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Kelly Tweeden: „Eine Mischung aus Besessenheit und Leidenschaft"

Von Claudia am Samstag, 15. Februar 2014 um 15:06 Uhr
Sie hat nicht nur für den gesamten kreativen Bereich der Nike Damen Sportswear den Hut auf, sondern ist außerdem für die Designs der Sneaker, der Sportbekleidung und der Accessoires verantwortlich. Wow! Wir haben Powerfrau Kelly Tweeden während der Nike NTC Tour in Stockholm getroffen und mit ihr über den Design-Prozess, das Erfolgskonzept von Nike und die Neuheiten der neuen Women Sportswear Kollektion 2014 gesprochen.

Von der Idee zum verkaufsfertigen Schuh - Wie sehen denn die wichtigsten Steps im Design-Prozess bei Nike aus? 

Alles in allem dauert der Prozess ungefähr 18 Monate - manchmal auch zwei Jahre. Speziell bei einem Schuh, denken wir zuallererst an die Sohle des Schuhs – für welchen Zweck, für welche Aktivitäten der Schuh gemacht werden soll. Wir starten also mit dem Fuß und bauen alles drumherum. Dann beginnen wir zu zeichnen, bringen das Design auch in den Computer und haben dann ein erstes vorgezeichnetes 3-D Modell. So sind wir in der Lage, uns den Schuh noch einmal ganz genau anzusehen. Und dann sind wir bereit für den eigentlichen Prototypen. Wir lassen diesen Prototyp also herstellen. Den Sampler testen wir dann mit Nike Trainern wie Marie Purvis, Leuten die mehr als 5 Tage die Woche trainieren und wirklich wissen, worauf es ankommt. Und dann bekommen wir von ihnen Feedback. Und manchmal ist es sogar so, dass die Designer komplett von vorn beginnen müssen. Am Ende gilt es dem Schuh eine Persönlichkeit einfließen zu lassen mit dem Design, den Farben - wir gehen auf Trends ein und dann gehts in die Produktion. Das ist der Prozess.

Wie viele Leute sind an diesem Prozess beteiligt? 

Hunderte! (Lacht) Nein, also zu Beginn gibt es eine kleine Gruppe an Designern, die diese Idee entwickeln und auf Papier bringen. Dann gibt es die Produktmanager, die für die geschäftliche Seite verantwortlich sind. Nach einer Weile kommen die Designer und die Produktmanager zusammen und designen den Schuh zusammen weiter. Und das ist das Team mit dem meisten Einfluss. Sie bestimmen was den Schuh nachher ausmachen wird. Es handelt sich also eher um eine kleine Gruppe, die am eigentlichen Prozess beteiligt ist. Aber am Ende geht alles durch die Hände der Fabrikanten, Verkäufer und des Merchandising.

Woher nehmen Sie die Inspiration für die vielen Looks und Designs? 

Ich spreche immer von einem "Wilden Westen" der Möglichkeiten. Es gibt so viele Dinge, die wir umsetzen können. So viele unterschiedliche Bereiche. Die Inspiration bezieht sich darauf, was Aktivität gerade ausmacht. Es ist wichtig den ganzen Fitness-Markt im Auge zu behalten. Aber ansonsten inspiriert man sich einfach von dem, was um einen herum passiert, neue Trends, Styles. Wir beobachten die Farben und was gerade in der Mode passiert. Auch die neusten Prints oder ob wir lieber neutral bleiben, hängt von den derzeitigen Trends ab.  

Was ist das Schwierige daran, funktionale Sportswear zu designen und dabei den Fashion Aspekt nicht aus den Augen zu verlieren?

Es ist ein bisschen schwierig, weil du denkst, du musst alles irgendwie schlicht halten, damit der Fitnessaspekt nicht verloren geht. Du willst es aber auch so stylish wie möglich haben. Und als erstes denkt man natürlich an die praktischen Dinge. Wenn ich meine Arme hebe, hebt sich mein Top auch oder bleibt es da wo es ist. Und an dieser Stelle können wir also bei den Ladies schon sehr viel mit Proportion und Form erreichen. Letzendlich hilft das auch den Fashion Aspekt nicht zu verlieren und einen guten Style zu kreieren. 

 

Was ist der größte Unterschied im Design-Prozess zwischen Frauen und Männern? 

Bei Männern ist es schwieriger die richtigen Sportsachen zu designen. Frauen sind einfach offener. Man kann mehr unterschiedliche Typen von Silhouetten übertragen. Es ist für Frauen natürlicher ein Top anzuziehen, darüber ein T-Shirt und dann noch eine Jacke und eine Weste überzuziehen. Es gibt sooo viele Möglichkeiten und ich habe mich noch nicht einmal mit ihr unterhalten - also ohne zu wissen, wonach ihr gerade ist, kann ich auf sie eingehen. Es ist viel selbstverständlicher für Frauen und das gibt uns viel mehr Optionen. Frauen sind auch offener in Sachen Prints und Farbe. Aber ich denke, am Ende stehen wir in der Ausführung vor denselben Problemen. 

 

Warum ist Nike ihrer Meinung nach so erfolgreich?

Um ehrlich zu sein glaube ich, es ist die Besessenheit für die Athleten und diese verankerte Idee, dass man niemals fertig sein wird. Man beendet etwas, aber es könnte immer besser sein. Und diese Besessenheit immer alles noch besser zu machen, das bringt die Marke voran. Und es kommt auch beim Verbraucher an, dass wir zu jeder Zeit das Beste herausholen wollen.  

 

Welche besonderen Neuheiten und Innovationen im Bereich Sportswear gibt es in diesem Jahr?

Wir versuchen immer mehr die Konstruktion an sich zu verbessern. In der neuen Kollektion gibt es besipielsweise bereits weniger Nähte, weil das Oberteil mit seinen verschiedenen Zonen und dem unterschiedlichen Gewebe weitestgehend in einem Stück produziert wird. Das Oberteil besteht nicht mehr aus vielen einzelnen Teilen. Außerdem versuchen wir uns im Bereich der Sportschuhe noch mehr auf Sneaker für Indoor und für High Intensity Training zu spezialisieren. 

 

Warum Nike und keinen anderen Sporthersteller?

Warum nicht? (Lacht) Wie gesagt: Es ist die Besessenheit und die Leidenschaft, die sich im Produkt widerspiegelt und das ist attraktiv. Leute die Nike tragen sind zuversichtliche und starke Leute. Und damit wird man angezogen. 

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