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Die neuen heißen Nobodys

Von GRAZIA am Sonntag, 31. August 2014 um 17:32 Uhr

Sie bekommen gerade tonnenweise Fanmails und Heiratsanträge. Und, nein, sie sind keine Stars, sondern Cops, U-Bahn-Wachmänner oder Häftlinge. Der „boy next door“ ist das Sexsymbol 2.0. Aber worin besteht die Faszination des Mr Normalo?

„Ich Liebe dich!“, „Du bist sooo schön!“, „heirate mich!“ – nee, das sind keine Zitate, die wir beim One-Direction-Konzert im Mädcheninternat aufgeschnappt haben. So verknallt kommentieren erwachsene Frauen die Facebook-Seite eines ganz normalen Cops aus San Francisco. Denn seit ein Fotograf ihn knipste und das Bild ins Netz stellte, geht es rund auf Social-Media-Kanälen von Chris Kohrs: 50.000 Likes bekam er innerhalb von wenigen Tagen, er wird schon mit Channing Tatum (34) verglichen!

Der "boy next door" ist das neue Sexsymbol

Denn der Hübschie von nebenan (oder dem anderen Ende der Welt) ist das neue Sexsymbol. Erinnern Sie sich: Vor ein paar Wochen schockverliebten sich Tausende Frauen in den mug shot eines heißen Häftlings. Ein Crowdfunding für die Kaution des Amerikaners kam erst ins Stocken, als die Fans erfuhren, dass Jeremy Meeks (30) Frau und Kinder hat. Eine Agentin sorgt jetzt dafür, dass der Knastschönling seine Berühmtheit ganz legal ausschlachten kann.

Wo liegt der Reiz an den Normalos?

Das möchte auch Guilherme Leão (22). Der U-Bahn-Wachmann aus São Paulo versucht, seinen instant fame auszubauen, indem er auf Twitter und Facebook ein Selfie nach dem anderen postet: in Uniform, oben ohne, im Gym, im Bett... Aber wieso schwärmen wir eigentlich plötzlich für Normalos? Einerseits wirkt ein Polizist oder S-Bahn-Wächter deutlich nahbarer als Johnny Depp (51) oder Ryan Gosling (33).

Sie werden zu unfreiwilligen Internetstars

Ohne Entourage und Pressesprecher könnte man mit so einem doch wirklich mal ein Bier trinken. Andererseits wirken die schönen Nobodys zwischen Reality-TV-Sternchen und YouTube-Selbstpromotern oft wunderbar uneitel – nun ja, bis sie selfiesüchtig werden und Oben-ohne-Kalender herausgeben. „Viele können sich nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die kein Interesse daran haben, berühmt zu werden,“ sagt auch Esra Sam, die als Fotografin hinter einem weiteren (unfreiwilligen) Internetstar steht.

Der „heißeste Typ der Welt“ ist ein Nobody

Während die britische „Daily Mail“ ihn zum „heißesten Typen der Welt“ hochschrieb, rätselten Tausende verliebte Mädels und aufgeregte Modelagenten über seine Identität. Keiner bekommt ein Interview mit ihm – und eigentlich sollte auch niemand erfahren, wer er ist. Doch dummerweise hatte der bärtige Beau als Teenager in einer Band gespielt und wurde (oje!) von der „Rheinischen Post“ enttarnt. Jetzt wissen wir, dass er Ben Dahlhaus (24) heißt und mit siebzehn als Sänger einer Schülerband von jenem Ruhm träumte, dem er sich jetzt so vehement entzieht.

Entzaubert? Wir rechnen ganz fest mit neuen heißen Netz-Boys.

 

Text: Friederike Trudzinski

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