiß, dass Du gern reist – Welchen Ort würdest Du eines Tages gern besuchen?

Zurzeit ist Bali einer meiner Lieblingsorte. Ich war im Sommer dort und ich würde wirklich gern für einen längeren Zeitraum zurückgehen, um das Land zu erkunden. Es ist einfach wunderschön dort.

 

Was ist dein Lieblingsaspekt an deinem Job und welcher gefällt dir am wenigsten?

Mein liebster Moment ist wahrscheinlich der Beginn einer Kollektion. Wenn nur ein leeres Papier vor mir liegt und man anfängt sich inspirieren zu lassen und neue Ideen bekommt. Der Moment, der mir am wenigsten gefällt ist vermutlich der Tag der Show, weil ich da so schrecklich nervös bin.

 

Du hast deine Karriere mit Models wie Helena Christensen und Kate Moss begonnen. 2014 feiern wir das Comeback der 90er Jahre Topmodels. Sind die 90er eine wichtige Inspiration für dich?

Auf jeden Fall. Wobei ich versuche nicht zu sehr auf bestimmte Jahrzehnte zu achten. Meine Kollektionen sind eher ein Zusammenkommen von verschiedenen Zeiten und Orten. Die 60er, 70er und 90er kommen in meiner Arbeit alle zusammen, wobei die 70er Jahre vermutlich die größte Inspirationsquelle sind für mich.