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Alarmstufe Miley! Miley Cyrus im Interview

Von GRAZIA am Freitag, 13. Februar 2015 um 14:49 Uhr

Miley Cyrus hat Angst um ihre Schwester und passt deshalb auf was diese auf Instagram treibt. Und das kommt ausgerechnet von der Sängerin, die in sozialen Netzwerken (wie im normalen Leben) seeehr viel nackte Haut und high machende Substanzen zeigt?! GRAZIA traf in Los Angeles eine junge Frau, die sehr genau weiß, was sie tut und will.

Sie machten bislang nie Werbung. Warum Jetzt für „Viva GLAM“?

Normalerweise bin ich echt niemand, der Leuten sagt: Rennt los und kauft euch auch das, was ich hab! Aber M.A.Cs „Viva Glam“-Kampagne ist nicht nur eine gute Sache, sondern auch nah an mir dran: Es geht darum, Stereotype zu bekämpfen. Und darum, Menschen mit HIV und Aids zu helfen, denn wenn einer mit Vorurteilen zu kämpfen hat, dann sie!

 

Was glauben Sie: Wieso wurden ausgerechnet Sie ausgewählt?

Vielleicht weil diese ganze Diskussion über Sexualität nicht unter jungen Leuten stattfindet, sondern bei Erwachsenen. Das muss aufhören, man muss die Jugend aufklären. Also musste mal wieder jemand Junges her, der diese Sexdiskussion in Gang bringt. Und dem es nicht unangenehm ist, darüber zu sprechen. Ist es mir ja offensichtlich nicht.

 

Gibt es etwas, das Sie seit Ihrem Imagewechsel vom Teenie-Star zur Schockerbraut bereuen?

Gar nichts. Ich habe auch wirklich noch nie nur eine Sekunde darüber nachgedacht. Ich konzentriere mich auf das, was vor mir liegt – und nicht auf das, was hinter mir liegt.

 

Bei dem ganzen Sex, den Sie auf der Bühne propagieren: Sind Sie privat vielleicht eher zurückhaltend?

Wenn ich bei mir zu Hause bin, dann bin ich genauso wie auf der Bühne oder hier jetzt mit Ihnen. Ich verstelle mich nicht. Viele Menschen sind da leider anders.

 

Wo ist Ihre Schamgrenze?

Das kann ich Ihnen wirklich nicht sagen. Es gibt nichts, von dem ich sagen könnte, dass ich es nicht mache. Ich bin ja zum Beispiel auf Instagram auch total offen. Und wer mir da folgt, sieht wirklich viel von mir …

 

Auch wie Sie weinen, sich sonntags einsam fühlen oder blutende Knie haben. Brauchen Sie Mitleid?

Ich habe noch nie verstanden, wieso alle immer darüber nachdenken, was andere Leute tun. Jeder soll lieber an sich denken und daran, was ihn am glücklichsten macht, statt immer nur über andere zu urteilen.

 

Seien Sie doch froh: Ihnen folgen fast 15 Millionen Menschen auf Instagram, weil sie sich für Sie interessieren. Sind Sie deshalb so oft nackt in der Öffentlichkeit?

Klar, das generiert viel Aufmerksamkeit. Je mehr ich davon bekomme, desto mehr kann ich sie auch für die Bekämpfung von HIV und Aids nutzen. Mir ist schon klar, dass ich mir den Mund fusselig reden könnte, wie gut und wichtig diese Kampagne ist und wie die Farbe des Lippenstiftes ausgewählt wurde. Aber am Ende reden die Leute doch nur wieder drüber, wie provokativ die Fotos waren, die die Kampagne begleiten.

 

Ihre freizügigkeit stößt nicht nur auf Gegenliebe. Besonders mit religiösen Argumenten kommt man Ihnen oft: „Miley ist eine Hexe, die in die Hölle kommt.“

Ich komme in die Hölle?! Mist! Aber mein kleiner Bruder wusste das schon viel länger – zumindest hat er das früher immer zu mir gesagt. Aber ich lese mir diesen Quatsch nicht durch. Ich mache, was ich mache, weil ich es liebe. Und weil ich bin, wer ich bin – und mich liebe. Das ist mehr, als viele Leute von sich behaupten können. Das versuche ich auch in meiner Musik auszudrücken.

 

Welche Tweets oder Kommentare verletzen Sie wirklich?

Vieles von dem, was Leute so raushauen, ist verletzend. Ob man das an sich ranlässt oder nicht: Irgendwo bleibt es hängen, setzt sich im Unterbewusstsein fest und sorgt dafür, dass blöde Gefühle hochkommen. Aber man kann die Leute, die so etwas schreiben, nicht reparieren. Ich ver-
suche schon länger, Twitter und Insta
gram dazu zu bewegen, ihre Sicherheitsrichtlinien zu überdenken. Cybermobbing ist ja nicht nur kinderleicht, es wird auch weitgehend toleriert. Das darf nicht sein, da muss was passieren.

