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Mein Freund hat sich in meine Zwillingsschwester verliebt!

Von GRAZIA am Freitag, 15. Dezember 2017 um 16:33 Uhr

Wenn sich der Partner in eine andere verknallt, ist es schon schlimm genug – bei Linnea (29) war es noch viel schrecklicher. Ihr Traummann blieb mit seinen Gefühlen in der Familie ...

Steffens Augen strahlten verdächtig, wenn er meine Schwester Laura ansah. Und auch sie wirkte definitiv hingerissener als es einer freundlich interessierten "Schwägerin" zukam. Steffen und ich waren noch nicht sehr lange zusammen – und ich merkte schnell, dass es da irgendeine Chemie zwischen meinem Traummann und meiner Zwillingsschwester gab. Doch anfangs hielt ich die Gefühle der beiden nur für große Sympathie oder höchstens eine kleine unschuldige Schwärmerei – wie man sich doch irren kann!

Steffen und ich haben uns an der Uni getroffen, präziser: im Uni-Café, wo wir uns beide regelmäßig vorbereiteten. Er kam immer zur gleichen Zeit zum Lernen oder Lesen und bestellte ganz oldschool einen Filterkaffee – genau wie ich. Nur, dass ich meinen mit Vanillesirup trank und er seinen mit Sahne. Er gefiel mir auf den ersten Blick. Aber ich bin eher der zurückhaltende Typ; wochenlang habe ich ihn einfach nur beobachtet. Statt selbst produktiv zu arbeiten, starrte ich ihn verstohlen an, während er in seinem Laptop versank und dabei unglaublich gut aussah. Ich verfolgte atemlos, wie er völlig in Gedanken vertieft aus dem Fester schaute. Ich konnte sein Gehirn dabei förmlich rattern hören. Manchmal fiel ihm dabei eine Strähne seines dunklen Haars ins Gesicht. Ich war mittlerweile so verknallt in ihn, dass ich meinen Kaffee ebenfalls mit Sahne bestellte.

Ich musste mit jemandem über meine Verliebtheit sprechen. Die erste Wahl war meine Zwillingsschwester Laura. Sie ist gesellig, eine geborene Flirterin und für mich der beste Mensch der Welt. Laura wusste immer Rat, egal, ob es ums Studium ging, um verlorene Schlüssel oder um Typen, die heimlich auf einen standen. Sie überschüttete mich mit Tipps, wie ich mich meinem Schwarm annähern könnte: "Setz dich neben seinen Stammplatz. Lass was fallen. Zur Not: Klau ihm den Kaffee!"

Ich habe seinen Kaffee geklaut. Als wir das Missgeschick klären konnten, habe ich eine Comicversion von ihm auf seinen Becher gemalt, um so eine Verwechslung künftig zu verhindern. Der Trick funktionierte – wir kamen ins Gespräch. Er studierte Filmwissenschaft. Ich war hin und weg. Dieser künstlerische, verträumte Mann war fast schon zu perfekt, um wahr zu sein! Und zu allem Überfluss hatte Steffen auch noch so ein leichtes Lispeln, das ihn irgendwie exzentrisch, fast schon exotisch wirken ließ. Auch er schien sich zu mir hingezogen zu fühlen, und wir fingen an zu daten. Wie es aussah, gab es viele gemeinsame Interessen. Steffen gefielen meine kreativen Kritzeleien. Ich teilte seine Leidenschaft für Filme. Wir führten tiefschürfende philosophische Gespräche, wir gingen ins Kino, und er wusste, wie ich meinen Kaffee mochte. Natürlich war auch Laura ein Thema. Ich unterhielt ihn mit peinlichen Anekdoten aus unserer Kindheit und erzählte, wie vertraut wir Schwestern miteinander waren.

Laura und ich sind eineiige Zwillinge. Wir sehen exakt gleich aus, und früher mussten wir sogar die gleichen Klamotten tragen. Wir liefen Händchen haltend durch die Gegend, teilten Puppen miteinander und lebten in denselben imaginären Welten. Aber es gibt auch Unterschiede. Laura steht auf Popmusik, ich auf Gitarren. Laura war extrovertiert, ich still.

Als ich Steffen das erste Mal zum Essen mitbrachte, waren mein Eltern sofort angetan. Von da an kam er immer öfter am Wochenende mit zu mir, und ich war wahnsinnig glücklich, wie gut sich alle verstanden – bis mir auffiel, dass nicht nur Laura allzu herzlich über Steffens Witze lachte, sondern er sie ebenfalls ein bisschen länger anschaute, als mir lieb war. Plötzlich registrierte ich auch, wie häufig er fragte, ob wir nicht etwas zu dritt unternehmen könnten – und wie hartnäckig er mich, wenn wir allein waren, über sie ausquetschte.

Ich glaube, ich ahnte es schon, bevor er selbst – oder Laura – es sich eingestehen konnten. Ich konnte meine Schwester natürlich nicht hassen, aber ich musste wissen, wie es um ihre Gefühle bestellt war. Also sprach ich sie darauf an, und sie weinte stundenlang. Sie beteuerte, wie leid es ihr tue und dass sie versuche, auf Abstand zu gehen. Es tat verdammt weh, aber wirklich böse sein konnte ich ihr nicht. Es war ja nicht so, dass sie sich in meine Liebe hineingedrängt hatte. Sie hat nie versucht, mir Steffen auszuspannen. Die beiden hatten einfach sofort diese besondere, intensive Verbindung, die ich mit ihm nie hatte, das muss ich fairerweise zugeben. Trotzdem, ein quälender Stich blieb: Wir waren schließlich Zwillinge, wir sahen gleich aus – was war es, das Laura hatte und ich nicht?

Irgendwann war die Situation für mich unerträglich, obwohl zwischen den beiden nie etwas Körperliches passierte. Aber sie wollten es, das spürte ich. Meine Gedanken kreisten ständig um dieses Dilemma. Alles fühlte sich so falsch an. Als Steffen über Ostern bei meiner Familie war, hatte ich genug und machte Schluss – mit der Begründung, dass ich um seine Gefühle für Laura wisse und das nicht länger mitmachen könne. Steffen ging. Laura reagierte komisch, als ich es ihr erzählte. Ich glaube, sie dachte, ich mache sie für die Trennung verantwortlich. Nach einigen Wochen rief Steffen sie an – sie traf sich mit ihm. Aber Laura stürzte sich nicht Hals über Kopf in eine Beziehung zu meinem Ex-Freund. Sie brauchte Monate, um zu akzeptieren, dass es wirklich okay für mich war – und das war es mittlerweile. Steffen und ich, das sollte wohl nicht sein.

Das Ganze ist jetzt schon vier Jahre her, und mein damaliger Schwarm ist jetzt mein Schwager. Laura und Steffen haben im Mai geheiratet. Eigentlich absurd, denn Laura war die, die niemals heiraten wollte, während ich von einer Hochzeit ganz in Weiß träumte.

Meinen Mr. Right habe ich noch nicht gefunden, aber immerhin bin ich glücklich, dass meine Schwester durch mich zu ihrem gekommen ist.

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