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Anya Taylor-Joy: "Ich bin nicht schön genug"

Von Leonie am Freitag, 11. Dezember 2020 um 16:00 Uhr

Das sagt eine, die schon Model war und gerade in einer der erfolgreichsten Serien glänzt: Doch für Anya Taylor-Joy steht fest, dass sie ihr Glück gar nicht verdient. Das sehen wir anders!

Dass man sie schon stalkte, bevor sie als Helding von "Das Damengambit“ (die bislang erfolgreichste Netflix-Miniserie überhaupt) zum Weltstar avancierte, dafür gibt es zum Glück eine harmlose Erklärung: Anya Taylor-Joy, damals 16, spazierte eines Nachmittags durch London und fiel einer Modelcasterin auf, die ihr eine Weile heimlich mit dem Auto folgte, um zu sehen, wie sie sich bewegt und spricht und lacht. Das ist gerade mal ein paar Jahre her, doch kaum der britischen Schuluniform entwachsen, legte Anya eine Filmkarriere hin, wie sie nur einmal pro Jahrzehnt gelingt. Und profilierte sich mühelos als die wahrscheinlich vielseitigste und beste Darstellerin ihrer Generation. Sie als It-Girl des Augenblicks zu bezeichnen, passt jedoch irgendwie nicht. Die sind ja eher wie Eintagsfliegen. Anya Taylor-Joy, davon sind wir überzeugt, wird so schnell nicht aus der Mode kommen. Diese rehbraunen Kulleraugen, der makellose Teint, die zierliche Figur – wo die meisten Schönheit sehen, denkt Anya irritiert: Moment mal, wie konnte es passieren, dass ich so erfolgreich bin? "Ich sehe zu merkwürdig und nicht schön genug aus, um ein Star zu sein". Das hat sie wirklich mal gesagt.

Erst vor drei Wochen schüttete sie der britischen Tageszeitung "The Sun“ ihr Herz aus und berichtete lang und breit von ihren Selbstzweifeln. Gut, dass andere das mit dem "leicht abnormen Äußeren" anders beurteilen, und obwohl es ja eher nach Tiefstapelei klingt, nimmt man der Britin (mit argentinischen, spanischen, schottischen und afrikanischen Wurzeln!) ihre Unsicherheit ab. "Das Schöne daran, in seiner eigenen Haut zu stecken, ist doch, dass man sich nicht permanent selbst sehen muss.“ Im Kino ihre Filme anschauen? Bloß nicht! Ihr Freund, der Fotograf Ben Seed, verrät sie lachend, habe sie schon gewarnt, dass die Leute sie wegen ihrer selbstkritischen Sprüche früher oder später für ein "Arschloch" halten werden. Etwa diesen: "Als ich 'Emma‘ drehte, hatte ich wirklich eine Panikattacke und dachte: Ich bin die erste hässliche Emma der Filmgeschichte, das kann ja nichts werden!“

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Anya Taylor-Joy kämpft mit ihrem Selbstbewusstsein

All das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Stardesigner inzwischen wild darauf sind, sie für den Gang über den roten Teppich einzukleiden. Und hielte keine Pandemie den Planeten im Würgegriff, würde es garantiert Einladungen in die Front Rows von Paris, London und Mailand hageln. Eine Frage der Zeit ist es nur noch, bis sie Auszeichnungen kassiert wie andere Leute Strafzettel. In ihren Rollen wirkt Anya immer viel reifer, als sie es nach Jahren ist, wie eine alte Seele, und sie erweckt obendrein den Eindruck, als sei ihr nichts Menschliches fremd. Was dafür spricht, dass sie besitzt, was in Hollywood, gerade bei Schauspielerkolleg*innen unter 30, Mangelware ist: Charakter.

 

 

Vielleicht hat es ja etwas damit zu tun, dass sie laut eigener Einschätzung trotz fünf Geschwistern "ein einsames Kind" war, "total isoliert. Und sehr ängstlich." Das prägt. Insbesondere ein Umzug von Argentinien nach Großbritannien, als sie acht war, machte ihr zu schaffen: "Ich wurde gemobbt, weil ich kein Wort Englisch sprach." Wie oft sie sich in der Schultoilette einschloss, um zu weinen, kann sie heute nicht mehr sagen. In der Modelwelt fühlte sie sich zum ersten Mal dazugehörig, außerdem erwies sie sich als ideales Trampolin ins Filmgeschäft. Mit 17 musste Anya die schwierigste Entschei- dung ihres Lebens fällen: Mitwirkung in einer Disney-Serie (ihr Kindheitstraum) oder Titelrolle als Hexe in dem mit wenig Geld produzierten Horrorfilm "The Witch". Hätte sie sich für Disneys heile Welt entschieden, wäre sie heute womöglich nur eine von vielen. Aber Anya ging in sich und erkannte, "dass ich viel düsterer und weniger quirlig bin als die meisten in meinem Alter“. Deshalb wählte sie den Gruselschocker, der sich zum hochgelobten Achtungserfolg mauserte und schon mal die Entscheider in Hollywood aufhorchen ließ. Es folgten der BBC-Hit "Peaky Blinders“ (als Gangsterbraut), "Split“ (als Entführungsopfer) und "X-Men: New Mutants“ (als, nun ja, Mutantin). Sie habe in den vergangenen Jahren unablässig gearbeitet, erzählt Anya Taylor-Joy, was ihr auch deshalb ganz recht sei, weil sie so gar nicht mitbekommen habe, wie phänomenal ihr Aufstieg von anderen empfunden wird. Im Übrigen erweise sich ihr fotografisches Gedächtnis beim Rollenlernen als wahrer Segen: Einmal das Drehbuch durchgelesen, und sie hat sie ihren Part drauf.

Wenn sie an etwas arbeiten muss, dann vermutlich an ihrem Selbstbewusstsein. Denn das kränkelt weiter vor sich hin. Als sie vor zwei Jahren den Thriller "Glass" drehte, waren ihre Partner Bruce Willis, Samuel L. Jackson, Sarah Paulson und James McAvoy, alles Hochkaräter. "Da wachte ich einmal aus einem Albtraum auf und dachte, großer Gott, was habe ich bloß in ihrer illustren Gesellschaft verloren?" Ach, Anya, entspann dich doch – in ein paar Jahren werden Willis & Co. froh sein, wenn sie in einem deiner Filme mitspielen dürfen. Wer kann schon von sich behaupten, die Liste der erfolgreichsten Netflix-Serien anzuführen? "Das Damengambit“ unterstreicht, dass Anya Taylor-Joy bislang eindeutig mehr in fremden Geschichten glänzt als in ihrer eigenen. Anlässe, um sich die Finger wund zu schreiben, fand die Klatschpresse jedenfalls noch nicht. Und wenn es nach Anya geht, wird sich daran so bald nichts ändern: "Anonymität ist doch etwas Schönes. Es hat schon seinen Grund, warum Schauspieler immer wieder in andere Figuren schlüpfen. Die Vorstellung, dass sich die Leute für mich persönlich interessieren, finde ich abschreckend.“ Dafür, dass es Anya Taylor-Joy in den nächsten Jahren gelingt, unterhalb des Radars ein halbwegs normales Leben zu führen, wollen wir ausdrücklich die Daumen drücken. Die Karriere läuft ja wie von selbst...

Text: Kalle Schäfer

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