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GRAZIA Interview: Home-Experte Martin Schinzel über die Trends 2014

Von Claudia am Samstag, 8. Februar 2014 um 16:00 Uhr

Wie möbelt man eigentlich seinen alten Holztisch auf? Und wie bringt man den neusten Trend "Kupfer" in die Wohnung? Diese und andere Antworten hat Home24-Wohnexperte Martin Schinzel verraten. Hier gibt's die Profi-Tipps...

Ein Gespräch über die Wohntrends 2014, die neusten Deko-Möglichkeiten, Inspirationsquellen und Martins eigene Wohnung.

 

Martin, in welchen Trendfarben sollten wir in diesem Jahr unsere Wohnung dekorieren?

Was wir auf den Messen, wie der "imm" (Internationale Möbelmesse Köln) und der "Maison & Objet" in Paris extrem gesehen haben, sind die sogenannten "Ice-Cream Colors". Das sind pudrige Farben und Pastelltöne, wie zum Beispiel Violet oder ein leichtes Rosé. Aber auch leichte pastellige Blautöne sieht man derzeit wirklich überall. Sowohl bei Polstermöbeln, die mit den entsprechenden Farben bezogen sind, wie auch bei den Wohnaccessoires und Kleinmöbeln, tauchen diese Farben immer wieder auf. Dabei handelt es sich auch um einen derzeitigen Fashion-Trend, der von den Möbelmarken und -Herstellern aufgenommen wurde.

 

Wie viel Stilmix sollte ich in meinen Wohnräumen zulassen?

Ich glaube, dass ein Stilmix immer sehr gesund ist. Wir haben einen alten Esstisch von der Oma. Die Stühle passen zwar nicht so richtig dazu, aber farblich bildet alles zusammen eine Einheit. So entsteht am Ende dennoch ein tolles Gesamtbild. Das kann man auch gut mit Accessoires, wie Kissen mit einem Muster oder in einer einheitlichen Farbe erreichen, die man beispielsweise auf der Tischdecke wiederfindet. Im Ess-und Wohnbereich sollte man lediglich darauf achten, dass eine bestimmte Farbe, beziehungsweise ein Muster über die unterschiedlichen Kontexte wiederkehrt, dann kann man die so unterschiedlichen Dinge, doch wieder miteinander verbinden. Mit Teppichen kann man an dieser Stelle übrigens auch wunderbar arbeiten. 

 

Wie sehen die weiteren Wohntrends für 2014 aus?

    Was witzig ist: Die "imm" und die "Fashion Week Berlin" laufen immer zur selben Zeit und man sieht dort auch starke Parallelen. Trends, die man auf dem Laufsteg sieht, übertragen sich letztendlich auch auf bestimmte Trends auf dem Möbelmarkt. Was wir oft gesehen haben in diesem Jahr, ist das Material- und Farb-Blocking. Ein Couchtisch in Sonnengelb, wird dann mit weißen Elementen gemischt. Und auch die Farben Petrol und Grau sieht man sehr viel zusammen. Das zweite ist das Material-Blocking. Unterschiedliche Materialen am selben Möbelstück werden miteinander kombiniert. Das kann wieder der Tisch sein, mit der Holzplatte und den Beinen aus Metall. Es kann sein, dass du eine Lampe hast, die aus Acrylglas ist, die dann aber noch Keramikelemente dabei hat. Auch häufig gesehen: Man hat normalerweise den Kleiderschrank im Schlafzimmer und die Leute die nicht so ordnungsliebend sind, schmeißen da ganz gerne auch mal was rein und machen dann die Tür einfach zu, damit man das Chaos nicht sieht. Im Schlafzimmer, aber auch im Flur ist es jetzt allerdings Trend, dass die eigentlichen Sachen nicht mehr versteckt werden, sondern das offene Lösungen geschaffen werden und man seine Designertaschen oder Schuhe auch jedem präsentiert. Es wird also immer mehr mit Glas gearbeitet – ein Kleiderschrank als Vitrine für die Ausstellungsstücke sozusagen. Da muss man allerdings ein ordentlicher Mensch für sein. Und natürlich Kupfer! Kupfer war im letzten Jahr schon da, aber in diesem Jahr sieht man Kupfer noch einmal verstärkt und wirklich überall. Lampen, Wohnaccessoires, Kerzenständer oder Schalen, aber es geht auch auf die Möbel. Beistelltische oder Couchtische sind inzwischen auch voll aus Kupfer beziehungsweise verkupfert.

