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"Ich wurde gefeuert, und es war das Beste, was mir je passiert ist"

Von GRAZIA am Mittwoch, 20. Dezember 2017 um 17:04 Uhr

Der Schock war groß, als Maria Hatzistefanis plötzlich auf der Straße stand. Sie hatte Schulden und keine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Doch die bittere Erfahrung wurde zum Durchbruch. Heute ist Maria Präsidentin ihrer eigenen erfolgreichen Beauty-Firma.

"Vogue"-Ikone Anna Wintour hat mal gesagt: "Jeder sollte in seinem Leben einmal gefeuert werden. Es zwingt einen, auf sein Innerstes zu hören." Für mich hat es sich damals zwar überhaupt nicht so angefühlt, aber rückblickend muss ich für die Erfahrung dankbar sein. Weil ich dadurch eine der wichtigsten Lektionen des Lebens lernte: Bittere Rückschlage auszuhalten. Denn die gehören nun mal dazu; das Leben ist nicht perfekt.

Noch vor ein paar Jahren hätte ich nicht einmal davon zu träumen gewagt, ein eigenes Beauty-Label zu gründen. Zwar hatte ich schon länger beobachtet, dass immer mehr junge Frauen in diesem Bereich mit Start-ups erfolgreich waren – und in New York mittlerweile sogar heißer gehandelt werden als junge Modedesigner. Doch Ende der 1990er hatte ich zunächst einen völlig anderen Karriereweg eingeschlagen. Ich stamme von einer kleinen griechischen Insel, habe in Athen studiert und bin danach nach New York gegangen, um an der Columbia Business School meinen Master zu machen. Während des Studiums ging es nur um Banken und Finanzwesen, am Ende waren wir alle so gebrainwasht, dass wir ganz selbstverständlich davon ausgingen, an der Wall Street einen Job zu bekommen. Mit sechsstelligem Jahresgehalt und fettem Bonus. Ich hatte natürlich überhaupt keine Ahnung, wie diese Jobs eigentlich genau aussehen, aber ich musste mein Studiendarlehen zurückzahlen, und der Lebensstil, von dem meine Kommilitonen erzählten, klang sehr verlockend. Vor allem für jemanden wie mich, der in recht einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist. Ich zog also los mit meinem Lebenslauf – und wurde natürlich prompt von jeder Bank, bei der ich mich bewarb, abgelehnt. Aber wenn ich etwas wirklich will, gebe ich nicht so schnell auf.

Und tatsächlich. Ich bekam schließlich einen Job in der Londoner Dependance eines großen Bankhauses. Ich verstehe ehrlich gesagt bis heute nicht, warum sie mich damals nahmen. Aber im Studium hatten sie uns so mit Selbstvertrauen vollgepumpt, dass ich offenbar wahnsinnig überzeugend wirkte, obwohl das Bankgeschäft kein Herzensjob für mich war.

Es dauerte nicht lange, bis ich in der Realität ankam. Das Büro in London war voller Männer in Maßanzügen, es gab nur wenige Frauen, und das Ganze fühlte sich an wie ein Haifischbecken. Ich wurde fair behandelt, aber von vornherein war klar, dass hier jeder Einzelne darum kämpfte, durch ganz viel Extraeinsatz aufzufallen. Es war ein nie endender Wettbewerb – wer kam mit dem wenigsten Schlaf aus, wer machte die meisten Nachtschichten, wer hatte am längsten keinen Urlaub mehr genommen. All das schien die Leute irre stolz zu machen. Auch ich arbeitete jedes Wochenende durch und musste meinen Weihnachtsurlaub einen Tag vorher absagen. Ich hatte keine Freizeit und keine Freunde.

Trotzdem gefiel es mir anfangs, ich war Teil eines Teams, und es war aufregend, an großen Deals zu arbeiten. Ich kaufte mir Prada-Kostüme, Hermès-Tücher und wunderschöne Handtaschen. Ich reiste First Class und kannte alle Toprestaurants der Stadt. Doch dann wurde ich, wie jeder in den ersten Jahren, in eine neue Abteilung versetzt. Ich hatte dort mit Versicherungen zu tun. Und ich hasste es vom ersten Tag an. Trotzdem hielt ich zwei Jahre durch, bis ich mich immer öfter fragte, ob die Kostüme und First-Class-Flüge es wert waren, dafür so unglücklich zu sein. Ich mochte weder meinen Job noch mein Leben und fühlte mich unendlich einsam. Aber ich konnte nicht kündigen, nach all der Arbeit und dem Geld fürs Studium, das ich investiert hatte. Ein paar Monate später wurde ich ins Chefbüro zitiert. Es ging um meine Entlassung. Das Unternehmen hätte Sparauflagen, sagte man mir, und weil ich am wenigsten leisten würde, sei ich diejenige, die gehen müsse. Ich war schockiert, aber nicht wirklich überrascht. Ich hatte das Gefühl, versagt zu haben. Und zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich keinen Plan. Ich bekam Panik und fühlte mich grauenhaft. Wie sollte es weitergehen?

Nach ein paar Wochen passierte etwas Seltsames. Ich begann zu akzeptieren, dass ich im falschen Job gelandet war, und überlegte: Könnte es sein, dass sie mir sogar einen Gefallen getan haben? Müssen einem die Dinge vielleicht manchmal aus der Hand genommen werden?

Ich gönnte mir drei freie Monate, lebte von meinen Ersparnissen und versuchte, neue Dinge zu erleben, mit neuem Blick durch die Welt zu gehen, jeden Tag jemanden zu treffen, der mich inspirierte. Ich pflegte wieder Freundschaften. Mir wurde klar, dass es bei einem Job, der mich erfüllte, nicht nur um Geld gehen durfte. Ich nahm mir Zeit, mich zu sortieren, und der Raum, der plötzlich da war, füllte sich mit Ideen und Plänen für meine Beauty-Firma Rodial. Gefeuert zu werden hat mir gezeigt, was ich wirklich vom Leben will.

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