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Hier kommen die Yummies

Von GRAZIA am Samstag, 10. Mai 2014 um 13:10 Uhr

Neue Männer braucht das Land? Zack, hier sind sie: Die Yummies (Young Urban Males) sind extrem chic, perfekt gepflegt und – Überraschung!!! – trotzdem sehr männlich. Kein Wunder, dass sich jetzt alle um sie reißen (lechz!)...

Tja, vermutlich sind wir alt geworden: die Erfindung des Metrosexuellen ist (ja, echt!) schon zwanzig Jahre her. Kein Wunder, dass man in Trendsetterkreisen von einer neuen Spezies Mann spricht: dem Yummy. Der Name setzt sich aus young, urban und male zusammen. Der Yummy duzt sich mit den Douglas-Verkäuferinnen und kennt Namen und Wirkungsweise seiner Augencreme. Er riecht fantastisch und kann in einwandfreiem Modelatein über die letzte Margiela-Show philosophieren. Pharrell Williams, der die Oscarverleihung in Shorts besucht hat (natürlich von Lanvin) oder bei Oprah Winfrey vor Rührung weint, ist der Prototyp des Yummys.

Metro 2.0

Er zeigt Stilbewusstsein und Gefühl. Klingt attraktiv, aber auch ein bisschen nach Metro 2.0. Wir erinnern uns: David Beckham wurde mit blondierten Strähnchen, rasierter Brust und Designer-Sarongs zum Inbegriff des Metrosexuellen. Ein Mann, der nicht nach Schweiß und Zigaretten riecht, sondern nach "Dior Homme" und neuen Sneakers, war damals eine verrückte Idee. Und ziemlich reizvoll. Doch die Typen um uns herum zeigten wenig Bereitschaft, ihre Holzfällerhemden gegen Designerpullis einzutauschen. Der Metromann blieb eine Erfindung von Zeitgeistmedien und... na ja, den Beckhams. Oder fallen Ihnen auch nur zwei weitere Metro-Männer ein?

Yummies sind männlich

Der Yummy dagegen ist süsse Realität. Heutzutage sehen Männer durch die Bank tatsächlich frischer aus, sind besser gekleidet und riechen angenehmer als noch vor fünf Jahren. Nebenbei können viele sogar ein perfektes Dinner zaubern. Das finden nicht nur wir, das bestätigen diverse Statistiken. Role-Models wie Luxusrapper Kanye West beweisen, dass ein Interesse für Esskultur, Fashion und Pflege nicht mit Verweiblichung einhergehen muss. Im Gegenteil. Niemand käme auf die Idee, Kanye, der gerne mal im Givenchy-Lederrock auf der Bühne steht, für unmännlich zu halten. 

Statt sich mit der Handvoll geltender Kleidungsstandards für Gentlemen zufriedenzugeben, tobt der BFF von Designer Riccardo Tisci sich mit unkonventionellen Outfits aus. Ziemlich abenteuerlustig, ziemlich Avantgarde, ziemlich sexy. Und übrigens ganz anders als der David Beckham der 90er-Jahre. Der wirkte eher wie Victorias Anziehpuppe. Oder redete der Fußballer jemals selbst über Unterwäschetausch oder seine Nagellacksammlung? Justin Timberlake gerät dagegen sogar bei Badezusätzen ins Plaudern: „Lavendel entspannt deine Muskeln, und Teebaumöl heilt kleine Verletzungen“, riet er einer Journalistin.

Alle wollen die neuen Yummies

Noch vor fünf oder zehn Jahren rühmten Männer sich, nichts zu brauchen als eine kalte Dusche, heute können wir mit ihnen über Muskelentspannung und das beste Spa der Stadt diskutieren. Seine Männlichkeit lebt der Yummy trotzdem genüsslich aus – bei Trekking-Touren mit den Buddies, der Pflege seines Vollbartes oder beim Fachsimpeln über Mikrobrauereien. Wer jetzt denkt: Den will ich haben, steht nicht allein da. Auch die Beauty- und Fashion-Industrie schwärmt für den neuen Mann. Luxusunternehmen wie Burberry oder Michael Kors wittern ihre Chance und nehmen den kaufkräftigen Yummy ins Visier. Immer mehr Kampagnen richten sich an die Justin Timberlakes, Pharrell Williams’ und Kanye Wests dieser Welt. Aber wieso gibt es plötzlich so viele durchgestylte, lässige Großstadtbeaus?

Lieber Designerkleider, statt Eigentumswohnung? 

Die Antwort ist etwas weniger sexy als die perfekt gedresste Hülle der neuen Männer: Angeblich haben sie auch darum so viel Zeit und Geld für Designerkleider und Beauty-Produkte, weil sie sich immer später binden. Geld, das früher in Familienkutschen, Häuser oder Eigentumswohnungen investiert wurde, wird heute in Outfits und Treatments gesteckt. Keine Beziehung, keine Kinder, keine Verantwortung – aber ein neuer Tom-Ford-Suit. Oje, müssen wir uns den Yummy als ewigen Single vorstellen, der gegen Einsamkeit und Unsicherheit anshoppt? Tja, das würde dann wohl auch erklären, warum Yummies wie Jared Leto oder James Franco sich ständig mit zahllosen Selfies ihrer Attraktivität versichern müssen.

Na gut, okay. Ausnahmsweise: Wir stehen bereit, sie aus der Einsamkeit zu erlösen. Aber danach bitte nicht gehen lassen, Jungs!

Text: Friederike Trudzinski

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