Lifestyle

Die neue Atkins-Diät

Von GRAZIA am Mittwoch, 28. April 2010 um 15:15 Uhr

Und nein, diesmal dreht sich nicht alles nur um Fleisch, Eier und Sahne! Stattdessen sind jetzt Gemüse, Obst und sogar Pasta erlaubt. Wie schön: Die neue Atkins-Variante ist gesünder und leckerer!

Viel Fett, keine Kohle­hydrate – dieser Grundsatz jeder Atkins-Diät gilt ab sofort nicht mehr!

Die Zeiten, in denen Atkins-Fans morgens, mittags und abends fast ausschließlich rotes Fleisch, Eier und Käse essen durften, sind vorbei. Stattdessen sind nun Pasta, Brot und Kartoffeln erlaubt, was den Ernährungsplan viel gesünder und ausgewogener macht. Das Beste: Gewicht verliert man trotzdem, und zwar bis zu sechs Kilo in den ersten beiden Wochen!
Prominente wie Jennifer Aniston, Courteney Cox und Renée Zellweger machten die Kult-Diät des amerikanischen Ernährungswissenschaftlers Robert C. Atkins in den 90er-Jahren zur beliebtesten Abnehmstrategie.

Anfang März ist jetzt das Buch „New Atkins for a New You“ der Professoren Eric Westman, Stephen Phinney und Jeff Volek erschienen, und der Hype wird wohl ähnlich groß werden wie beim Original (ein Atkins-Buch hat vor ein paar Jahren sogar „Harry Potter“ von Platz eins der Bestseller-Listen verdrängt). Für die überarbeitete Fassung der Diät haben sich die drei US-Wissenschaftler über 150 medizinische Studien angesehen und festgestellt, dass Abnehmen mit wenig Kohlehydraten tatsächlich immer noch am besten funktioniert. Allerdings sind die Gesundheitsrisiken der original Atkins-Diät nicht von der Hand zu weisen. Denn große Mengen rotes Fleisch plus viel Fett sind für schwache Herzen nicht gerade gut.

Deshalb setzt die neue Atkins-Diät beim Fleisch jetzt mehr auf Hühnchen als auf Steak. „Weiße“ Kohlehydrate (Weizenbrot, Eiernudeln, Kuchen etc.) sind zwar immer noch tabu, Vollkornbrot, Vollkornpasta und Kartoffeln jetzt jedoch erlaubt, wenn auch in Maßen. „In unserem Buch geht es ganz klar nicht darum, nur noch Fleisch, Speck und Butter zu essen“, sagt Westman. „Anders als früher empfehlen wir nun viel mehr Gemüse. Wir wissen heute, wie wichtig die Ballaststoffe für den gesamten Organismus sind. Unsere Atkins-Variante eignet sich deshalb sogar für Vegetarier oder Veganer.“

Außerdem ist der Ernährungsplan viel einfacher umsetzbar. Während die alte Diät vier strikt strukturierte Drei-Wochen-Phasen hatte, erlaubt der neue Plan, selbst auszuwählen, wie lange man die einzelnen Phasen durchziehen möchte. Einige Teile können sogar ganz weg­gelassen werden. „Die Diät lässt sich so ganz dem individuellen Stoffwechsel, dem persönlichen Ziel und Zeitfenster anpassen“, erklärt Westman.Wer nur drei bis fünf Kilo verlieren möchte, kann zum Beispiel gleich mit Phase 2 statt mit der strengeren Phase 1 anfangen.