     

    Wie gelingt es den Kupfertrend auch für Männer möglichst attraktiv zu dekorieren?

      Du findest das Material nicht männlich? Kommt auch ganz auf den Mann drauf an (lacht). Aber gibt es ein männlicheres Material als Metall? Es ist zwar glänzend und Frauen mögen das in der Regel ganz gern, aber ich finde das Material Kupfer sehr, sehr männlich. Man sollte jetzt auch nicht die ganze Wohnung mit Kupfer gestalten, aber als gezielte Items in der Einrichtung funktioniert das auch geschlechterübergreifend.  

       

      Wie schaffe ich mir denn platzsparende Ordnungssysteme?

        Was das Thema Ordnung angeht, gibt es eigentlich ganz viele Lösungen. Ich arbeite mit Kisten oder Körben, die man auf den Kleiderschrank stellt und die auch sehr dekorativ sein können. Was ich auch gerade zu Hause habe, sind alte Koffer. Wir sprechen jetzt natürlich nicht von einem typischen Reisekoffer, sondern von einem auf vintage und alt gemachten. Auf dem Flohmarkt kann man sich diese Art von Stauraum günstig besorgen. Inzwischen können diese Koffer im Vintage-Look aber auch neu gekauft werden. Das andere ist, wenn man so ein offenes Regal hat, dann muss das wirklich gut organisiert sein. Oftmals wirken die Regale in einem Raum so ein bisschen verloren, weil sie eben nicht raumhoch sind. Im offenen Regal sollte man ganz oben die nicht so aktuellen Dinge verstauen und die schweren, wie Zeitschriften, nach unten. In der Mitte kann man eine Präsentationsfläche schaffen, indem man seine schönen Bücher auf Augenhöhe bringt und die anderen Sachen verstaut man ganz gut in Kisten oder kleinen Körben. 

         

        Apropos Platz: Wie lasse ich einen kleinen Raum größer wirken?

          Wir arbeiten ganz gerne mit Farbe. Viele denken, dass der Raum Weiß am besten und am größten wirkt. Das stimmt aber nicht. Wenn man Wandfarbe richtig einsetzt, dann kann ein Raum sehr, sehr viel größer werden. Man soll dabei nicht den ganzen Raum streichen.Wenn man sich zwei Wände rausnimmt, dann müssen das immer die gegenüberliegenden sein.  Wenn man dann die anderen beiden Wände weiß lässt, dann gibt das dem Raum mehr Tiefe und das bedeutet das der Raum gleich größer wirkt. Das zweite was man beachten sollte ist, dass man die Decke eh immer weiß lässt und man aber einen gewissen Abstand zwischen der farbigen Wand und der Decke braucht – damit schafft man eine zusätzliche Höhe. Dritter Tipp: Die Möbel nicht direkt an die Wand stellen. Wenn ein gewisses Maß an Stellfläche da ist, dann ist es gar nicht so sinnvoll das Sofa direkt an die Wand zu stellen, weil man kleine Räume auch gut unterteilen und ihnen so Struktur geben kann, aber so auch Gemütlichkeit und eine wohnliche Atmosphäre entsteht. Die Couch also nicht mitten in den Raum, aber in den Raum stellen, sodass man hinter dem Sofa auch noch Stauraum schaffen kann. So hat man zum Beispiel noch Platz für eine kleine Kommode. In größeren Räumen kann man natürlich auch alle vier Wände farblich gestalten.

           

          Alte Möbel aufmöbeln. Welche Tipps hast Du? 

          Nehmen wir mal einen Massivholztisch. Das darf keine Platte sein die lackiert ist, da würde ich nicht rangehen. Alte Massivholztische mit kleinen Macken kann man ganz einfach aufmöbeln, indem man den Tisch anschleift und dann eine Beize aufträgt. Wenn man den Tisch einfach mit einer Farbe lackieren würde, dann würde auch die Maserung verloren gehen. Das ist immer ein bisschen schade. Das Möbelstück verliert meiner Meinung nach an Wert. Was ganz schön ist an so einer Beize ist, dass die Maserung noch durchscheint. Im Baumarkt gibt es sogar auch schon so einen Vintage-Effekt zu kaufen. Für die Abwechslung ist das eine sehr gute Möglichkeit.

           

          Schnell und kostengünstig frischen Wind in die Bude bringen, aber wie?

