Fashion

Interview mit Roberta Benteler: Von der Wallstreet in die Modewelt

Von Martyna am Mittwoch, 11. Mai 2016 um 15:05 Uhr

Es gibt viele Quereinsteiger in der Fashion-Branche, doch die (Erfolgs-)Geschichte von Roberta Benteler ist recht außergewöhnlich ...  

Roberta Benteler lässig in Bikerjacke  In Action während der Fashion-Week Auch privat immer stylisch unterwegs. Roberta in Samt-Pants 

Roberta Benteler war gerade mal 26 Jahre jung und hatte soeben ihren Job als Investmentbankerin hingeworfen, als sie ihren Onlinestore Avenue 32 gründet. Das ist fünf Jahre her, aber heute zählt die Ostwestfälin zu einer der einflussreichsten Strippenziehern im internationalen Fashion-Business – und sie ist eine der meistfotografierten Frauen während der Modewochen. Auch als GRAZIA sie in Paris trifft, hechten Street-Style-Fotografen hinter ihr her.

Vor einigen Jahren war Ihr Arbeitsplatz noch an der Wall Street. Wieso haben Sie die Branche gewechselt?

Mein Traum war schon immer ein Job in der Mode- Branche, aber mein Vater riet mir zu etwas Vernünftigem. Also habe ich erst BWL studiert und an der Webster Graduate School in London einen Master in Finanzen gemacht. Dann ging ich als Investmentbankerin nach New York. Ich habe den Job gehasst. (lacht) Kein Raum für Kreativität, und ich musste jeden Tag diese spießigen Nadelstreifenanzüge tragen. Zum Glück kam 2008 die Finanzkrise – und die Idee für mein eigenes Unternehmen. Wie konnten Sie Ihren Vater von der Geschäftsidee überzeugen? Ich habe einen Businessplan geschrieben – das Wirtschaftsstudium hat sich doch noch bezahlt gemacht. Meine Eltern waren begeistert und haben mich finanziell unterstützt. Das Konzept von Avenue 32 lautet, jungen Designern eine Platt- form zu bieten und ihre Kreationen neben etablier- ten Luxus-Brands zu kuratieren.

Welche Newcomer sollten wir uns denn merken?

Galvan bietet moderne Evening-Wear zu fairen Preisen, die skulpturalen Teile von Roksanda erinnern an Couture, und unsere Bestseller sind die bunten Bikinis von Kiini.

Wo entdecken Sie neue Modetalente?

Natürlich machen wir während der Fashion-Weeks viele Termine, aber meine größte Inspirationsquelle ist Instagram. Social-Media-Kanäle sind auch ein tolles Verkaufs-Tool.

Was sind die Schattenseiten der Selbstständigkeit?

Die gibt es nicht, dafür aber etliche Herausforderungen. Kurz vor dem Launch unserer Seite sind uns wichtige Marken abgesprungen. Wir mussten den Start verschieben, und ich bin schier durchgedreht. Aber man wächst daran, und ich mache jedem Mut, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Das Wichtigste ist, auch mal abzuschalten.

Wie gelingt Ihnen das?

Jeden Abend um zehn stelle ich mein Handy in den Flugmodus, und ich mache lange Spaziergänge – raus aus den Designerteilen und rein in die Funktionskleidung.  

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