Hot Stories

John Galliano vor Gericht

Von GRAZIA am Donnerstag, 23. Juni 2011 um 10:32 Uhr

Prozess gegen Galliano: In einer siebenstündigen Verhandlung wurde der Rassismus-Äußerungen von John Galliano gestern vor einem Pariser Gericht ausgerollt. Der Modedesigner entschuldigte sich, die Verteidigung forderte Freispruch.

Zum Prozessauftakt erschien John Galliano ganz unexzentisch: In einem schwarzen, bodenlangen Mantel und mit offenen Haaren schritt er in den Verhandlungssaal. Nur sein typischer Galliano-Schnäutzer erinnerte noch an den einstigen Modeschöpfer.

Wegen schwerer Beleidigung von Besuchern eines Pariser Cafes musste er sich am 22. Juni in zwei Fällen verantworten. Eine Klägerin wiederholte vor Gericht die antisemitischen Pöbel-Parolen von Galliano. Jedoch gaben drei von fünf Zeugen an, die antisemitischen Bemerkungen nicht gehört zu haben.

Galliano behaupte, sich nicht an die Vorfälle erinnern zu können, entschuldigte sich aber dennoch für seine verbalen Ausrutscher: "Ich verurteile Rassismus und Antisemitismus. Sie haben keinen Platz in unserer Gesellschaft." Auch als ihm das Video vorgespielt wurde, in dem er sagt, dass er Hitler Liebe, gab er an: "Ich erinnere mich nicht daran. In dem Video sehe ich jemanden, der Hilfe braucht. Das ist ein Schatten von Galliano. Der Mann in dem Video ist nicht John Galliano. Es ist die Hülle von Galliano. Ich hatte nie diese Überzeugungen, ich hatte nie eine solche Meinung."

Wie zu erwarten, machte er seine schwere Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit für seinen Anfall verantwortlich. Seit 2007 greife er regelmäßig zu Medikamenten - unter anderem Valium. Außerdem neige er zu verstärktem Alkoholkonsum. Der Grund: Versagensängste, hoher Stress und der Tod seines Freundes Steven Robinson. "Ich dachte, das Trinken würde mit helfen zu fliehen."

Nachdem seine Pöbel-Parolen an die Öffentlichkeit geraten waren und er seinen Job als Chefdesigner bei Dior verlor und seinen Posten bei seinem eigenen Label "John Galliano" räumen musste, hat er sich in Entzugskliniken in Arizona und der Schweiz behandeln lassen.

In seinem Schlusswort sagte er: "Ich möchte mich beim Gericht und den Opfern dafür entschuldigen, dass mein Verhalten soviel Traurigkeit verursacht hat." Auf sein Urteil muss er noch bis zum 8. September warten. Die Staatsanwaltschaft forderte aber schon jetzt eine Geldstrafe von mindestens 10.000 Euro. Allerdings stehen in Frankreich auf öffentliche rassistische Beleidigungen bis zu sechs Monate Haft und eine Geldstrafe von 22.500 Euro Geldstrafe.

Wie auch immer das Urteil ausfallen wird: Seine härteste Strafe dürfte sein, dass er als Designer sicher für den Rest seines Lebens arbeitslos sein wird …

Sind Sie auch bei Facebook? Dann werden Sie Fan von GRAZIA ...