            Auch hier wieder der Tipp mit der Farbe. Das ist zwar etwas mühselig, aber wenn man an einem Wochende wirklich Lust drauf hat, dann ist das auch schnell gemacht. Und für mich sind das auch immer so kleine Möbelstücke oder Accessoires, die der Wohnung einen ganz neuen Look geben. Du hast einen alten Couchtisch den du nicht mehr so gut findest, dann kannst du den gut durch zwei Beistelltische ersetzen, die gar nicht mal so teuer sein müssen. Aber wenn man ein kleines Budget hat und was verändern will, sind Accessoires einfach immer gut. Und man muss die alten ja auch nicht immer ersetzen, sondern kann diese auch einfach ergänzen. Zu den grünen Kissen, kommen dann noch welche, die sich im gleichen Farbspektrum bewegen, die aber der Wohnung auch einen ganz neuen, frischen Look verleihen. Also bei Grün kann man auch gut mit Petrol und Gelb arbeiten. Bei Teppichen gibt es auch günstige Varianten, die viel bewirken.   

             

            In welche Möbel sollte Deiner Meinung nach auf jeden Fall investiert werden?

            Natürlich kann man auch mit günstigen oder mittelpreisigen Möbeln die Wohnung schön gestalten. Für mich persönlich habe ich immer zwei Dinge, in die ich viel investieren würde. Wenn Leute zu Besuch kommen, dann sitzt man entweder immer am Esstisch oder auf dem Sofa. Bei mir sitzen wir immer gemütlich auf dem Sofa. Und je nachdem welcher Typ man ist (ich sage immer ein hochwertiges Polstermöbel ist ein Muss) sollte man sein Geld dafür investieren. Und ganz wichtig: Gute Matrazen! Und wie viel Zeit man in seinem Bett verbringt, weiß sicher jeder selbst. 

             

            Woher holst Du Dir Deine Inspirationen?

              Ich habe mehrere Inspirationsquellen. Und natürlich holt man sich auch aus anderen Wohnzeitschriften viel heraus. Ich habe auch so eine ganz lange Liste an Blogs, wie zum Beispiel "23qm Stll", "Stylesize" oder "Bloesem Living", die ich durchgehe. Für mich ist es auch eine Inspiration einfach herumzugehen. Ich gehe auch wahnsinng gern in Vintage Shops. Aber auch die Messen sind sehr gut für die Inspiration. Auch wenn du in Berlin in die Hotels und Restaurants gehst, aber auch weltweit, einfach das kulturelle insgesamt inspiriert mich. 

               

              Und jetzt interessiert uns natürlich noch wie es bei dir zu Hause aussieht.  

                Ich wohne in Berlin im Prenzlauer Berg in einer Loft-Wohnung. Ich liebe meine Wohnung und es war ein Glücksgriff die bekommen zu haben. Die Wohnung ist nicht riesengroß, ich habe 65 qm und es ist ein Raum, der aber unterteilt ist durch das Badezimmer und die Küche. Ich habe einen massiven Esstisch, auch mit unterschieldichen Stühlen, weil ich das immer sehr schön finde, wenn man da ein bisschen Abwechslung reinbringt. Ich finde es wahnsinng wichtig in einem Esszimmer, dass die Lampen immer über dem Tisch sind und meine sind in diesem Fall von Tom Dixen und aus Kupfer. Ich habe ein Wohnzimmer mit blauen Wänden und ich arbeite ganz gern mit Teppichen zu Hause. Für mich sind das Kunstwerke für den Boden. Ich habe auch einen Stilmix in meinen Räumen. Ich habe eine sehr moderne und geradlinige Couch, aber auch ein paar alte Möbel, wie kleine Beimöbel, die ich geerbt habe. Das Schlafzimmer ist in Sandfarben sehr clean gehalten und ich habe ein riesen großes Bett. So ein Boxspringbett – dieses amerikanische Hotelbett – was das ganze sehr gemütlich macht.  

                 

                Über Martin Schinzel:

                Martin Schinzel ist seit vier Jahren der Ansprechpartner Nummer eins, wenn es um das Thema Wohnen und Einrichten geht. Bei Home24 verantwortet er die visuelle Darstellung der verschiedenen Wohnstile und sorgt für die richtige Präsentation der Produkte im Shop. Einrichten ist seine große Leidenschaft, bei der er seiner Kreativität täglich freien Lauf lässt. 

                 

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