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Film-Tipp: "Willkommen bei den Hartmanns"

Von Marie am Donnerstag, 8. Dezember 2016 um 19:00 Uhr

Palina Rojinski über den Film des Jahres: "Wir müssen Herz zeigen! Die Flüchtlingsdebatte sprengt alle Rekorde – ist das Thema wirklich zum Lachen, Palina? Die spielt mit und war selbst Einwandererkind.

WENN AM ENDE EINES KINOJAHRES ABGERECHNET WIRD, BLEIBT IN DEUTSCHLAND TRADITIONELL ALLES BEIM ALTEN.

Meistens witzelt sich ja Til Schweiger an die Spitze der Charts. Oder Matthias Schweighöfer. Oder Til Schweiger. Doch 2016, tadaaa, hat sich wirklich etwas getan. Und, nein, es ist kein Film von Florian David Fitz, der deutscher Spitzenreiter geworden ist (obwohl er, haha, darin mitspielt). Sondern eine Komödie, der wohl die allerwenigsten dieses Kunststück zugetraut hätten. Weil sie ein heikles Thema, ach was, das Reizthema der vergangenen zwei Jahre aufgreift, nämlich die Flüchtlingskrise und wie wir damit umgehen.

"Wir schaffen das" (meinte Angela Merkel am 31. August 2015 zum ersten Mal)

Da konnte sie nicht ahnen, dass dieser Satz zum Schlagwort der neuen Willkommenskultur werden und Pegida und AfD noch mehr Zulauf bescheren würde.

Nach fünf Wochen steht "Willkommen bei den Hartmanns" schon bei 2,6 Millionen Zuschauern

So oder so: Regisseur Simon Verhoeven (44) hat mit seiner Geschichte über eine Münchner Familie, die einen nigerianischen Flüchtling aufnimmt, einen Nerv getroffen – nach fünf Wochen steht "Willkommen bei den Hartmanns" schon bei 2,6 Millionen Zuschauern, Tendenz weiter steigend. Das ist das eine. Die vielen Hassmails und Internetbeschimpfungen von rechts- außen, die Verhoeven bekam, sind das andere.

Palina Rojinski (31), die die Hartmann-Tochter Sofie spielt, erlebte ähnlich negative Kommentare. "Aber es gab ja zum Glück auch ganz viel Zuspruch", sagt sie im Gespräch mit GRAZIA. Und wie erklärt sie sich den phänomenalen Erfolg des Films? "Ich denke, es liegt daran, dass er nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt und ein trockenes Lehrstück ist, sondern ein aktuelles Thema, das viele aufregt und vielen Sorgen macht, mit Humor behandelt." 

 

 

Die Schauspielerin, die als Kind mit ihrer Familie von Russland nach Berlin emigrierte ("Natürlich habe ich Ausländerfeindlichkeit erlebt – da musste ich mich durchboxen“), findet, dass man die Diskussion rund um Flüchtlinge und Integration ruhig beenden könne. Obwohl immer noch jede Menge zu tun bleibe:

Warum lösen wir jetzt nicht endlich die Probleme und zeigen Herz bei der Integration all der Menschen, die zu uns gekommen sind?“ (Palina Rojinski)

Im Ausland heißt es oft, wir Deutschen hätten keinen Humor. Beweist "Willkommen bei den Hartmanns" das Gegenteil? Darüber lässt sich streiten. Immerhin zeigt er, dass sympathische Sozialkomödien, wie sie in England seit Langem Tradition sind, sich offenbar bestens eignen, um gewisse Gemengelagen zu entkrampfen. Und uns mit Witz und Augenzwinkern einen Spiegel vorzuhalten, in dem wir unsere Schwächen und wunden Punkte erkennen.

Ob Angela Merkel den Film schon gesehen hat, weiß Palina nicht. Aber sie freut sich bereits auf die Party, mit der das Team den "Willkommen"- Erfolg feiern will. "Noch suchen wir nach einem Termin, an dem alle können." Wir wünschen schon mal viel Spaß!

 

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