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Froonck Matthée: "Throne sind nun wirklich nichts Besonderes"

Von Claudia am Samstag, 12. April 2014 um 15:00 Uhr
Er ist DER Fachmann, wenn es um das Thema Hochzeiten geht. Wir haben mit Frank "Froonck" Matthée gesprochen.

Wedding Planer Frank Matthée ist nicht nur in seiner Sendung "4 Hochzeiten und eine Traumreise" ein absoluter Experte, sondern auch seit vielen Jahren in seiner eigenen Agentur "WH!TE" für seine Kunden da. Wir haben mit "Froonck" über Do's und Dont's zum Thema Hochzeiten gesprochen und ihn nach seiner eigenen Traumhochzeit gefragt. Außerdem hat er uns verraten, was er von den "verrückten" Plänen von Kim Kardashian und Kanye West hält. 

Froonck, was ist für Sie ein absolutes No-Go, wenn es um die Planung von Hochzeiten geht?

Aus Planungssicht halte ich es für ein No-Go seine Wünsche zurückzunehmen und nicht alles zu probieren oder keine Alternativen zu prüfen. Am Hochzeitstag selbst ist es unangebracht als weiblicher Gast in Weiß zu erscheinen und sich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken. Aber auch als Brautpaar sowie als Gast ist es ein No-Go nicht mit den Gästen zu feiern, sondern nur sich selbst.

 

Wie gehen Sie ganz grob gefasst bei der Planung einer Hochzeit vor?

Das Wichtigste ist das ausführliche Gespräch mit dem Brautpaar zu Beginn, um dessen Wünsche aufzunehmen aber vor allem zu erfassen, wie die beiden "ticken“. Die Ansprüche und Likes bestimmen dann die Auswahl aller Dienstleister und natürlich der Location und auch die Art der Zusammenarbeit. Das Erste ist dann die Location-Suche, dann geht es über die Bekleidung und die Drucksachen bis zum Gastgeschenk. 

 

Haben Sie einem Paar schon einmal ihre Wünsche ausgeredet, weil Sie wussten, dass es am Ende schief gehen könnte?

Ja, das kommt natürlich vor. Manche Ideen oder Vorstellungen muss ich aus meiner Erfahrung heraus relativieren oder abblocken. Zumindest rate ich deutlich ab, die finale Entscheidung liegt jedoch beim Brautpaar - aber meist folgt es meiner Empfehlung. Wichtig ist, dass es eine nachvollziehbare Begründung gibt und auch eine Alternative. Zum Beispiel wollte ein Paar mal 10 Künstler über den Tag verteilt. Das hätte die Gäste hoffnungslos überfordert und Stress verursacht.

 

Was war das Verrückteste das Sie für ein Brautpaar umsetzen mussten? 

Dazu gehören sicher meine allererste Hochzeit im Schwimmbad mit Wasserballett, die schaurige Dekoration einer Gothic-Party mit Särgen und Stacheldraht und das auf einem Gogo-Girl präsentierte Dessertbuffet.

 

Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach das Budget für eine Traumhochzeit? Oder reicht auch das kleine Geld?

Vor allem ist es wichtig, das Budget von Beginn an genau zu definieren und zu fixieren. Denn natürlich ist es wie in der Mode: das Geld genügt nie, man findet immer noch eine tolle andere Idee, da Angebot und Möglichkeiten einfach unbegrenzt sind. Deshalb sollte man immer ganz genau planen, für welchen Bereich wie viel Budget ausgegeben werden soll und kann. Bei kleineren Budgets muss eben mehr selber geleistet werden in Form von Basteln, Dekorieren oder Kochen.

 

Wem gehen schneller die Nerven durch? Männern oder Frauen?

Das hängt ganz klar vom Zeitpunkt ab: Frauen sind bis zur Hochzeit aufgeregt und sensibel, zum Teil dünnhäutig, am Tag dann aber sehr stark und zielgerichtet. Männer hingegen verlieren am Hochzeitstag gerne den Kopf, sind durch den Wind, bekommen vor lauter Nervosität die Krawatte nicht gebunden, die Manschettenknöpfe nicht angelegt und vergessen ihren Blütenanstecker, Personalausweis, Ringe oder Brautstrauß – eben dann, wenn es ernst wird.  

 

Welche Tipps haben Sie, um im Hochzeitsstress nicht den Kopf zu verlieren?

Ganz wichtig: Frühzeitig mit der Planung beginnen. Dann sollte man immer offen und häufig mit dem Partner kommunizieren, also alle Themen, Bedürfnisse und Wünsche austauschen, damit die einheitliche Linie gefunden wird und kein Frust entsteht. Es sollten auch mehrere Angebote pro Dienstleister eingeholt werden und man sollte sich keinesfalls unter Druck setzen lassen. Weiterhin rate ich alle Dienstleister und Lieferanten persönlich zu treffen, um die Chemie, deren Einstellung und Professionalität zu prüfen. Dann sollte ein fester Tag pro Woche als "Wedding Planning Day" definiert werden, wo man zwei Stündchen in entspannter Atmosphäre alles bespricht - so verliert man nichts aus den Augen. Auch die regelmäßige Überprüfung des Budgets ist wichtig. Und dann muss man sich zwischendurch auch eine bewusste Auszeit nehmen, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

 

Aus Ihrer Erfahrung: Wie viel bestimmt die künftige Braut und was hat ER wirklich zu sagen, wenn es um die Planung der Hochzeit geht?

