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5 Gründe, warum weniger Spielzeug besser ist!

Von Martyna am Donnerstag, 30. März 2017 um 11:33 Uhr

Bei einem Kindergeburtstag fällt es besonders auf: Das Kind sitzt inmitten der Geschenke und weiß sich kaum zu retten. Einerseits ist die Freude groß, andererseits leidet der Nachwuchs eindeutig unter Reizüberflutung. Oft steigt die Laune, wenn mandie Menge an Spielzeug reduziert.

Kinderspielzeug muss nicht kompliziert sein

Die Spielzeugindustrie scheint immer aufwändigere Dinge zu konstruieren, um den Nerv der Kinder von heute zu treffen. Schon für die Kleinsten gibt es Mini-Notebooks und Spielsachen, die alle möglichen Funktionen haben. Tatsächlich scheint so ein vorgefertigtes Spielzeug jedoch eher eine ungünstige Entwicklung zu sein. Nicht nur die kleineren Kinder schrecken manchmal vor den allzu grellen Farbeffekten und den großen Landschaften zurück. Darum schalten inzwischen immer mehr Eltern einen Gang zurück und ziehen die "Spielzeugbremse".

Einige Spielsachen scheinen die Kinder zu überfordern, während andere den Spielverlauf zu stark vordefinieren. Das schränkt die Entscheidungsfreiheit der Kinder ein und sorgt bald für Langeweile. Nicht umsonst ist das Bild vom kleinen Jungen, der mit dem Geschenkkarton spielt und nicht mit dem eigentlichen Spielzeug, so treffend.

Was tun, wenn sich die Kinder Spielsachen wünschen?

Natürlich möchten Kinder mit ihren Freunden mithalten und auch die neue Barbie-Puppe oder einen Lego-Baukasten besitzen. Schon die Kleineren geben gerne an und lassen sich für dieaktuellen Spiele begeistern. Den Eltern fällt es nicht leicht, ihrem Nachwuchs solche Wünsche abzuschlagen. Schließlich möchten sie die Kinder ein bisschen verwöhnen. Außerdem macht es einfach Spaß, den Nachwuchs zu beobachten, wie er die Lieblingspuppen behandelt oder sich ganz auf ein Rennen mit den Spielzeugautos konzentriert.

Trotzdem ist es besser, das Kinderzimmer nicht zu vollzustopfen. Die Stimulationen, die von den modernen Spielsachen ausgehen, sind oft zu stark. Anstatt die Kreativität anzuregen, geschieht oft das Gegenteil: Die Kinder langweilen sich und möchten trotzdem nicht auf das viele Spielzeug verzichten. Sie sind es gewohnt, zwischen den zahlreichen, bunten Dingen zu leben.

Manchmal hilft eine Art Test oder eine Vereinbarung: Wenn das Kind eine besondere Leistung erbracht hat, darf es sich ein kleines Spielzeug aussuchen, oder wenn es jetzt das gewünschte Spiel erhält, dann fällt dafür ein anderer Wunsch aus. Hier ist es wichtig, konsequent zu bleiben, denn sonst wird das Kinderzimmer mit jedem Feiertag voller.

Verständige Kinder begreifen ein Nein, wenn die Eltern diese Antwort erklären. Nicht genug Platz im Regal könnte eine Ursache dafür sein. So hat das Kind die Möglichkeit, entweder auf den neuen Wunsch zu verzichten oder ein altes Spielzeug wegzugeben. Oft werden die Spielsachen weggeräumt oder weitergegeben, wenn der Nachwuchs erkennt, dass er aus dem Alter herausgewachsen ist.

Die fünf Hauptgründe für weniger Spielzeug


Kristin Gründler – Fotolia.com (#135789749)

Warum sollen die Spielsachen überhaupt reduziert werden? Das ist relativ schnell erklärt:

1. Weniger Besitz regt die eigene Kreativität an,

2. die Kinder spielen mit ihren Freunden – oft ganz ohne Spielsachen,

3. der natürliche Zusammenhalt wird gefördert,

4. die Aufmerksamkeitsspanne verlängert sich,

5. das Kinderzimmer lässt sich leichter aufräumen.

Es ist tatsächlich so: Wenn die Kinder weniger Spielzeug haben, suchen sie sich andere Unterhaltung. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Spiele, die kein hohes Maß an Kreativität verlangen, wirken der Ausprägung von Fantasie und Vorstellungsvermögen entgegen. Kinder jedoch, denen weniger Spielzeug vorgegeben wird, gehen eher nach draußen und erkunden den Spielplatz, anstatt mit dem Mini-Computer oder anderen Sachen drinnen zu sitzen. Sie sollten nicht das Gefühl haben, mit ihrem Spielzeug spielen zu müssen – denn manchmal scheint ihnen das fast eingeredet zu werden.

Stattdessen überlegen sich die fantasievollen Kinder lieber selbst, was sie am Nachmittag machen. So entstehen beispielsweise bunte Bilder oder erstaunliche Bastelwerke. Manchmal erzählen sie auch einfach abenteuerliche Geschichten, wobei natürlich gerne die Puppen und ein paar andere Spielsachen zum Einsatz kommen. Hier funktioniert das Spielzeug jedoch eher als Statthalter und kann notfalls durch Bausteine oder sogar Stöckchen ersetzt werden.

