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Exklusiv Interview mit Lena Gercke

Von GRAZIA am Sonntag, 22. Juni 2014 um 12:07 Uhr

Gut, unsere erste Idee, sie als spanischen Torero zu inszenieren, war Lena Gercke (26) dann doch eine Spur too much: Sie will als eigenständiges Model und nicht in allererster Linie Spielerfrau von Real-Madrid-Star Sami Khedira (nach langer Verletzungspause bei der WM in der deutschen Nationalelf dabei) wahrgenommen werden! Zu ein paar spanisch angehauchten Teilen ließ sich die erste „GNTM“-Gewinnerin dann aber doch hinreißen. Mehr von Lena lesen Sie hier...

Wir finden: Caramba, die stehen ihr super! Und auch, dass sie viel mehr als das Arm-Candy eines Kickers ist, nämlich eine „Supa Chica“ wie Jorge González beim GRAZIA Best Dressed Model Award Mitte Mai schwärmte, als er ihr den Preis „Best Model“ überreichte. Eine, die in viele Rollen schlüpfen kann. Auch in die des coolen Dandys …

 

Lena Gercke im Exklusiv-Interview...

War es ungewohnt für Sie, sich mal männlich zu geben?

Lena Gercke: Warum?

 

Sie wirken sonst sehr feminin.

Interessant, dass Sie das sagen. Ich bin eigentlich sehr boyisch!

 

Tatsächlich?

Ja, ich habe sehr viele männliche Kumpel. Außerdem würde ich mich selbst als eher locker bezeichnen. Und ich kann über die derbsten Witze lachen!

 

Gibt es Dinge, um die Sie Ihre männlichen Freunde beneiden?

Definitiv! Erst mal darum, dass die keine Cellulite bekommen werden. Und keine Schwangerschaftsstreifen. Und sie brauchen immer nur Shirt, Hose und Schuhe, während wir Frauen immer 1000 Sachen mit uns rumschleppen: Hier noch ’nen Ohrring, da noch ’ne Kette – und die ganzen Beauty-Produkte … In dem Punkt habt ihr es schon einfacher!

 

Aber wir kriegen auch keinen Best Dressed Model Award …

Haha! Ich denke, viele Frauen kennen das: Man hat sich gefühlt zehn Stunden fertig gemacht, und dann sagt einem der Freund, dass er einen ungeschminkt am schönsten findet! Ist ein tolles Kompliment, aber es war sehr schön, von GRAZIA dafür ausgezeichnet zu werden, dass ich mir so viel Mühe gemacht habe.

Lena im coolen boyisch Look

 

 

Abgesehen von Fashion und Beauty: Worin haben es Männer noch leichter?

Wir Frauen sind leider immer noch viel selbstkritischer als Männer und wollen oft verbissen die Beste sein. Und Männer gehen zum Beispiel oft besser mit Kritik um: Sie ändern dann einfach was an ihrem Verhalten, und gut ist.

 

Frauen denn nicht?

Wir sind da sehr viel emotionaler und fragen uns andauernd, warum wir etwas falsch gemacht haben. Männer denken oft strukturierter – was wir ja gar nicht verstehen können!

 

Jetzt gleicht Ihr Leben von außen betrachtet einem Märchen…

Von außen sieht das immer so toll aus! Ein richtiger Einblick in meinen Alltag würde aber sicher nicht interessant genug sein, um damit eine Fernsehshow zu füllen. Ich bin sehr dankbar, dass ich einen Job habe, den ich liebe, aber es ist doch weitaus unglamouröser, als man es sich vorstellt.

 

Sie wirken gar nicht so, als würden Sie sich immer infrage stellen.

Ich kann auf der einen Seite total extrovertiert und selbstsicher sein, habe aber auch eine unsichere Seite. Aber ich finde das nicht so schlimm, ich habe das Gefühl, dass ich mich dadurch viel besser kennenlerne und weiterentwickle, als wenn ich nie über Dinge nachdenken würde.

 

Wurden Sie schon mal angefeindet, weil Sie etwas nur wegen Ihres Aussehens erreicht haben?

