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Unser neuer Girl Crush: Jessica Joffe im Interview

Von annalena am Montag, 19. Januar 2015 um 17:29 Uhr
Schauspielerin, Journalistin, Model und seit einem Jahr Style Consultant bei Diane von Furstenberg! Die Deutsche, Jessica Joffe, verriet GRAZIA im Face-to-Face-Gespräch nun spannende Details über ihr Leben.

„Wow, ist die sympathisch!" ist wohl einer der ersten Gedanken, wenn man sich mit Jessica Joffe (33) unterhält. Und das liegt natürlich nicht daran, dass sie mir vor dem Interview ein riesen Kompliment für meine Wimpern gemacht hat ("Sind die echt? Wahnsinn! Unglaublich toll, so schön!"). Neben ihrer angenehmen Stimme (übrigens mit leicht amerikanischem Akzent), dem hellen Teint und ihrer Größe, fallen vor allem ihre roten Haare auf. Die Wahl-New-Yorkerin lebt seit mittlerweile 18 Jahren in den USA und arbeitet seit rund einem Jahr für und mit Diane von Furstenberg. Seit Neuestem ist sie sogar auf E!Entertainment in ihrer neuen Show House of DVF als Style Editor und Mentorin zu sehen. Wie sie die Designerin kennengelernt hat und was sie an Deutschland am meisten vermisst, hat sie uns exklusiv verraten.

 

Sie leben ja schon seit vielen Jahren in Amerika. Was ist typisch Deutsch an Ihnen und was Amerikanisch?

Das viele Reisen und Umziehen hat einen großen Vorteil, der gleichzeitig auch ein Nachteil ist. So „wurzellos" zu sein, hilft dir natürlich dich überall schnell anzupassen, aber Du bist eben auch wurzellos und nirgends so richtig Zuhause. New York ist die beste Stadt für so jemanden, es ist für Leute wie mich ein wahres Zuhause, weil es voller Menschen ist, die so sind wie man selbst. Aber je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass ich auch sehr deutsch bin. Und ich muss sagen, dass mir das richtig gefällt. Ich bin sehr früh aufs Internat gegangen in England, dann habe ich in Amerika studiert. Ich war in Deutschland, England, Amerika und Paris. Jetzt wo ich länger wieder in den USA lebe, bin ich sehr froh, dass ich auch diese europäischen Wurzeln und eine Idee von der Welt habe, die größer ist. Ich mag auch dieses Ernsthafte ganz gern, das ist für mich sehr deutsch.

Was vermissen Sie an Deutschland am meisten, wenn Sie in den USA sind?

Ich esse wahnsinnig gern. Das heißt: Deutsches Brot, deutsches Müsli, deutsche Gummibärchen, deutsches Alles eigentlich. Sogar deutscher Joghurt schmeckt besser. Ich bin relativ oft in Deutschland und fliege immer mit einem großen Sack voll deutschem Essen zurück. Rhabarbersaft gibt's hier und in Amerika nicht zum Beispiel. Ansonsten vermisse ich deutsche Drogerien, deutsche Kosmetik. Ich Liebe New York für sein rasantes Tempo, aber die Ruhe am Wochenende in Deutschland mag ich sehr.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Diane von Furstenberg zustande?

Wir haben uns auf einem Lunch bei ihr in L.A. kennengelernt. Ich kam sehr spät an, ich weiß gar nicht mehr wieso. Ich dachte, dass ich diesen Small Talk am Anfang verpasse und dann direkt zum Essen da bin. Was ich nicht wusste: Diane macht nie ein gesetztes Essen. Es ist immer sehr lässig und persönlich und so herrlich menschlich. Ich kam also an und alle saßen schon im Garten und haben gegessen. Es waren nur Frauen auf dem Essen und alle unterhielten sich. Diane hatte eine Frage gestellt, auf die alle antworteten. Sie sagte: „Who is the woman you want to be?" Das spielte an auf ihr Buch („The woman I wanted to be"). Es war mir so dermaßen peinlich, so zu spät zu kommen. Sie fragte mich dann auch sofort, welche Art von Frau ich sein möchte. Darauf hab ich geantwortet: „Eine Frau, die zum Lunch nicht zu spät kommt". Nach dem Essen haben wir uns dann unterhalten und sie wollte wissen, was ich mit meinem Leben so mache. Zu der Zeit habe ich in L.A. gelebt und hatte grad meinen Frieden damit geschlossen, mit der Schauspielerei aufzuhören und wieder zu schreiben. Und dann sagte sie zu mir: „Du musst ein Künstler sein, Du musst kreativ sein. Ich seh das in Dir!" Und jedes Mal, wenn wir uns danach gesehen haben - so alle paar Monate - fragte sie immer wieder, was in meinem Leben passiert. Schließlich hat sie mich angerufen und mich gefragt, ob ich nicht auch bei DVF arbeiten wollte. Ich war eigentlich grad dabei ein Drehbuch zu schreiben, was fast fertig war. Es fehlte nur noch eine Szene. Ich wollte das auch produzieren und war grad dabei das Geld für die Produktion zu finden. Aber die Option „Nein" zu sagen, gab es irgendwie nicht. Ich weiß, dass es so ein Mantra ist, dass man immer „Ja" sagen soll. Aber jetzt weiß ich, dass es stimmt. Vor allem zu Sachen, die Dir total Angst machen.