Das soziale Verhalten hängt ebenfalls davon ab, welches Spielzeug zur Verfügung steht. Sowohl beim Umgang mit Gleichaltrigen als auch in der Familie scheinen Kinder, die nicht so viel Ablenkung durch modernes Spielzeug haben, etwas ruhiger zu sein. Sie reagieren gelassener, wenn etwas nicht nach ihrer Nase geht, und können sich problemlos eine Weile mit sich selbst beschäftigen.

Durch die verlängerte Aufmerksamkeitsspanne fällt den Kindern außerdem das Lernen leichter. Sie haben keine Probleme damit, ihre Hausaufgaben in einem relativ kurzen Zeitraum zu schaffen, wenn der Fernseher abgeschaltet bleibt und das Spielzeug für eine Weile tabu ist. Sie können ganz ruhig in der Ecke sitzen und lesen oder Musik hören, wenn sie nicht ständig gestört werden, womöglich auch noch mit Sprüchen wie:

"Du hast doch so einen tollen Roboter von der Tante bekommen, warum spielst du nicht mal damit?"

Die bessere Konzentrationsfähigkeit zeigt sich außerdem beim Essen mit der Familie. Das funktioniert besonders gut, wenn sich auch die Eltern Zeit dafür nehmen und alle zusammen am Tisch sitzen. Im modernen Alltag ist das keine Selbstverständlichkeit. Ohne Stress und auch ohne den Wunsch, möglichst schnell wieder aufzustehen, um weiterzuspielen, hat der Nachwuchs die nötige Ruhe, um die gemeinsame Mahlzeit zu genießen.

Der letzte Punkt, die Ordnung im Kinderzimmer, ist ebenfalls kein nebensächlicher Vorteil. Davon profitieren nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern. Wenn alles in den Kisten und Regalen verstaut ist, sieht das Zimmer ordentlich aus und ist bereit für die nächste Spielaktion: Dafür muss nicht alles auf dem Boden verteilt werden, denn diejenigen Kinder, die nicht so viel Spielzeug haben, wissen oft genau, was sie wollen.

Der Überfluss und seine schädliche Wirkung

In jedem Alter kann zu viel Besitz eine negative Wirkung haben. Bei Kindern fällt es allerdings besonders stark auf. Diejenigen, die eher wenige Spielsachen besitzen, gehen oft sorgfältiger damit um und wissen sie auch zu schätzen. Das wäre nicht der Fall, wenn sie gleich ein neues Spielzeug bekommen, sobald das alte kaputt ist. Ob es sich um Kuscheltiere handelt oder um elektronische Gegenstände, ist dabei nicht entscheidend.

Viele Eltern sind anscheinend der Meinung, ihrem Nachwuchs alles kaufen zu müssen.

Sie möchten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass sie zu geizig sind. Bei dem Überfluss von Spielzeug geht es deshalb auch um die Geldverschwendung und um die Ungleichheit. Außerdem ist es sehr interessant zu beobachten, wie sorgsam einige Kinder ihr Lieblingsspielzeug behandeln.

Wenn es ans Aussortieren geht, zeigt sich der Nachwuchs manchmal störrisch, doch viele Kinder verstehen genau, dass sie durch ihre eigene Entwicklung nichts mehr mit den alten Sachen anfangen können. Auf diese Weise lernen sie auch das Geben und freuen sich darüber, wenn das nicht mehr gebrauchte Spielzeug bei anderen Kindern landet.

Bei der Frage, wie viel Spielsachen es sein müssen, steht natürlich auch das Thema von überflüssigem und pädagogisch wertvollem Spielzeug auf dem Plan. Oft sind es gerade die simplen Dinge, mit denen sich der Nachwuchs stundenlang beschäftigen kann. Offensichtlich fördern diese die Fantasie eher als die Sprechpuppen und Computer.

Sinnvolles und ungeeignetes Spielzeug

Daniel Berkmann – Fotolia.com (#114069543)

Damit auch Kleinkinder fröhlich spielen können, sollte man auf die gesundheitlichen Aspekte achten. Diese beziehen sich auf die Materialien, die bei der Herstellung des Spielzeugs verwendet wurden. Aus diesem Grund sind vor allem Naturrohstoffe wie Holz sehr beliebt. Teilweise achten die Experten sogar auf besondere Details wie abgerundete Kanten, um die Unfallgefahr möglichst klein zu halten. 

Nicht immer ist es einfach, den Tipps der anderen Eltern und den Träumen des Kindes zu widerstehen. Aber die Standhaftigkeit lohnt sich: Auch die Kinder werden bald feststellen, dass sie sich ein besonderes Spielzeug sozusagen "verdient" haben und welche Sachen eigentlich gar nicht so toll sind, wie die anderen sagen. Mit ein paar Grundregeln wird die Erziehung vielleicht nicht zum Kinderspiel, aber doch zu einem gemeinsam aufgebauten System. Ein paar "Ausreißer" darf es immer mal geben, sowohl beim Spielzeugkauf als auch im alltäglichen Leben.

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