Lifestyle

Die Low-Carb-Lüge

Von GRAZIA am Samstag, 24. Mai 2014 um 14:13 Uhr

Jahrelang wurde uns eingetrichtert, dass auf Kohlenhydrate zu verzichten ein Fit- und vor allem Schlankmittel sei. Nun behauptet ein Ernährungs-Guru: alles Blödsinn! Low Carb soll dem Körper sogar schaden. Was? GRAZIA forschte sofort nach …

Brot? Nudeln? Kartoffeln? Hände weg von diesem Teufelszeug! Kohlenhydrate machen dick und sind dazu auch noch ungesund! So hieß es zumindest lange Zeit. Atkins-, Paleo- oder South-Beach-Diät dagegen versprachen Schönheit, Gesundheit und vor allem eine tolle Figur – und zwar durch den konsequenten Verzicht auf Kohlenhydrate.

Low-Carb war gestern

Doch jetzt scheint auf einmal alles ganz anders zu sein. Auslöser für die Trendwende? Das neue, viel diskutierte Buch „The Low- Carb Fraud“. Darin behauptet der amerikanische Professor und Ernährungsforscher T. Colin Campbell, dass ein Leben ohne Kohlenhydrate ein Leben mit zu viel Protein und Fett bedeutet. Und das sei weitaus schädlicher als ein bisschen Reis oder etwas Pasta! Paleo & Co. würden nicht nur einen viel zu hohen Cholesterinwert verursachen, sondern könnten durch den hohen Konsum von Fett und tierischen Proteinen sogar Brust-, Dickdarm und Prostatakrebs begünstigen.

Der Körper braucht Carbs

Campbell (er gilt übrigens international als der einflussreichste Ernährungsforscher des letzten Jahrzehnts!) gibt zu, dass man mit allen Low-Carb-Diäten sehr schnell Gewicht verlieren kann. Allerdings mit jeder Menge Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Muskelkrämpfen, allgemeiner Schwäche und ja, auch so unappetitlichen Dingen wie Verstopfung und Mundgeruch. Auch die deutsche Ernährungsexpertin Miriam Eisenhauer, Autorin des Buches „Das Prinzip GESund“, rät eindeutig von Low-Carb-Diäten ab. „Der Darm braucht komplexe Kohlenhydrate, die wir aus Sättigungsbeilagen wie Nudeln, Brot, Reis und Kartoffeln ziehen. Bekommt er zu wenig davon, kann er schnell gereizt reagieren – und das zeigt sich mit Blähungen, Durchfällen und Krämpfen“, sagt sie zu GRAZIA.

Campbell ist ebenfalls der Meinung, dass der Körper Kohlenhydrate braucht. Und vor allem, dass der gesamte Low- Carb-Trend von einer ganz falschen Grundlage ausgeht. „Nur weil Obst, Gemüse und Vollkorn aus Kohlenhydraten bestehen, kann man sie nicht als genauso ungesund dämonisieren wie einfache Zucker“, so der Experte. Tatsächlich gilt zwar Zucker mittlerweile in den USA als Hauptursache für den extremen Anstieg des Übergewichts der Bevölkerung (früher war es Fett!), doch reduzieren soll man lediglich den Konsum von raffiniertem Zucker wie in Eis, Keksen und Kuchen.

Wir essen „gute“ Kohlenhydrate

Gegen komplexe Zucker, also die „guten“ Kohlenhydrate in Gemüse, Obst und Vollkornprodukten, ist absolut nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil! So empfiehlt Campbell dann auch einen ausgewogenen Ernährungsstil, der vor allem auf Gemüse und Vollkorn basiert. Er rät zu wenig Süßigkeiten, wenig Fett und ausreichend Bewegung.

Das klingt zwar nicht besonders verführerisch und sehr viel anstrengender als drei Wochen Atkins oder Paleo, die blitzschnell die Pfunde verschwinden lassen, aber dafür bringt es langfristig einen Erfolg. Und das ganz ohne böse Nebenwirkungen.