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Berühmt werden wie die Kardashians

Von GRAZIA am Dienstag, 7. Juli 2020 um 14:36 Uhr

Erfolgsautor Rainer Zitelmann enthüllt, wie Stars den Weg zum Ruhm geschafft haben.

Madonna, Prinzessin Diana oder Kim Kardashian kennen Milliarden von Menschen. Doch dass sie berühmt geworden sind, passierte nicht zufällig oder wegen überragender Leistungen – sondern weil sie gezielt an ihrem Aufstieg gearbeitet haben. Welche Instrumente und Techniken sie dabei angewandt haben, das beschreibt Erfolgsautor Rainer Zitelmann in seinem neuesten Buch "Die Kunst, berühmt zu werden." Hierzu hat er in Minibiografien die Erfolgsrezepte von zwölf Berühmtheiten analysiert – von Albert Einstein, über Donald Trump bis Oprah Winfrey.

Es scheint vielen folgerichtig, dass jemand wie Madonna irgendwann im Rampenlicht stand. Doch ihre nur durchschnittlichen künstlerischen Leistungen waren und sind dabei kein Faktor gewesen. Vielmehr hat ihr hartes PR-Arbeit den Ruhm verschafft und das "Gesamtpaket". "Die zwölf Genies der Selbstvermarktung wussten alle, wie sie sich richtig in Szene setzen und aus ihrer Persönlichkeit eine unverwechselbare Marke machten – wie bei einem Produkt", schreibt Zitelmann in seinem 334-Seiten-Werk.

Selbst Lady Di ist ihr Promi-Status nicht in die Wiege gelegt worden. Denn allein dass sie Prince Charles heiratete und damit weltweite Beachtung fand, war eine ihrer ersten Leistungen: Minutiös hatte sie dazu die gescheiterte Affäre ihrer älteren Schwester mit dem Thronfolger analysiert – um deren Fehler zu vermeiden. Sonst nicht grade mit hohem Intelligenzgrad gesegnet, womit sie persönlich kokettierte, brachte sie es bei der Arbeit an ihrer Ruhmeskarriere zur Vollkommenheit. Sie erkundete akribisch die Medien, Formate und Journalisten – und tauchte durchaus vor der Haustür von verdutzten Redakteuren auf, um deren Adresse zu checken. Auf das TV-Interview zum Stand ihrer zerrütteten Ehe mit Prince Charles – ihr "größter PR-Coup", wie es Zitelmann formuliert – bereitete sie sich wochenlang vor. Da wirkt es fast tragisch, dass ihr einstiger Schwager Prince Andrew seinen Ruf auch durch ein misslungenes Fernsehinterview über Missbrauchsvorwürfe vollends ruinierte.

Madonna, Diana und alle weiteren Zitelmann-Beispiele zeigen eines der Grundgesetze, um Ruhm zu erlangen: unbedingten Willen, Disziplin und harte Arbeit. Selbst und gerade Genies wie Einstein wären nie so bekannt geworden ohne intensive PR. Allenfalls innerhalb der Wissenschaftscommunity hätte er Anerkennung errungen. Erst die exzessive Medienarbeit machte ihn zum Star.

Kardashian: Königin der Selbstvermarktung

Einen Sonderfall in Zitelmanns Porträts – und damit die Meisterin dieser Disziplin – stellt Kim Kardashian West dar. Sie ist berühmt, weil sie berühmt ist – hat also durch keinerlei klassischen Job und Können die Basis für ihren Nimbus gelegt. Ihre Selbstvermarktung wiederum hat sie jedoch als Vollzeitjob betrieben. Wie ein Workoholic hat sie mit Plänen, Listen und unbändiger Disziplin an ihrer Karriere gearbeitet – und dabei kräftig Vorbilder kopiert, wie Zitelmann ausführlich beschreibt. So hat sie sich erstens mit vielen Prominenten umgeben und dann nahezu eins zu eins die Vorgehensweise Paris Hiltons reproduziert: Ein zufällig aufgetauchtes Sex-Video, dass ausgerechnet vor dem Start einer eigenen Reality-TV-Show für einen vermeintlichen Skandal sorgt.

Eine von Zitelmann aufgestellte Regel lautet: Man muss nicht besser sein als die Konkurrenz, sondern anders. Vor allem aber sollte man Schwarzeneggers Devise beherzigen: "Egal, was du tust, du musst es auch gut verkaufen ... Man kann die beste Arbeit abliefern, doch wenn die Leute nichts davon erfahren, ist alles umsonst." Ein weiterer Faktor sind gezielt gesetzte Provokationen. Sie dienen neben der Publicity dem Zweck, sich von Kollegen abzuheben und eine Marke zu schaffen. Wie sich Tabubrüche gewandelt haben, das beleuchtet Zitelmann nebenbei gleich mit. Schließlich sind sie immer auch ein Spiegelbild der jeweiligen Zeit: Bei Einstein reichten noch eine ausgestreckte Zunge und bewusst verwuschelte Haare. Madonna schockierte in den 1990ern mit Masturbationshandlungen auf offener Bühne und SM-Szenerien bei Fotoshootings – die wiederum heute, im Zeitalter von Fifty Shades of Grey, wohl keinen mehr aufregen würden.

Rainer Zitelmann schreibt nicht nur über Erfolgsgeheimnisse und Erfolgsmenschen – er lebt die von ihm aufgestellten Regeln auch und ist inzwischen ebenfalls eine Berühmtheit: Er hat bislang 24 Bücher geschrieben, die weltweit übersetzt worden sind. Der Multimillionär ist zweifacher Doktor und setzt sich ebenso gekonnt in Szene. Vor allem in Asien, den USA und in Europa ist er ein gefragter Vortragsredner. Besonders aber ist er ein Beispiel dafür, dass hinter allem harte Arbeit steckt.

Das Buch porträtiert zwölf völlig unterschiedliche Berühmtheiten, die mehr miteinander gemeinsam haben, als sie es wohl selbst gedacht hätten. Die illustre Auswahl kann allen als Vorbild und Beispiel dienen, die die Kniffe der Vermarktungskunst erlernen möchte – um beruflich und privat voranzukommen, im Internet und anderswo Reichweite und Eindruck erzielen wollen.

Rainer Zitelmann: "Die Kunst, berühmt zu werden", FinanzBuch Verlag, 334 Seiten