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Ich bin noch nicht geschieden - Aber schon wieder verlobt

Von Lorena am Mittwoch, 18. Oktober 2017 um 17:02 Uhr

Anita (32) aus Hamburg wollte nach der Trennung von Arne erst mal keinen Mann in ihrem Leben. Doch dann traf sie Lars – und änderte ihre Meinung schneller, als sie es für möglich gehalten hätte…

Im Grunde stand die Ehe von Arne und mir nie unter einem guten Stern. Als wir heirateten, war ich 27 Jahre alt. Wir waren vorher schon einmal getrennt gewesen. Wahrscheinlich hätten wir es damals gleich endgültig bleiben lassen sollen, aber wir versuchten es doch noch einmal miteinander – und bekamen kurz darauf unseren ersten Sohn. Als unser Ältester sechs Monate alt war, fragte mich Arne, ob ich seine Frau werden wolle. Zu dem Zeitpunkt verstanden wir uns sehr gut, und ich freute mich tatsächlich sehr über den Antrag. Auch unsere Hochzeit war ein schönes Fest, aber ich bin ein Scheidungskind und war daher immer vorsichtig: Mein Vater war viermal verheiratet, meine Mutter zweimal.

Ich weiß einfach, dass eine Ehe nicht ewig halten muss. Zwei Jahre später bekamen wir unseren zweiten Sohn. Im Nachhinein betrachtet, waren wir nach dessen Geburt schon kein richtiges Paar mehr. Wir kümmerten uns gemeinsam um die Kinder, das klappte auch hervorragend – doch abends, wenn die Jungs im Bett waren, machte jeder sein eigenes Ding. Wir verhielten uns wie gute Freunde, die zusammen in einer Wohnung lebten.

Als unser jüngster Sohn drei war, beschlossen wir, uns im Guten zu trennen, weil wir uns nicht mehr liebten und auch nicht mehr ignorieren konnten, dass wir einfach nicht zusammenpassten. Arne sprach von Scheidung, aber ich blockte ab. Danach hatte ich erst mal keine Lust auf Beziehung. An dem Abend, an dem ich dann Lars kennenlernte, hatte ich vorher einer Freundin gegenüber beteuert, dass ich eigentlich nie mehr einen Mann in mein Leben oder in meine Familie lassen möchte. Die Freundin überredete mich dann, mit ihr etwas trinken zu gehen, um mich wenigstens mal ein bisschen abzulenken.

Wir landeten in einer Bar. Neben uns am Tisch saßen vier Norweger, mit denen sie sofort ins Gespräch kam. Ich blieb während der ersten Stunde praktisch stumm, ich hatte einfach keine Lust auf Smalltalk. Auch Lars sagte zunächst nicht viel, doch dann sprach er mich an. Ich weiß heute nicht mehr, was genau er sagte, aber einer seiner Freunde behauptet, er habe in dem Moment gemerkt, dass das zwischen Lars und mir Liebe auf den ersten Blick war. Wir zogen mit den Jungs noch um die Häuser, tranken und lachten gemeinsam. Lars gefiel mir immer besser. "Oh Gott, ich bin noch nicht mal geschieden!", sagte ich zu meiner Freundin. Trotzdem küssten Lars und ich uns irgendwann, tauschten Nummern.

Es war aufregend, aber ich dachte danach, dass wir uns nie wiedersehen würden. Das hatte doch alles keine Zukunft! Ich als alleinerziehende Mutter konnte wirklich keine Komplikationen gebrauchen. Schon gar keinen Freund aus Norwegen, der selbst eine kleine Tochter hatte. Dann schrieb ich ihm doch aus einem Impuls heraus eine Nachricht. Er schrieb zurück. An diesem Tag bekam ich etwa 150 Nachrichten von ihm. So ging das eine Woche lang, wir schickten uns zahllose Fotos und erzählten einander, was in unserem Leben passierte.

"Ich wollte das auch und sagte Ja. Dass ich eigentlich noch verheiratet war, verschwieg ich erst mal"

Als Lars anderthalb Wochen später nach Hamburg kam, um mich zu besuchen, konnte ich mir schon nicht mehr vorstellen, wie es ohne ihn gewesen war. Und als wir uns dann sahen, war einfach klar, dass das mit uns so stark ist, dass wir es zumindest ausprobieren wollten. Was ich für ihn empfand, war ganz anders als meine Gefühle für Arne; zwischen uns gab es von Anfang an so etwas wie eine Seelenverwandtschaft, eine große Verbundenheit. Das hatte ich bisher noch mit niemandem erlebt.

Ich hatte immer gesagt, dass ein neuer Mann meine Kinder erst nach sehr genauer Prüfung kennenlernen darf. Lars traf sie bereits nach etwa sechs Wochen zum ersten Mal. Es überraschte mich selbst, wie schnell sie ihn akzeptierten. Obwohl er nicht gut Deutsch sprach, obwohl er fremd war, waren sie sofort begeistert von ihm. Es gab keinerlei Eifersucht, sie wollten sogar auf dem Weg nach Hause seine Hand nehmen und nicht Ich wollte das auch und sagte Ja.

Dass ich eigentlich noch verheiratet war, verschwieg ich erst mal meine. Bis heute ist ihre Zuneigung zu ihm geblieben. Ich spürte, dass ich mit Lars für immer zusammen sein wollte, und dazu gehört für mich eben auch: heiraten. Doch neben den üblichen Hürden einer Fernbeziehung bahnte sich schon damals ein weiteres Problem an; denn ich hatte ja Arnes Wunsch nach einer raschen Scheidung nicht geteilt, im Gegenteil, mir war das amtliche Aus unserer Ehe nie wichtig gewesen. Weil es viel Geld kostet, weil ich dafür unheimlich viele Unterlagen brauchte, hatte ich es bis auf unbestimmte Zeit hinausgezögert.

Beim ersten gemeinsamen Wochenendbesuch mit den Kindern in Norwegen fragte Lars mich, ob ich ihn heiraten wolle – auch wenn wir anfangs eine Fernbeziehung führen würden. Ich sagte aus vollem Herzen Ja – dass ich eigentlich noch verheiratet war, verschwieg ich erst mal. Und schämte mich maßlos.

Als ich wieder zu Hause war, rief ich Arne an. Er war zunächst überrascht, dass ich so schnell (wie er fand) einen neuen Mann kennengelernt hatte, den ich auch noch heiraten wollte. Und plötzlich schien es ihm mit der Scheidung gar nicht mehr so dringlich zu sein. Es kam mir so vor, als ob er eifersüchtig war. "Du kannst ja wohl noch warten, wenn es dir so wichtig mit diesem neuen Typen ist!", fauchte er. Auch wenn mich sein Verhalten sehr kränkte, sah ich ein, dass ich mit Druck nicht weiterkommen würde. Stattdessen erklärte ich, dass ich mich im umgekehrten Fall für ihn freuen und ihn sofort gehen lassen würde.

Danach beichtete ich Lars die Wahrheit über meinen Familienstand. Er war erst schockiert, hielt aber zum Glück weiter zu mir. Doch obwohl Arne nach Wochen mit viel Streit und Wut nachgab und schließlich in die Scheidung einwilligte, fühlte ich mich heimlich immer noch wie eine Betrügerin, als hätte ich weiterhin moralische Verpflichtungen meinem offiziell Angetrauten gegenüber. Aber die Liebe zu Lars ist stärker. Im Sommer wollen wir nun heiraten. Und auch wenn das mit der Distanz sicher nicht immer einfach sein wird: Diesmal bin ich absolut sicher, dass es das letzte Mal ist.

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