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GRAZIA trifft: Hurts

Von GRAZIA am Montag, 25. Oktober 2010 um 10:14 Uhr

Sie waren Langzeit-Arbeitslose aus Manchester, jetzt erobern Theo Hutchcraft und Adam Anderson alias Hurts weltweit mit "Wonderful Life" die Charts. Uns haben die heißesten Newcomer des Jahres exklusiv verraten, wie man sich erfolgreich bei ihren Konzerten reinschleicht und bei welchen Frauen sie schwach werden.

GRAZIA: Was ist der Hauptunterschied zwischen "Hurts" und eurer vorherigen Band "Daggers"?

HURTS: Der Hauptunterschied ist, dass Hurts funktioniert. Bei Daggers haben wir erst gelernt, wie das Ganze funktioniert. Außerdem kommt man mit fünf Bandmitgliedern nie zu einer Entscheidung, das geht zu zweit viel besser.

Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?
Wir fanden einfach, das klingt gut, das sieht gut aus. Außerdem waren wir damals wirklich sehr verzweifelt, wir waren seit 3 Jahren arbeitslos, also passte „Hurts“ sehr gut. Aber dann wurde alles besser, deshalb nannten wir das Album auch „Happiness“.

Dachtet ihr in den erfolglosen Jahren jemals ans Aufhören?

Ja, wir waren ziemlich nahe dran. Wir sind zwar sehr dickköpfig und zielstrebig, aber wir kamen an einen Punkt, an dem wir sagen mussten: Entweder das funktioniert jetzt, oder wir hören auf. Hurts war unsere letzte Chance. Ich glaube nicht, dass wir physisch und emotional die Kraft gehabt hätten, weiterzumachen ohne den Erfolg. Aber es hat ja geklappt!

Erinnert ihr euch noch daran, wie es war euren Song zum ersten Mal im Radio zu hören?

Natürlich! Der Moderator sagte, jetzt kommt ein wirklich cooler Song und es war so aufregend, weil ich genau diese Radio-Show schon immer mochte. Und dann kam Wonderful Life! Es war unglaublich, vor allem, weil wir damals noch gar keinen Vertrag hatten.
Aber auch heute noch sind wir ganz aufgeregt, wenn unser Song läuft. Neulich waren wir in Island um unser neues Video zu drehen und fuhren mitten durchs Nirgendwo: Links ein Abgrund, rechts ein riesiger Vulkan – und mitten in dieser Einöde lief plötzlich Wonderful Life! Das war wirklich ergreifend.

Apropos Vertrag: Ihr habt bei der Unterzeichnung angeblich einen Kamm, einen Regenschirm und zwei Tickets zum Eurovision Song Contest verlangt. Bereut ihr, dass ihr nicht auf mehr bestanden habt?

Wir hätten sicherlich mehr verlangen können. Aber wir wollten nur die drei Dinge und einen maßgefertigten Anzug – den ich übrigens immer noch nicht bekommen habe, Jahreskarten für Manchester United und Tickets zur Michael Jackson Premiere. Wir hatten nur zehn Minuten Zeit und konnten kaum glauben, was da gerade passiert. Uns ist einfach nicht mehr eingefallen!

Was war das erste, was ihr nach Unterzeichnung des Vertrages gemacht habt?

Adam: Neben der Plattenfirma war ein Blumenladen, also kaufte ich eine tropische Pflanze und stellte sie bei mir zu Hause aufs Klo.

Theo: Ich ging in zu einem Pfandleiher und kaufte mir diese goldene Kette (er zeigt eine gelb goldene Gliederkette). Es ist eine Art Versicherung, denn wenn wir plötzlich wieder out sein sollten, kann ich immer wieder zurück gehen und das Ding zurückgeben und mein Geld wiederbekommen. Es war das erste, was ich mir seit sehr langer Zeit gekauft habe.

Was ist das Teuerste, das ihr euch gekauft habt?

Ein Mantel von Adam Kimmel. Ich kann nicht sagen, was er gekostet hat, aber er war obszön teuer. Ich trage ihn auf der Bühne.

Euer Look ist sehr minimalistisch und sleek. War das immer schon so?

Das Lustige ist, dass dieser Look mehr aus der Not heraus geboren wurde. Wir hatten absolut nichts, konnten uns nicht mal einen Besuch im Pub leisten. Also, wann immer wir wichtig Termine hatten – meist bei der Bank um Geld zu leihen, trugen wir einen Anzug, um uns nicht ganz so als Loser zu fühlen. Heute ist es zur Gewohnheit geworden. Wir glauben daran, dass Kleidung absolut beeinflusst, wie man sich fühlt.

Was ist das verführerischste, was eine Frau tragen kann?

Strümpfe! Außerdem sollte die Kleidung nicht zu freizügig sein. Ich finde es toll, wenn man zum Beispiel nur den Hals sieht, der Hals einer Frau ist unglaublich sexy. Und Frauen in Anzügen sind großartig, wie Janelle Monae.

