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Ich habe die Pille abgesetzt und "vergessen", es meinem Freund zu sagen

Von Lorena am Mittwoch, 25. Oktober 2017 um 13:53 Uhr

"Kinderwunsch? Nee!" Das ändert sich, als Julia (35) ihre große Liebe Leif trifft. Doch der ist bereits zweifacher Vater und will keinen Nachwuchs mehr. Sie beschließt, es fortan mit der Verhütung nicht mehr so genau zu nehmen. Ist das fair? Julia hat da ihre eigenen Ansichten.

"Willst du eigentlich mal Kinder haben?" Es gibt wohl keine Frau um die dreißig, der diese Frage noch nicht gestellt worden ist. Von anderen – und auch von sich selbst. Und jede Frau hat auf diese Frage früher oder später auch eine Antwort. Ich geb’s zu, bei mir kam die Erleuchtung in dieser Hinsicht eher später. Also ziemlich spät. Mit 35 Jahren. Ich hatte halt immer Pech mit Männern. Zwischen 20 und 34 war keiner dabei, der als Fortpflanzungskandidat qualifiziert gewesen wäre; die Typen an meiner Seite waren bestenfalls Lebensabschnittsgefährten. Wobei ich mir einige Abschnitte auch hätte sparen können, aber das weiß man ja immer erst hinterher.

Was ich jedoch immer schon wusste: Ich muss mit einem Mann nicht unbedingt ein Kind haben. Aber zum Kind hätte ich schon ganz gerne einen Mann und zwar einen, der länger an meiner Seite ist als nur einen Lebensabschnitt lang. Dass ich den tatsächlich gefunden habe, ist reines Glück, glaube ich. Ich habe jedenfalls nicht ernsthaft damit gerechnet, nach all den Liebesdesastern der letzten Jahre. Aber schon kurz nach unserem Kennenlernen war ich mir sicher: Leif ist der Mann, mit dem ich mein Leben verbringen will. Der Name stammt übrigens aus dem Altnordischen und bedeutet "Nachkomme". Na, wenn das kein Zeichen ist, dachte ich immer!

Ich bin allerdings nicht die erste Frau, die diesen Kerl als idealen Vater ihrer Nachkommen auserkoren hat: Leif war schon mal verheiratet. Und mit dieser Frau hat er zwei Kinder: Seine Tochter ist acht, der Sohn ist fünf Jahre alt, sie leben seit der Scheidung wochenweise bei der Mutter und bei ihm. Er hat mir schon bei unserem ersten Date von Tim und Ella erzählt, mit leuchtenden Augen. Ich war gerührt. Meine beste Freundin war das eher nicht: "Ein geschiedener Mann mit zwei Kindern? Dein Ernst? Der ist sicher durch mit der Familienplanung. Und du? Willst du die Ersatzmutti spielen?"

Warum habe ich nicht gesagt, dass ich gerne ein Kind hätte? Aus Angst?

Was weiß ich denn! Ich wusste nur, dass ich grenzenlos verliebt war. Alles andere würde sich im Laufe der Zeit schon ergeben. Ich war mir ja am Anfang gar nicht sicher, ob ich überhaupt Nachwuchs wollte. Mit Tim und Ella habe ich mich von Anfang an verstanden. Und obwohl ich nie eine Frau war, die in prä-mütterliche Verzückung gerät, wenn sie kleinen Menschen begegnet, haben die beiden etwas in mir ausgelöst: der liebevolle Übermut etwa, mit dem Ella die Arme um ihren Papa schlang, die Begeisterung, mit der Tim von seinem Lego-Bagger erzählte – das rührte mich plötzlich fast zu Tränen. Und Leif war als Papa wahnsinnig sexy. Herrje! Klarer Fall: Ich wollte! Ein Baby! Von diesem Mann! Und jetzt?

"Willst du eigentlich Kinder?" Leif hat mir diese Frage gestellt, als wir uns ein paar Wochen kannten. "Äh, ich nehme die Pille." Eine Antwort, die ja im Grunde überhaupt keine Antwort ist. "Und du?" Kinder wären das Tollste auf der Welt, hat er gesagt. "Aber für die nächste Zeit bin ich in der Hinsicht ausgelastet ..." Na, mal ehrlich, das ist auch keine konkrete Ansage, oder? Ich habe ja nie an die so- genannte biologische Uhr geglaubt – also bei mir hat jedenfalls nie was getickt.