 

Mode-Volontärin Annalena Graudenz mit Jessica Joffe

 

Wie ist es mit Diane von Furstenberg zu arbeiten?

Herrlich! Es ist sehr kreativ. Und sie hat unglaublich viel Energie. Selbst für jemanden, der halb so alt ist, hat sie viel Energie. Es ist natürlich eine Ehre und macht unglaublich viel Spaß da zu arbeiten, man lernt enorm viel. Und dadurch, dass man so viel Spielraum hat, so kreativ zu sein, kommt auch das Beste dabei rum, glaub ich. 

In der Show „House of DVF" haben acht Frauen die Chance Markenbotschafterin zu werden. Was braucht man für diesen Job und wem würden Sie von der Branche abraten?

Das ist wirklich wie ein Job als Diplomat. Man muss vor allem die Marke verstehen und vertreten können. Man muss überhaupt verstehen, wie man etwas vertritt. Es hat aber auch mit sehr vielen anderen Sachen zu tun. Mit Manieren und dem persönlichen Stil. Wie man sich benimmt und präsentiert. Alles, was von einem politischen Botschafter verlangt wird, gilt auch für einen Markenbotschafter. Man ist nicht für sich selbst unterwegs, sondern für jemand anderes. Wer davon die Finger lassen sollte, ist schwer zu sagen. Entweder hat man eine Leidenschaft für Mode und Klamotten, für dieses Business und so ein kreatives Leben, oder man hat es nicht. Und diese Leute würden sich sowieso nicht für so einen Job bewerben. Das hat einfach mit Leidenschaft zu tun. Und man lernt natürlich immer dazu, man muss kein Experte sein, um so einen Job zu bekommen. Sonst würden wir ja auch alle mit 20 Jahren aufhören zu arbeiten, wenn wir schon Experten wären. 

Sie arbeiten als Schauspielerin, Journalistin und Model. Was kommt als Nächstes? 

Ich habe lange als Model gearbeitet und hier und da als Schauspielerin. Ich schreibe noch ein bisschen und werde das auch nie aufgeben. Das ist bei mir einfach genetisch, das werde ich bis an mein Lebensende machen. Zurzeit arbeite ich nur noch als Mode-Consultant.

Gibt es etwas, was Sie unbedingt mal machen möchten?

Bücher schreiben, also Romane und Fernseh-Drehbücher! Das kommt irgendwann auf jeden Fall noch.

Mit wem würden Sie gern mal zusammenarbeiten?

Ich weiß nicht. Ich bin in so wahnsinnig viele verschiedene Autoren und Künstler verliebt. Aber ich könnte zum Beispiel nie mit jemand anderem ein Buch schreiben. Die Leute, die ich am tollsten finde, leben leider nicht mehr. 

Können Sie sich vorstellen, eines Tages zurück nach Deutschland zu ziehen?

(Lange Pause) Ja, wieso nicht. Ich bin gerne hier, ich bin gern in Deutschland. Wahrscheinlich dann am ehesten München oder Berlin. Ausschließen würde ich nichts. Ich liebe München, also wer weiß.

Haben Sie, was das Medien-Business angeht, viel von Ihrem Vater (Mitherausgeber der Zeit) gelernt?

Ich habe sowohl von meinem Vater als auch von meiner Mutter, die Journalistin ist und unglaublich gut schreiben kann, viel übers Schreiben gelernt. Sie haben es mir so richtig reingedrescht, würde ich sagen. Schlecht zu schreiben, wäre verboten gewesen - schon als Teenager haben sie mir das Handwerk beigebracht. Manchmal ist es echt gut, von seinen Eltern beeindruckt zu sein. 

Danke für das Interview!

Es tut mir leid, dass Du jetzt noch alles redigieren musst, mein Deutsch ist so wahnsinnig schlecht ...

Finden wir nicht!

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