 

Ist es nicht auch gefährlich, sich nur noch in sozialen Netzen zu bewegen?

Klar. Viele junge Frauen jagen einer Realität nach, die so gar nicht existiert. Sie schauen sich diese wunderschönen Fotos von anderen Mädchen an, ohne dass ihnen bewusst ist: So sehen die ja auch nicht immer aus. Menschen bilden ihr Leben auf Instagram nicht so ab, wie es ist. Und Photoshop ist nicht mehr nur das große Ding für Hochglanzmagazine, sondern verbreitet sich auf Instagram genauso. Und dann denken junge Mädchen, sie müssten auch so sein. Und versuchen, wie Barbies zu sein, die es so nicht gibt.

 

Sie haben selbst eine 15-Jährige Schwester.

Ja, und ich muss echt aufpassen, was sie auf Instagram so treibt! Ich versuche, sie davon fernzuhalten. Als ich in ihrem Alter war, diskutierte ich mit meiner Mutter, ob ich einen kurzen Rock anziehen darf, sie diskutiert heute, was sie auf Instagram von sich posten darf.

 

Welche Botschaft vermitteln Sie jungen Frauen?

Es geht mir darum, mich als Frau frei zu fühlen und machen zu können, was ich will. Ich bin glücklich, dass ich in einer einigermaßen entspannten Zeit lebe, wo man das als Frau darf. Andererseits sind viele junge Frauen verschlossen und unterwerfen sich stereotypen Vorstellungen, dass man immer nett, artig und hübsch sein muss. Das möchte ich aufbrechen!

 

Es ist unfair, dass Frauen viel öfter ermahnt werden, sich zurückzuhalten …

Im richtigen Leben passiert das gar nicht so oft, finde ich. Aber im Pop-Business wurde Frauen schon immer vorgeworfen, total übersexualisiert aufzutreten. Dabei haben Männer das auch schon immer gemacht! Nehmen Sie Elvis zum Beispiel. Oder die Beatles.

Die Beatles!?

Die waren zu ihrer Zeit auch total sexuell. Und wenn nicht Horden von Frauen hinter ihrem Versprechen hergerannt wären und ihre Platten gekauft hätten, dann wäre aus ihnen auch nichts geworden. Und wenn wir Mädels dasselbe machen wie Elvis und mit den Hüften wackeln, dann hagelt es Vorwürfe, man würde zu viel zeigen.

 

Woher haben Sie eigentlich diese Extraportion Selbstbewusstsein?

Ganz klar: von meinen Eltern! Die waren schon immer total entspannt und unvoreingenommen. Sie sehen ja nicht mal aus wie normale Eltern! Beide sind von oben bis unten tätowiert. Wenn ich die Eltern von Freunden sehe, die genauso alt sind, wirken die so viel älter, weil meine so frei in ihrem Denken sind. So will ich auch sein! Und nicht irgendwelchen Vorstellungen entsprechen. Das Gute daran ist, dass man in einem freien Leben viel mehr erlebt und später bessere Geschichten zu erzählen hat!

 

Zwei Ihrer grossen Vorbilder sind Madonna und Dolly Parton, Ihre Patentante. Was haben die dazu beigetragen, wie Sie heute sind – auch im Hinblick auf ihr Verständnis von Schönheit?

Oh, sehr viel. Auch wenn die zwei sehr unterschiedlich sind, machen sie beide nur, was sie wollen, und sind, wie sie wirklich sind. Was Beauty und Fashion angeht: Ich bin irgendwo zwischen den beiden! Madonna hat ein sehr eigenes Verständnis von Stil. Und Dolly macht
sich ja immer bloß nach dem Motto hübsch: je höher die Haare und je mehr Make-up, desto besser! Von ihr habe ich den Satz: Bewerte nie ein Buch nach seinem Cover. Man sieht sie mit ihren riesigen Brüsten, den blonden Haaren und denkt sich seinen Teil. Dabei ist sie ein Genie! Keine Frau wird mehr missverstanden auf der Welt als Dolly Parton.

 

Aber gleich danach kommen Sie, oder?

Ja … Die meisten haben keine Ahnung, wer ich bin. Aber wenn sich die Leute mal wirklich mit den Sätzen, die ich sage, beschäftigen würden, statt mir Dinge in den Mund zu legen, wäre das ja schon mal ein Anfang.  

Interview: Roland Rödermund