Aber in den letzten Monaten hatte ich ehrlich gesagt öfter mal das Bedürfnis, mir die Ohren zuzuhalten. Ticktack, ticktack. Verdammt, mir kamen einfach immer häufiger diese sentimentalen, sehnsüchtigen Gedanken: Wäre es nicht schön, wenn wir auch ein Kind hätten? Leif hat meine Mamagefühle geweckt. Weil er der tollste Mann ist, dem ich je begegnet bin. Der Mann fürs Kind.

Ich kann mich gut an Zeiten erinnern, in denen mir panisch einfiel, dass ich schon wieder die Pille vergessen hatte. Ich weiß nicht genau, wie oft ich mit einem billigen Schwangerschaftstest aus der Drogerie in den zittrigen Fingern im Bad hockte und angstvoll darauf wartete, dass dieser verdammte Streifen sich verfärben würde. Aber es war oft. Und jedes Mal war ich unglaublich erleichtert, als ich ihn danach in den Müll werfen konnte. Glück gehabt. Nicht schwanger.

Nicht schwanger? Warum eigentlich nicht? Als vor zwei Monaten meine Pillenpackung leer war, habe ich vergessen, mir ein neues Rezept zu besorgen. Ehrlich, ich hatte Stress im Job, ich habe es wirklich vergessen. Und, ja, ich habe es Leif auch gesagt. Ich gebe zu, insgeheim habe ich gehofft, dass er sich danach umgehend mit den Worten "Lass uns ein Baby machen!" auf mich stürzen würde. Was er natürlich nicht tat. Seine Antwort war: "Dann müssen wir ja jetzt aufpassen. Sonst gibt es noch eine Überraschung, die wir nicht wollen." Ich weiß, das wäre der Moment gewesen, um ihm zu sagen, dass ich mir genau so eine Überraschung von Herzen wünsche. Ich hätte ihm sagen müssen, dass er der Mann ist, der meinen schlummernden Wunsch nach Fortpflanzung geweckt hat. Ich hätte ihm sagen müssen, dass ich gerne ein Kind mit ihm hätte. Ich habe es nicht getan. Aus Angst? Ja, wahrscheinlich schon.

Wir kannten uns erst seit sieben Monaten. Ich hatte Angst, ihn zu überfordern. Ich hatte Angst, dass er sich unter Druck gesetzt fühlen könnte. Dass er sich distanzieren würde. Ich hatte Angst, dass mein Kinderwunsch meine Beziehung ruinieren könnte, die erste wirklich glückliche Beziehung meines Lebens. Also habe ich geschwiegen. Und bin trotzdem nicht zum Frauenarzt gegangen, um mir ein neues Rezept zu besorgen. Man soll die Pille ja in meinem Alter eh nicht mehr nehmen, allein schon aus gesundheitlichen Gründen. Die Hormone und so. Tolle Ausrede, oder? Leif hat mich nicht gefragt, ob ich die Pille wieder nehme. Warum auch, er vertraut mir ja. Genau darum liebe ich ihn ja auch so. Und das mit dem "Aufpassen" beim Sex war in den letzten Wochen auch nicht mehr nötig.

Und jetzt ist es passiert. Ich bin einerseits glücklich, aber auch verzweifelt. Weil ich schwanger bin! Das weiß ich seit ein paar Tagen, seit ich mit zitternden Händen im Bad saß und auf die Verfärbung des Drogerie-Schwangerschaftstests gewartet habe. Er war positiv. Leif ist der tollste Mann der Welt. Und er ist ein großartiger Vater. Er wird sich freuen, da bin ich mir ganz sicher. Mein schlechtes Gewissen muss ich dann auch nicht mehr haben, hoffe ich. Morgen ist er von seiner Dienstreise zurück. Auch wenn ich vor dem Moment eine Scheißangst habe: Ich werde es ihm bald sagen: Wir bekommen gemeinsam ein Kind.

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