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Exklusiv-Interview mit Leslie Clio

Von GRAZIA am Mittwoch, 11. September 2013 um 12:19 Uhr

Sie ist witzig, intelligent, schlagfertig, blond, zierlich, energiegeladen, sympathisch, wortgewandt, ironisch und direkt. Ihr größter Hit "I could't care less" lief in diesem Sommer rauf und runter. Ihr Sound: "modern Soul-Pop with a touch of retro“.

GRAZIA traf Leslie Clio (27) auf einen Schnack unterm Wohnwagenzelt auf dem Dockville Festival. Was sie vor Konzerten macht, warum ihr Fahrrad Pistazie heißt und mit wem die Sängerin gerne mal auf der Bühne stehen würde, erfahren Sie hier.

Leslie, Du bist in Hamburg geboren und aufgewachsen, jetzt wohnst Du seit vier Jahren in Berlin. Welche Stadt gefällt Dir besser?

Berlin ist meine Stadt. Ich könnte nicht in Karlsruhe oder Kaiserslautern leben. Mein ganzes Netzwerk sitzt in Berlin, mein Team, die Band und Universal. Hamburg ist schön und gut als Heimat, aber es wäre jetzt nicht mehr der richtige Ort für mich.

Die Fans erkennen Dich langsam. Nervt das schon manchmal?

Nein auf keinen Fall, wenn es jetzt schon nerven würde, könnte ich ja gleich einpacken. Es ist schon ein großer Unterschied, wenn ich schlurfi aussehe und ungeschminkt bin, erkennen mich kaum Leute.

Du bist gerade 27 geworden. Hast Du das Gefühl, Dich besonders beweisen zu müssen?

Nee. Ich habe nicht mit 12 Jahren angefangen und bin jetzt Beyoncé. Ich bin aber auch nicht Macy Gray, die erst mit Mitte 30 richtig angefangen hat. Für mich war es genau der richtige Zeitpunkt.

Wie ging es für Dich mit der Musik-Karriere los?

Nach meinem Abi bin ich erst mal zwei Jahre um die Welt getingelt. Zurück in Hamburg habe ich ein Jahr lang eine Gesangsausbildung gemacht. Danach bin ich nach Berlin gegangen und habe superviele Studios ausprobiert. Nachdem ich schon fast verzweifelt war, traf ich Tomte-Bassist Nikolai Potthoff und es war klar, wir machen ein Album zusammen.

In Deinen Texten dreht sich fast alles um die Liebe. Schreibst Du autobiografisch?

Ja, nur. Ich schreibe ausschließlich über mich und meinen Herzschmerz. Die Liebe ist ein unerschöpfliches wie elementares Thema im Leben und kreativer Antrieb, doch nur da, wo sich das Leben der Liebe entgegen stellt, kann sie in diesem Widerstand wachsen. Das ist alles, was ich zu sagen habe (lacht).

Die Herzschmerzen halten sich ja bei Dir gerade in Grenzen, denn Du bist glücklich vergeben. Woher ziehst Du jetzt Deine Themen?

Ja, da muss ich mir wohl neue Themen suchen. Was es sein wird, kann ich noch nicht sagen. Keine Ahnung, was da für Ideen aufkommen. Wir gehen nach der Tour bis Weihnachten ins Studio.

Hast Du eine Strategie Songs zu schreiben?

Nur bei Kerzenlicht und rotem Wein (lacht). Gar nicht. Nö, das ist völlig unterschiedlich. Im Sommer fahre ich viel Fahrrad und höre Musik dabei, das beeinflusst natürlich. Momentan liebe ich Reggae und Stildrum. Grundsätzlich ist es bei mir so, wenn ich Musik höre, geht sofort der Melodientopf auf und dann brodelt es in mir und Ideen entstehen.

Hast Du Vorbilder?

Ja klar, sagen wir es mal so, von vielen verschiedenen Menschen nimmt man sich Sachen mit. Musikalisch bin ich von Lauryn Hill, Salt and Pepper, New Soul, Jill Scott, Erykah Badu und Hip-Hop geprägt. Ich mag auch Cher, Blondie und Madonna – alle geil. Ich habe aber nicht "that one icon".

Mit wem würdest Du gerne mal auf der Bühne stehen?

Lou Bega – Mambo No. 5

Hast Du Rituale vor Konzerten?

Ich nenne es Routinen, denn ich bin kein nervöser Typ - ganz entspannt eigentlich. Ich singe mich ein, mache Hechelübungen und dehne mich.

Dein Style in einem Satz?

Unkompliziert.

Das war nur ein Wort ...

Ich werde nicht von Sachen getragen, sondern ich will mich wohlfühlen - immer tagesabhängig. Grundsätzlich bequem, bequem und bequem. Anziehen … und Go. Ich nehme Mode total ernst und habe Spaß dran, aber ich mache mir nicht so viele Gedanken. In hohen Schuhen müsste ich wahnsinnig viel Konzentration und Zeit brauchen, also ziehe ich sie nicht an.

Was sind gerade Deine Must-Haves?

Diese Jacke tatsächlich (typischer Leslie-Blouson mit tropischem Muster – sehr lässig). Meine Freundin hat ihr eigenes Label (sooph) und näht mir immer fleißig meine Blousons.

Man trifft Dich häufig in Blouson-Jacken, woran liegt's?

Die schmeicheln meiner Figur, da fühle ich mich wohl drin. Meine ganze Performance hängt davon ab, dass ich mich in meinen Klamotten bewegen kann und gut fühle, wenn ich während eines Auftritts ständig den Bauch einziehen müsste, würde ich lieber eine Nonnenkutte tragen.

Designerstücke in Deinem Kleiderschrank?

Hab ich überhaupt Designerstücke? Ich liebe meine Lika Mimika Slippers.

Für das Video "Could't Care Less" hast Du das Styling selbst gemacht. Warum? Keine Lust auf eine Stylistin?

Ich habe mir ein paar Klamotten ausgeliehen, aber das meiste, was ich trage ist aus meinem Kleiderschrank. Ich habe einfach einen Koffer mitgenommen und abends entschieden – völlig unkompliziert.

Soll das so weiter laufen oder planst du für die nächsten Videos Stylisten ein?

Nee, ich habe da keine Lust drauf, ich will das selber machen. Für mich brauche ich keinen Personal-Stylist.

Wer sind Deine Stilvorbilder?

Josephine Baker - top im Bananenrock.

Was würdest Du für 1000 € kaufen?

Ich würde in die Tour investieren und den Tourbus upgraden.

Ich habe gelesen, dass Du Dir für deine zukünftigen Kinder Fantasienamen ausdenkst. Gibt es Favoriten?

Ich denk mir immer gerne Namen aus. Bevor ich Leslie Clio war, hieß ich mal Polly Rocket, Bei BMJ bin ich als … ups, das darf ich gar nicht verraten. Ich gebe auch meinem Fahrrad Namen.

Und wie heißt's?

Pistazie, weil es Pistazienfarbe ist. Ich habe gerne einen persönlichen Bezug zu Dingen - that's all. Vielleicht haue ich auch einfach mal in die Karibik ab, um Kurzgeschichten zu schreiben. Da weiß ich dann sofort, wie die ganzen Protagonisten heißen.

Zu guter Letzt. Dein Lebensmotto?

Was wahr ist gewinnt, don't worry be happy.

Leslie geht im Oktober auf Tour. Hier gibt es die Tourdaten.

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