Ein bisschen was zu kritisieren haben Experten aber auch an der neuen Atkins-Diät. „Dass man jetzt mehr Gemüse essen darf, finde ich sehr gut“, sagt Sian Porter, Ernährungswissenschaftlerin des britischen Ernährungswissenschaften-Verbandes. „Ungesunde, gesättigte Fettsäuren sind allerdings immer noch dabei. Herzfreundlicher wäre es, statt Butter Olivenöl zu benutzen.
6 gute Gründe für die neue Atkins-Diät
1. Atkins früher:  wenig Gemüse
Atkins heute:  viel Gemüse

Bei der original Atkins-Diät waren pro Tag nur eine Tasse Gemüse und zwei Tassen Salat erlaubt. Jetzt dürfen zwei Tassen Gemüse und bis zu sechs Tassen Salat gegessen werden. „Neue Studien zeigen, wie wichtig Ballaststoffe, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe im Gemüse sind. Darauf haben wir reagiert“, sagt Westman. Manche Gemüsesorten wie Lauch, Pilze, Zwiebeln und Kürbis haben allerdings mehr Kohlehydrate als andere. Deshalb sollte man von ihnen weniger essen. Stärkehaltige Gemüse wie Pastinaken, Karotten und Kartoffeln dürfen erst in späteren Diät-Phasen verzehrt werden.
 2. Atkins früher: Fleisch, Fleisch, Fleisch
  Atkins heute:  Proteine in Maßen

Früher konnte man so viel rotes Fleisch, Geflügel und Eier essen, wie man reinbekam. Jetzt ist die Protein-Aufnahme bei jeder Mahlzeit auf 100 bis 175 Gramm begrenzt (entspricht etwa einer normalgroßen Hühnerbrust). „Die Diät ist damit nicht mehr so extrem proteinreich“, so Westman. Und die Gefahr, sich damit einen Nierenschaden zu holen, gebannt.
 3. Atkins früher:  Erlaubt sind weder Brot, Reis noch Kartoffeln
Atkins heute:  alles erlaubt (nicht zu viel)

Ab einem bestimmten Punkt, normalerweise während der dritten Diät-Phase, findet man sein persönliches ACE (Atkins Carbohydrate Equilibrium) heraus. Das ist die Anzahl an Kohle­hydraten, die man täglich essen kann, ohne zu- oder abzunehmen. Dann darf man zwischen Bagels, Pasta, einer Scheibe Vollkornbrot, einer Ofenkartoffel oder Getreide (Couscous, Wildreis, Quinoa) wählen.
 4. Atkins früher:  kein Koffein
   Atkins heute:  Kaffee, ja bitte!

„Wir wissen, dass Koffein in Maßen die Fettverbrennung ankurbelt“, sagt Westman. „Also sind Kaffee und schwarzer Tee erlaubt.“ Auch Alkohol ist in kleineren Mengen mal okay, vorausgesetzt, er enthält wenig Zucker. Vorsicht aber vor Mixgetränken mit Tonic oder Saft. Sie haben jede Menge böse „carbs“.
 5. Atkins früher:  Je fetter, desto besser!
Atkins heute:  lieber mageres Fleisch

„Wir haben immer gesagt, wer den Verzehr von Kohlehydraten kontrolliert, braucht nicht auf fettes Fleisch zu verzichten. Besonders, weil Fett den Hunger stillt“, sagt Westman. „Bei der neuen Atkins-Diät empfehlen wir aber eher mageres Fleisch. Besser, Sie geben ein paar gute Fette zum Essen dazu (wie z. B. Avocado- oder Olivenöl). Dann wird der Stoffwechsel auch nicht zu langsam.“
 6. Atkins früher:  Unwohlsein
 Atkins heute:  keine Nebenwirkungen

Ein Problem der original Aktins-Diät ist, dass sie Kopfschmerzen, Schwindel oder Verstopfung auslösen kann. Eine Low-Carb-Diät ist harntreibend, wobei der Körper mit all der Flüssigkeit auch viel Salz verliert. Um das Problem zu lösen, empfehlen die Autoren, einen halben Teelöffel Salz (oder zwei Teelöffel Sojasauce) pro Tag übers Essen zu geben und außerdem viel zu trinken. Keine Angst, solange Sie keine Fertiggerichte essen, können Sie dabei salzmäßig nichts überdosieren.