Hedi Slimane hat ja euer Cover geshootet. Wie war die Zusammenarbeit?

Sehr merkwürdig. Wir fühlten uns so geehrt, dass er uns fotografieren wollte, aber dann kamen wir an und er sagt nur knapp „Hallo“ und sonst kein Wort. Er hat einfach drauf los fotografiert und uns keinerlei Anweisungen gegeben. Danach ging er einfach, ohne was zu sagen. Aber die Fotos sind toll geworden.

Da wir schon von Prominenten sprechen, ihr seid ja mittlerweile ständig von ihnen umgeben. Wart ihr deshalb mal richtig auufgeregt?

Theo: Normalerweise können wir mit dem ganzen Star-Kult überhaupt nichts anfangen. Wir behandeln alle gleich. Aber dann trafen wir in Tokio Jay-Z und ich wusste überhaupt nicht, was ich sagen sollte. Ich war völlig überrascht von mir selbst! Ich habe mich total betrunken, weil ich nicht wusste, was ich sagen sollte. Am nächsten Tag war ich total verkatert und sagte, das will ich nie wieder erleben.
Adam: Für mich war es genau andersherum. Ich habe Jay-Z extra so behandelt, als wäre er ein alter Kumpel. Ich habe ihm blöde Witze erzählt und Karten-Tricks vorgeführt.

Streitet ihr beiden auch mal?

Nie. Wir sind sehr verschieden, aber unsere unterschiedlichen Charaktere beißen sich nicht, sie ergänzen einander. Außerdem haben wir einen total unterschiedlichen Geschmack was Frauen angeht, das ist sehr hilfreich.

Ach, ja? Theo, was ist Adams Typ?

Theo: Adam mag alte Frauen.

Helen Mirren-alt oder Madonna-alt?

Adam: Ich gehe bis 60. Und ich mag billige, englische Frauen.

Aha. Und was mag Theo?

Adam: Theo steht auf Models. Sehr groß, total schön, überhaupt nicht mein Ding.
Theo: Ich mag es, wenn sie aussehen wie Katzen. Und sehr große Frauen.

Frauen auf der ganzen Welt wollen euch live sehen. Wie schleicht man sich am besten bei euch backstage rein?

Trage High Heels. Oder zieh dich an, wie die Mädels in unseren Videos. Dann klappt's!

Apropos Videos. Sie folgen alle der gleichen Bildsprache. Habt ihr da die Hände im Spiel?

Ja, auf jeden Fall. Wir wollen, dass alles aus einem Guss ist und die Musik bestmöglich visuell unterstützt wird. Viele Pop-Künstler geben die Verantwortung einfach ab. Uns sind die Videos enorm wichtig. Es ist ein Blick in unsere kleine Welt.

Eure Videos sind - genau wie eure Songs - immer etwas melancholisch. Wie kommt's?

Ich glaube, die alle Menschen sind öfter unglücklich, als glücklich. Aber das ist nicht schlimm, auch wenn viele sich dafür schämen. Viele amerikanische Pop-Songs fühlen sich an, als würde jemand neben dir sitzen, der dich krampfhaft versucht aufzuheitern. Unsere Songs sagen eher: „Es ist ok, setz dich, willst du was trinken?“ Aber wir wollen auch kein ganzes Album mit sehr traurigen Liedern machen. Unsere Songs machen Hoffnung!

Ihr habt euch innerhalb kürzester Zeit eine enorme Fanbase geschaffen ...

Wir bekommen viele emotionale Fan-Briefe. Wir dürfen nicht zu viel verraten, aber in den Briefen geht es oft um sehr persönliche und schlimme Sachen. Das ist manchmal echt harter Tobak. Wir tragen eine große Verantwortung, aber wir lesen alles.

Wird es euch manchmal zu viel?

Wir lieben es mit Fans zu sprechen, aber manchmal passieren auch sehr merkwürdige Dinge. Eine Frau reiste uns mal hinterher, drückte uns einen Vogelkäfig mit zwei Vögeln in die Hand und verschwand einfach. Wir waren völlig perplex! Wenn man Musik schreibt, denkt man, dass alle, die die Musik mögen, so sind wie du. Aber das stimmt nicht.

Ihr habt mal gesagt, dass ihr von Anfang an berühmt werden wolltet. Ist das Berühmtsein so, wie ihr es euch vorgestellt habt?

Es ist eine sehr, sehr interessante Erfahrung. Wir sind völlig davon fasziniert. Es ist, als lebe man in einem Traum.

Euer erstes Album habt ihr in einem Fensterlosen Keller in Manchester aufgenommen. Wo werdet ihr euer nächstes Album aufnehmen?

Auf Barbados. Am Strand!

Vielen Dank für das Gespräch!