Bis jetzt habe ich diesen Neid unter Frauen noch nicht so oft gespürt. Ich bin da vielleicht naiv, aber ich glaube ja immer, dass viele Menschen Dinge sagen, die sie gar nicht so meinen – oder das Gesagte revidieren,

wenn sie vor einem stehen.

 

 

 

Was wäre wohl ohne „GNT M“ aus Ihnen geworden? Auch Model?

Das frage ich mich total oft! Man trifft eine vermeintlich kleine Entscheidung, und sie bestimmt dein ganzes Leben! So richtig weiß ich aber keine Antwort. Vielleicht wäre ich auf anderen Wegen beim Fernsehen gelandet oder hätte Psychologie studiert. Aber ich hätte wahrscheinlich keinen Job, bei dem ich um 9 Uhr anfange und um 5 Uhr nach Hause gehe!

 

Was wäre daran so schlimm?

Ich liebe das Abenteuer zu sehr, und mich langweilen Sachen ganz schnell – ich mag keinen Alltag und keine Routine.

 

Da kommt Ihnen Ihre Fernbeziehung entgegen. Ist die andererseits nicht total anstrengend?

Alles eine Frage der Planung! Ich sitze hier jeden Tag mit meinem Terminkalender und checke, wo wir uns wann wie viele Tage treffen können. Das ist natürlich schwieriger, wenn immer nur der eine reisen muss, weil Sami ja in der Hinsicht eingeschränkt ist. Aber wir kriegen das hin. Auch weil uns total wichtig ist, dass jeder sich in seinem Job auslebt und das macht, was er liebt.

 

Sie beide haben eine Wohnung in Deutschland, Sie leben in New York, pendeln nach Deutschland … Wo ist Ihr zu Hause?

Inzwischen in jedem Hotelzimmer. Ich kenne das Gefühl Heimweh ehrlich gesagt gar nicht mehr. Wenn ich abends in mein Zimmer komme, ist immer aufgeräumt, toll! Ich bin ja so unordentlich – Duftkerze oder so was brauche ich nicht. In meinem Gepäck ist kein Platz für solches Gedöns. (lacht)

 

Vermissen Sie Madrid nicht?

Ein bisschen. Mein Freund war hier in Deutschland in der Reha, und sonst ist mein Lebensmittelpunkt gerade New York. Die Stadt ist cool. Ich wohne mit einer Freundin zusammen – ich mag das Unkonventionelle, jeder macht sein Ding. Als Model ist das die Stadt überhaupt!

 

Sie hören das Wort Spielerfrau nicht so gern. Was löst es aus?

Absolut gar nichts. Es gab einmal eine witzige Situation im Urlaub, als wir bei der Einreise erklären mussten, was wir beide genau beruflich machen. Als ich sagte, ich sei Model, und er meinte, er sei Fußballer, haben wir uns angeguckt und mussten losbrüllen vor Lachen. Was für ein Klischee, wenn man es erst mal selber ausspricht!

 

Lena & Sami sind ein absolutes Traumpaar

 

 

Sind Sie beide vielleicht unsere Beckhams?

Ich bin kein Fan von Vergleichen. Jeder Weg ist anders.

 

Ihrer war bis jetzt ziemlich erfolgreich. Haben Sie trotzdem noch Träume?

Millionen Sachen! Aber am allerliebsten Reisen! Ich will unbedingt mal nach Asien und nach Australien – das ist unsere gemeinsame Leidenschaft. Ich bin zwar überall auf der Welt, aber da stehe ich in der Regel morgens um fünf auf und arbeite den ganzen Tag, abends falle ich dann kaputt ins Bett. Ich will viel mehr reisen und die Welt sehen.

 

Was sind Ihre Modetrends des Sommers?

Ich freue mich riesig über den Flashback in meine Kindheit: bauchfreie Tops! Ich war früher nur bauchfrei unterwegs. Spice Girls! Tic Tac Toe! Das war meine Zeit damals – also ich habe bestimmt schon 20 neue Tops jetzt. (lacht)

 

Kann aber auch nicht jede Frau tragen …

Ach, das ist alles nur eine Frage der Kombination. Wenn die Mitte frei ist, darf der Rest nicht zu freigelegt sein…

 

Interview: Roland Rödermund, Fotos: Tina Luther, produktion: Nino Cerone, Bild unten: Instagram/Lena Gercke