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Erhalten Frauen wirklich weniger Kredit? Die Gründe und Hintergründe

Von GRAZIA am Donnerstag, 18. März 2021 um 17:26 Uhr

Zugegeben wirkt die Überschrift wie eine Fortführung der leidigen, doch leider immer noch notwendigen Debatte über Teilhaben, Möglichkeiten und Karrieren des weiblichen Geschlechts. Doch jetzt mehr!

Es wird auch gerne gesagt, dass Frauen allgemein eher weniger Kredite und niedrigere Kreditsummen erhalten als Männer. Dies hat sich in den Zeiten der Online-Kreditvergabe scheinbar nicht geändert. Aber ist das tatsächlich so? Und handelt es sich dabei um die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts oder gibt es handfeste Gründe dafür? Dieser Beitrag schaut sich das einmal an.

Algorithmen: Diskriminierung durch Technik? 

Gerade bei der Online-Kreditvergabe läuft viel Technik im Hintergrund. Und, wie die meisten Menschen wissen, basiert die digitale Technik auf Algorithmen. Das sind die "klugen Formeln", die dem Verbraucher Produkte vorschlagen, sie zu Zeitungsartikeln leiten oder sie in die Richtung neuer Freunde und Gruppen in den sozialen Medien leiten. Im Kreditwesen sind diese Algorithmen aber auch dazu da, den unbekannten Kunden näher zu durchleuchten, einzuschätzen und einzustufen: 

  1. Häufigkeit: Hat ein Algorithmus gelernt, dass an einem bestimmten Tag überwiegend Männer einen Kredit bekamen, so setzt er das Wissen beständig ein. Das kann also bedeuten, dass eine Frau eine Ablehnung oder einen geringeren Kreditwert erhält, wenn sie an diesem Tag eine Anfrage stellt. Allerdings beschränkt sich die Einschätzung nicht auf einzelne Tage, sondern wird fortlaufend in vielerlei Hinsicht eingesetzt
  2. Alter: Auch die Angabe des Alters kann für Algorithmen sehr interessant sein. So sinkt die Zusage bei Krediten grundsätzlich mit dem Fortschreiten des Lebensalters. Es wäre jedoch ebenfalls denkbar, dass das Alter des weiblichen Antragstellers noch in anderer Hinsicht in Betracht kommt: Befinden sich die Frau im gebärfähigen Alter, so könnte der Algorithmus davon ausgehen, dass künftig durch Nachwuchs weniger Geld vorhanden ist und die Kreditraten gefährdet sind. Dies wäre letztlich auch nur die Fortführung der Praktik, die im Arbeitsleben oft angewandt wird. 

Problematisch an den Algorithmen ist immer, dass niemand sie mit Gewissheit kennt. Sie sind intransparent und können viele Faktoren berücksichtigen oder auch nur wenige Kernfaktoren. Sie können Frauen ausschließen oder nicht. Leidlich ist zudem, dass Algorithmen aus den Erfahrungen der Vergangenheit schöpfen. Und hier galt: 

  1. Kreditaufnahme durch Männer: Die überwiegende Anzahl von Krediten wurde in der Vergangenheit von Männern aufgenommen. Ehegatten waren der Hauptkreditnehmer. Dies ist heute immer noch häufig so, denn: 
  2. Gehaltsgefüge: Frauen verdienen im Schnitt immer noch weniger als Männer. Um gute Kreditkonditionen zu erhalten, steht also auch bei durchaus finanziell gut gestellten Frauen der Mann für den Kredit ein, da er meist bessere Zinskonditionen erhält. 

Diese Problematik ist aus algorithmischer Sicht natürlich ein niemals endender Zirkel. 