Ich bin fast versucht zu sagen, SIE bestimmt ALLES. (lacht) Das Thema ist einfach das „Projekt des Lebens“ der Braut, der Frau, des „Mädchens“. Der Mann lässt seiner Liebsten meist absolut freie Hand, möchte bei Location, Limousine und Band mitsprechen. Allerdings gibt es hier auch Ausnahmen und sehr engagierte Bräutigame, die Lust auf die Planung haben.

 

Wie sieht es mit dem Ehegelübde aus? Ist es wichtig und tun sich die Paare eher leicht oder schwer damit? Wo holt man sich am besten Inspirationen, um es leichter zu machen?

Das Gelübde in einer kirchlichen Zeremonie ist ja vorgegeben. Sofern man sich für die “Long Version“ entscheidet, sollte man sie allerdings auswendig können und seinem Partner dabei in die Augen schauen, damit es persönlich und emotional wird. Bei der sogenannten freien oder weltlichen Zeremonie ist das Brautpaar bei der Formulierung seines Versprechens absolut frei. Man sollte eigene Worte finden und so sprechen, wie man eben spricht, nicht aufgesetzt sondern authentisch bleiben, damit das Gelübde auch ins Herz des Partners trifft. Anregungen findet man in der Literatur und auch in Filmen und natürlich im Web.

 

DJ oder Band? Buffet oder gesetztes Essen? Was empfehlen Sie?

Das hängt vom Budget, der Location und dem Stil der Hochzeit ab. Live-Musik ist immer effektvoller und berührt stärker, deshalb sollte zumindest die Zeremonie von einem Künstler gestaltet werden, damit auch Tränchen fließen. Bei der Party sorgt eine Band für beste Stimmung und ist wirklich ihr Geld wert. Aber Achtung: vorher auf jeden Fall persönlich treffen und live testen. Ein reines Buffet finde ich zu hektisch, bringt zu viel Unruhe und Wartezeiten. Lieber ein kleines, feines serviertes Menü. Das Essen ist mittlerweile auch nicht mehr das Wichtigste bei einer Hochzeit.

 

Was sollte man unbedingt bei der Sitzordnung und der Anordnung der Tische beachten?

Man sollte darauf achten die Gäste zusammenzusetzen, die ein Gesprächsthema oder ähnliche Ansichten und einen vergleichbaren Lifestyle haben. Gut ist auch, die Unterhalter, also die Selbstdarsteller im Saal zu verteilen, damit nicht ein Tisch durch lauten Spaß alle anderen übertönt, sondern sich die gute Laune gleichmäßig ausbreitet. Natürlich sollte man alle Personen oder Familienmitglieder mit Differenzen auseinandersetzen und die Gäste nach dem Familien-, Freundschaftsverhältnis und Bekanntheitsgrad im Raum anordnen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass kein Tisch im Durchzug, am Ein-/Ausgang, in der Nähe der Toilette, des Servicezugangs oder direkt vor dem Lautsprecher platziert wird. 

 

Sie haben einen straffen Zeitplan. Schaffen Sie es noch Ihre Paare bis zum Hochzeitstag zu begleiten? Und wie gerührt ist man noch nach all den Jahren in diesem Geschäft?

Natürlich bin ich bei jeder Hochzeit meiner Brautpaare vor Ort. Das ist sehr wichtig, damit sich meine Klienten wirklich wohlfühlen und entspannen. Es ist ja auch meine Berufung, die schönste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann, so dass ich diese einzigartigen Tage miterleben möchte. Erst dann sieht man ja auch, wie alles, was man geplant und organisiert hat, funktioniert und Brautpaar sowie Gäste berührt. Das ist das schönste Honorar. 
Gerührt und berührt bin ich zum Glück nach 13 Jahren immer noch und immer wieder aufs Neue, denn es sind neue Personen – das ist ganz individuell und hochemotional, jedes Mal.

 

Wie sieht Ihre ganz persönliche Traumhochzeit aus?

Mehrere Tage – ich möchte Zeit haben zum Genießen und für meine Gäste. Viele sehe ich lange Zeit nicht, so dass ich diesen besonderen Anlass mit meinen Liebsten voll auskosten möchte. Da ich auch verschiedene Styles realisieren möchte, benötige ich deshalb schon mehrere Tage. Von der chilligen Beach Party bis zum glamourösen Gourmet-Dinner muss alles dabei sein.

 

Schloss Versailles, ein Thron und Barack Obama auf der Gästeliste. Was halten Sie von den verrückten Plänen von Kim Kardashian und Kanye West?

Verrückt ist dies keineswegs! Solche Vorstellungen bin ich gewohnt, wenngleich sie bei weniger prominenten Paaren natürlich „bescheidener“ sind. Im Kern bleiben sie aber alle gleich: ob Versailles oder Schloss Herrenchiemsee und Barack Obama oder Xavier Naidoo – es geht um einen Märchentraum, um Glamour und die große Inszenierung. Throne in verschiedenster Form habe ich übrigens schon mehrfach realisiert – das ist nun wirklich nichts Besonderes. (Lacht)

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