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Reise lieber ungewöhnlich: Reisen und Reiseziele jenseits des Standards

Von julia.mattyhse am Donnerstag, 4. Mai 2017 um 16:41 Uhr

Die Urlaubsplanung für den Sommer sollte gerade mindestens auf Hochtouren laufen, wenn nicht sogar schon abgeschlossen sein. Für die weniger Entscheidungsfreudigen, die noch keine rechte Vorstellung davon haben, wo es im diesjährigen Urlaub hingehen soll und die darüber hinaus befürchten müssen, in allzu überlaufenen Urlaubsregionen zu landen, gibt es gute Neuigkeiten: Denn es gibt sie noch, die Urlaubsmöglichkeiten jenseits des Mainstreams, die außergewöhnliche Erfahrungen versprechen – in mehr als einer Hinsicht.

 

Erlebnis satt statt bloßer Erholung

In der Regel gehört der Urlaub zu den wenigen Wochen im Jahr, in denen einmal völlig ungestörte, durch keine Alltagssorgen getrübte Entspannung angesagt ist. Es sind aber genauso die Wochen, in denen Erfahrungen abseits bekannter Pfade gemacht werden können, in denen all die Erlebnisse nachgeholt werden können, die während der Arbeitszeiten (damit sind natürlich die Pausen gemeint!) bestenfalls in Träumen möglich sind. Wer will also, wenn sich die Gelegenheit schon bietet, den Urlaub an Orten und mit Dingen verbringen, die eh schon jeder kennt und gemacht hat?

Stattdessen können die freien Tage ebenso gut genutzt werden, um etwas wirklich Außergewöhnliches zu sehen, zu erleben und zu tun. Möglichkeiten gibt es schließlich genug, angefangen bei unterschiedlichen Arten des Reisens (es muss ja nicht immer nur das Flugzeug sein) über touristisch noch wenig erschlossene Reiseziele bis hin zu Unterkünften, die sich so wohl niemand vorstellen würde. Ausreichend Gründe also, den nächsten Urlaubstrip mal eher in eine ungewöhnliche Richtung zu lenken.

Immer voran, egal wie: Die Fortbewegungsmöglichkeiten

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, aber die wenigsten erstrecken sich dann tatsächlich ausschließlich auf das Zufußgehen. Obligatorische Fortbewegungsarten für Urlauber sind inzwischen das Flugzeug und das Auto, immer beliebter auch Kreuzfahrtschiffe. Ohne jeden Zweifel sind diese Transportmittel in einem Großteil der Urlaubsplanungen unerlässlich, weil die gewünschte Destination ansonsten gar nicht zu erreichen wäre.

Allerdings besteht vor Ort, je nach Reiseziel, die nicht geringfügige Wahrscheinlichkeit, alle weiteren Wege nicht zwingend mit den ansonsten gewohnten Verkehrsmitteln zurücklegen zu müssen. Ist der Verzicht auf das vollklimatisierte Auto deswegen ein Nachteil? Wohl nur für die Urlauber, die nicht genügend Bereitschaft zeigen, sich auf hiesige Fortbewegungsmittel einzulassen. Oder in dieser Hinsicht gleich ganz andere Wege einzuschlagen.

Beispiel: Anreise per Frachtschiff

Eine, zugegebenermaßen klischeehafte und in Literatur und Film immer wieder aufgegriffene, Möglichkeit für wenig heiratswillige Männer, dem Gang vor den Traualtar zu entgehen, war das Anheuern auf einem Frachtschiff. Mit etwas Glück bedeutete das eine sichere, weil ausreichend große Entfernung zum heimischen Hafen der Ehe und versprach zugleich noch, die Welt etwas besser kennenzulernen.

Theoretisch ist es auch heute noch möglich, selbst unter gänzlich anderen Voraussetzungen und mit einer völlig anderen Motivation, die Welt auf diese Weise zu bereisen. Als Teil der Mannschaft nämlich, der die Mitreise eben mit Aushilfstätigkeiten statt mit Geld bezahlt, aber allerhöchstens auf der Flucht vor dem Alltagseinerlei.

Wenn du dein Glück auf eigene Faust versuchst, sind unter Umständen Geduld und starke Nerven sind trotzdem gefragt, denn es gilt herauszufinden, wann, ob und wohin überhaupt ein Schiff fahren wird – und das überhaupt einen zusätzlichen Passagier aufnehmen würde. Abgesehen davon nehmen Schiffsreisen einfach deutlich mehr Zeit in Anspruch, als die mit anderen Transportmitteln. Andererseits ist das Reisen mit dem Frachtschiff mittlerweile eine organisierte Angelegenheit, die sogar verschiedene Möglichkeiten bei der Routenauswahl und den Reisezeiträumen eröffnet.

fotolia.com © seksan94  Tuk Tuks sind aus dem Straßenverkehr der meisten asiatischen Länder nicht mehr wegzudenken.