Weitere Gründe

Grundsätzlich ist die Arbeitswelt ein Mitgrund dafür, warum es Frauen schwieriger ist, einen Kredit zu erhalten. Die Rede ist gar nicht von Frauen in Führungspositionen, sondern die häufige Zwangsentscheidung für Teilzeit oder die Aufgabe des Arbeitsplatzes: 

  1. Teilzeit: Gerade Mütter arbeiten häufig in Teilzeit, da sie sich neben dem Beruf um das Kind kümmern wollen. Problematisch ist hierbei aber vielmehr, dass gehobene Positionen von der Teilzeit ausgeschlossen werden. Nur wenige Unternehmen bieten Frauen die Möglichkeit, Karriere in Teilzeit zu machen. Daraus resultiert wiederum ein geringeres Gehalt. 
  2. Elternzeit: Die Elternzeit ist eine teilweise Aufgabe des Arbeitsplatzes. Bis heute nehmen die meisten Mütter diese Möglichkeit wahr, was allerdings oft finanzielle Hintergründe hat: Der Mann verdient mehr und dieses Geld wird für die Führung der Familie benötigt. Ein anderer Faktor ist ebenso diskriminierend wie falsch: Männer gehen selten in Elternzeit, da sie fürchten, dass ihnen dadurch die Karriere verwehrt wird und sie selten wieder in die alte Position einsteigen können. 
  3. Erschwerter Einstieg: Generell haben es Frauen schwer, nach der Betreuungszeit ihrer Kinder wieder voll oder wenigstens teilweise in den Beruf einzusteigen. Nicht selten ist es notwendig, die Branche vollständig zu wechseln und somit wiederum Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen. Je länger eine Frau die Kindesbetreuung wahrgenommen hat, desto schwieriger ist es, im Berufsleben wieder Fuß zu fassen. Zugegeben trifft diese Problematik auch Männer, doch da diese ohnehin seltener die Kindesbetreuung übernehmen und aus dem Beruf aussteigen, fällt es nicht ins Gewicht. 

Natürlich offenbaren sich beide Punkte wieder darin, dass das Einkommen allgemein geringer ist. Dieses ist für die Beantragung eines Kredits jedoch wichtig, denn nach ihr richtet sich nicht nur die Kredithöhe, sondern auch die Konditionen und eine Zusage. 

Wie verhält sich die Situation?

Bei jeder Kreditvergabe, auch bei Onlinekrediten, wird von der Seite der Bank eine Prüfung des Kreditantrags vorgenommen. Zuerst greift der Algorithmus, dessen Inhalte nur die jeweilige Bank kennt. Nun wird sich das Einkommen angesehen, welches im Schnitt niedriger ist als das von Männern. Daraus folgt: 

  1. Mehr Ablehnungen: Stimmen die Faktoren nicht mit den Prinzipien des Kreditgebers überein, erfolgt eine schnellere Ablehnung, sofern die Kreditnehmerin keine Sicherheiten vorweisen kann. Sollte die Bonität zudem insgesamt schlechter ausfallen, kann es schnell zu Problemen kommen. In diesem Fall existieren jedoch Alternativen: ein schufafreier Kredit bei creditSUN ist mitunter auch bei einem schlechterem Scoring erhältlich.
  2. Schlechtere Konditionen: Durch das geringere Einkommen verändern sich natürlich die Konditionen. Die Zinslast steigt, eventuell wird die Laufzeit zusätzlich verlängert, wodurch der Kredit teurer wird. 

An dieser Stelle greifen viele zu einem zweiten Kreditnehmer oder schließen mit diesem einen internen Vertrag ab, sodass der andere Kreditnehmer das Geld zu günstigen Konditionen leihen kann. Handelt es sich bei diesem Kreditnehmer wiederum um einen Mann, so stärkt das Vorgehen wiederum die Tatsache, dass Frauen weniger Kredit erhalten.

©CoWomen/Unsplash

Fazit – Frauen erhalten schwieriger einen Kredit 

Es ist tatsächlich so, dass Frauen bei der Kreditvergabe größere Hürden überwinden müssen als Männer. Die Ursache liegt in der Technik, doch auch in der Gesellschaft. Durch die geringeren Einkommen stehen Frauen automatisch gegenüber Kreditgebern schlechter da und müssen mit Absagen oder kleineren Kreditsummen zu teils schlechteren Konditionen rechnen. 

Wird nun im Umkehrschluss ein Kredit durch den Partner oder ein Familienmitglied aufgenommen, taucht diese Kreditvergabe in der Statistik natürlich wieder unter "Krediten für Männer" auf, wodurch sich der Prüfungs-Algorithmus weiterhin zu maskulinen Kundenorientiert.

Hier findet ihr Artikel zu "erfolgreiche Frauen": 

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