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GRAZIA trifft: Tommy Hilfiger

Von GRAZIA am Sonntag, 31. Oktober 2010 um 16:05 Uhr

Tommy Hilfiger ist einer der wichtigsten Vertreter des "All-American Style". Dieses Jahr verkaufte er das Unternehmen, das er einst mit einem Startkapital von 150 Dollar gründete, für 3 Milliarden Dollar - ist aber weiterhin als Chefdesigner und Geschäftsführer tätig. Wir trafen den Designer zum Launch seines neuen Dufts Loud in Berlin.

GRAZIA: Zu allererst: Gratulation zu Ihrem 25-jährigen Firmen-Jubiläum! Wenn Sie noch einmal von vorne anfangen könnten: Würden Sie alles wieder genau so machen wie beim ersten Mal?

Tommy Hilfiger: Nun, damals kannte ich keinen anderen Weg. Heute würde ich wahrscheinlich mein jetziges Wissen einsetzen und anwenden. Ich würde wahrscheinlich schneller nach Europa expandieren, wahrscheinlich würde ich auch meine Düfte weltweit lancieren, statt nur in den USA und ich würde versuchen zu verhindern, dass das Unternehmen so enorm groß wird!
Um ehrlich zu sein, wurden wir zu groß im Amerika der 90er Jahre. Ich würde versuchen, alles etwas kleiner zu halten. Aber dafür ist es jetzt zu spät.

Wenn Ihre Kinder ein Label gründen wollten, was würde Sie ihnen raten?

Keep it small and simple!

Sind Ihre Kinder denn interessiert daran, ins Business einzusteigen?

Nein, sie wollen lieber ihr eigenes Ding machen. Meine Tochter Ally macht ihre eigenen Designs, mein Sohn ist Musiker, der andere ist Athlet. Aber vielleicht ändern sie später noch ihre Meinung.

Haben Sie selbst noch neue Design-Pläne?

Ja! Ich arbeite gerade an einer eigenen Möbel-Kollektion. Darauf freue ich mich wirklich unglaublich, denn ich wollte das schon seit langem tun. Meine Möbel werden bald weltweit erhältlich sein!

Sie haben so viele Projekte. Wie sieht ein typischer Tag im Leben von Tommy Hilfiger aus?

Ich stehe früh auf und trinke Kaffee mit meiner Frau. Dann geht’s ab zum Joggen. Danach fahre ich in die Firma und habe Geschäftstreffen. Am Nachmittag geht’s dann ans Zeichnen und Designen. Später treffe ich mit dem Marketing, der Werbeabteilung, dem Model Booking usw. Abends gehe ich oft auf Charity-Veranstaltungen, zum Beispiel für die Brustkrebs-Forschung, Hilfe für Arme oder Multiple Sklerose. Aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich am allerliebsten so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie verbringen.

Es klingt, als wären Sie trotz des Verkaufs des Unternehmens immer noch sehr involviert. Das ist nicht bloß Ihr Name, der da über dem Eingang steht ...

Das ist mir auch wirklich wichtig! Ich habe zum Beispiel gerade zwei ganze Jahre an einem Buch gearbeitet ("Tommy Hilfiger", Anm. d. Red.). Es war wirklich viel Arbeit, aber es hat auch sehr viel Spaß gemacht. Es war toll, sich all die alten Fotos wieder anzusehen ...

Was war der beeindruckendste Moment Ihres bisherigen Lebens?

Gerade eben, der 25. Geburtstag des Unternehmens! Sich die Firma anzusehen, was daraus geworden ist. Wir hatten eine große Fashion Show, eine Party, das Buch wurde vorgestellt und ich dachte die ganze Zeit nur: Was habe ich für ein Glück! Ich habe so ein Glück, das tun zu dürfen, was ich Liebe. Ich habe so ein Glück, dass mein Traum wahr geworden ist. Ich habe so ein Glück mit meiner Familie. Ich habe Glück mit meiner Gesundheit. Und ich habe Glück, dass ich etwas zurückgeben darf: Wir haben ein Dorf in Afrika adoptiert. Jetzt gibt es dort sauberes Wasser und ein Krankenhaus. Das ist das größte Glück.

Haben Sie auch Schwächen?

Meine Kinder. Ich bin nicht so streng mit ihnen, wie ich es vielleicht sein sollte. Ich sollte dafür sorgen, dass sie härter für das arbeiten, was sie haben. Außerdem sollte ich selbst wahrscheinlich etwas kürzer treten, Zeit mit dem Kleinen verbringen ...

Wechseln Sie selbst die Windeln?

Aber klar! Das macht Spaß! Ich bin mit acht jüngeren Geschwistern aufgewachsen. Da habe ich natürlich ausgeholfen! Ich habe Windeln gewechselt, die Wäsche gewaschen, gekocht, Geschirr gespült, den Boden gewischt – einfach alles! Ich habe schon als Kind gelernt, wie man das alles macht.

Vielleicht ist das das Geheimnis Ihres Erfolges ...

Vielleicht! Es gibt keine Arbeit, die mich abschreckt. Ich glaube, es ist wichtig, sich für nichts im Leben zu gut zu sein. Wenn man dann eines Tages das macht, was man liebt, ist das wirklich ein Geschenk.

Sie bezeichnen Uhren neuen Duft „LOUD“ als ersten „echten Rock ’n’ Roll Duft“. Was ist so anders daran?

Unsere Marke war immer schon sehr mit Musik verbunden. Wir haben schon mit Britney Spears, Beyoncé, Gwen Stefani, den Rolling Stones und David Bowie zusammen gearbeitet. Diesmal wollte ich noch einen Schritt weiter gehen. Kein Produkt entwickeln – und dann das Gesicht eines Promis draufdrucken, sondern von Anfang an mit Musikern zusammenarbeiten. Alle haben an diesem Parfum mitgearbeitet: Die Models Daisy Lowe und Josh Beech, die Ting Tings, die sogar einen eigenen Song dafür geschrieben haben – sie alle haben sich eingebracht. Loud ist absolut authentisch und perfekt für alle, die echten Rock ’n’ Roll lieben.

Welche Düfte lieben Sie privat?

Ich liebe den Duft von frisch geschnittenem Gras, Regen, Zitrus und vor allem: den Duft einer Yacht!

Danke für das Gespräch.