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Die gefährliche 72-Stunden-Challenge

Von Julia am Freitag, 15. Mai 2015 um 16:00 Uhr
Auf Facebook verbreitet sich gerade unter Jugendlichen eine Mutprobe, die Eltern in Panik versetzt: Wer schafft es, drei Tage unterzutauchen – ohne Bescheid zu geben?

Ein absolutes Horrorszenario für Mütter und Väter: Das Kind verschwindet – aus heiterem Himmel, ohne eine Nachricht hinterlassen zu haben. So erlebten es die Eltern der 13-jährigen Emma aus Nordfrankreich. Fast 72 Stunden blieb sie unauffindbar. Als sie endlich wieder auftauchte, wollte sie nicht einmal der Polizei verraten, wo sie gewesen war. Nur so viel: Sie rühmte sich, das „Game of 72“ bestanden zu haben. Eine mysteriöse Facebook-Challenge, bei der Freunde einander herausfordern, für drei volle Tage unterzutauchen – und ihre Angehörigen in blanke Panik zu versetzen.

Behörden nehmen die Gefahr sehr ernst

Seltsamerweise fand die Polizei auf der Social-Media-Seite keinerlei Hinweise auf das Spiel. Ebenso ist unklar, wie viele Jugendliche sich bislang auf die Mutprobe eingelassen haben. Trotzdem nehmen die französischen Behörden die Gefahr sehr ernst. Wer auch immer Informationen dazu hat, wird aufgefordert, sich sofort bei der Polizei zu melden.

Challenges können gefährliche Folgen haben

Berechtigte Vorsichtsmaßnahmen. Denn Challenges sind bei Jugendlichen extrem beliebt – und können gefährliche Folgen haben. Etwa die sogenannte Neknomination, bei der Teenager einander zum Komasaufen herausfordern. Um vor den Freunden nicht zu versagen, nehmen die Nominierten regelmäßig das Risiko einer Alkoholvergiftung in Kauf.

Andere Challenges endeten tödlich: Ein 19-jähriger Bretone starb bei „L’eau ou resto“ (Wasser oder Restaurant) – einer Prüfung, bei der es darum geht, sich in Flüsse oder das Meer zu stürzen oder einen Restaurantbesuch zu zahlen. Er fuhr, an sein Fahrrad gekettet, in einen Fluss und ertrank in dem sechs Meter tiefen Wasser. Ein 15-Jähriger zündete sich für die „Fire Challenge“ selbst an und verbrannte bei lebendigem Leib.

Auch in Deutschland sind die Mutproben verbreitet

Auch in Deutschland sind die Mutproben aus den sozialen Netzwerken verbreitet, sagt Andreas Mayer, Experte für Kriminalprävention, im GRAZIA-Gespräch. „Zwar gibt es noch keinen Fall der 72-Stunden-Challenge in Deutschland, aber es kann durchaus sein, dass das gerade erst anläuft.“ Durch Facebook verbreiten sich solche Games „rasend schnell“.
 

Um die eigenen Kinder zu schützen, sollten Eltern offen mit ihnen sprechen, rät Mayer. „Man muss klare Regeln aufstellen, an die Vernunft der Jugendlichen appellieren.“ Eine Challenge, der sich die Eltern stellen müssen.