Beispiel: Reisen per Tuk Tuk

Hierzulande kaum bis gar nicht anzutreffen, gerade in asiatischen Ländern wiederum ein fester Bestandteil des Straßenverkehrs sind Tuk Tuks. Vor allem in Städten sind sie die gängige Alternative zu den üblichen Taxis, wer also in Indien, Pakistan, Thailand oder anderen Ländern im asiatischen Raum landestypisch von einem Punkt zum anderen kommen möchte, hat schon aus diesem Grund gar keine andere Wahl. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, sind die Autorikschas sogar langstreckentauglich, für eine Weltreise per Tuk Tuk braucht es allerdings die eine oder andere Modifikation des Gefährts. Möglich ist ein solches Unterfangen allemal.

Beispiel: Reisen per Van

Die Erkundung des Urlaubslandes mit einem Van verspricht ein ebenso großes Gefühl von Freiheit wie das Herumreisen mit dem Tuk Tuk – allerdings dürfte der Komfort zumindest ein wenig größer sein. Die Vorteile liegen auf der Hand, du bist unabhängig in jeder Hinsicht, kannst hinfahren, wohin immer du möchtest und musst keinen Gedanken daran verschwenden, keine Schlafmöglichkeit für die Nacht zu finden. Die hast du schließlich immer dabei. Für Roadtrips, ganz egal wo, in jedem Fall eine gute Wahl.

Abgesehen von den beispielhaft vorgestellten Möglichkeiten gibt es natürlich eine Vielzahl weiterer Fortbewegungsmittel zu Wasser und zu Land. In Vietnam und Kambodscha etwa sind Nachtbusse, die du aus der Heimat höchstwahrscheinlich nur als Taxiersatz nach einer Partynacht kennst, als Fernstrecken-Transportmittel im Einsatz. Unter Umständen ist also einige Flexibilität erforderlich, um im Urlaub wirklich voran zu kommen – es macht also durchaus Sinn, wenn du im Vorfeld Erkundigungen einholst, was dich in puncto Verkehrsmittel im Urlaub so erwarten könnte.

Mal was anderes sehen: Die Reiseziele

Je nach angepeiltem Reiseziel ist eine Begegnung mit einigen der genannten Fortbewegungsmitteln vermutlich sowieso vorprogrammiert. Das wirft allerdings zugleich die Frage auf, wo es denn überhaupt hingehen soll – ganz besonders wenn die Maxime lautet, möglichst wenige Mitreisende anzutreffen. „Ungewöhnlich“ ist aber, trotz des internationalen Massentourismus an manchen Flecken des Globus, immer noch eine Option.

Für Kälteresistente: Sibirien

Klingt im ersten Moment nicht nach Urlaub, sondern nach Bestrafung, schließlich steht Sibirien nicht nur sprichwörtlich für Strafgefangenenlager in der Ödnis. Das ist allerdings kaum die halbe Wahrheit, denn auf der anderen Seite bietet die riesige Großlandschaft schon wegen ihrer schieren Größe eine beeindruckende kulturelle und landschaftliche Vielfalt.

Wenn du also Gefallen an Schnee und Eis findest und dir Island inzwischen zu Mainstream ist, könnte ein längerer Trip in den Osten deine Vorstellungen erfüllen. Zu den Klassikern zählt selbstverständlich die An- oder Durchreise mit dem Transsibirien-Express, die schon ganz unabhängig vom Ziel ein Erlebnis ist. Ebenfalls ein Klassiker: Der Baikal-See, immerhin einer größten Seen der Erde, noch dazu der tiefste und älteste und damit völlig zu Recht Bestandteil des UNESCO Weltkulturerbes.

 fotolia.com © pakorn482137 Ebenso schön wie bizarr: der Baikalsee im Winter

Es ist seine imposante Landschaft, die die Stadt Irkutsk, das sibirische Paris, für viele Reisende lediglich zu einem Zwischenstopp macht, obwohl sich auch hier ein Aufenthalt lohnt – Irkutsk ist mit rund einer halben Million Einwohnern schließlich keine Kleinstadt und hat noch dazu aufgrund seiner reichen Vergangenheit einiges zu bieten.

Für Schwindelfreie: Laos

Südostasien ist auch nur noch bedingt ein touristischer Geheimtipp, also musst du schon recht genau hinsehen, um ein vergleichsweise unbehelligtes Fleckchen zu finden. Damit keine Missverständnisse aufkommen – selbstredend verfügt Laos ebenfalls über eine Tourismusbranche, die Stadt Vang Vieng war zeitweise sogar als ausgemachte Partyhochburg bekannt. Verglichen mit Thailand sind die Besucherzahlen jedoch deutlich geringer, was den Zusammenprall mit Touristenhorden weitestgehend ausschließt.

Auf diese Weise können sowohl Städte wie Luang Prabang (nicht zu vergessen der rund 30 Kilometer entfernte Kuang Si-Wasserfall), Bergdörfer wie Muang Sing im Westen, die Flusslandschaft des Mekong mit dem Gebiet der 4.000 Islands, der oder die laotische Landschaft im Allgemeinen genossen werden.

Gerade letzteres lässt sich mit sehr eigenen Übernachtungsmöglichkeiten verbinden: Sowohl die Gibbon Experience Laos als auch der Tree Top Explorer bieten schwindelfreien Besuchern Unterkünfte in Baumhäusern ein, mitten im Dschungel von Laos – zum Teil 50 Meter über dem Boden. Die eine Anlage punktet mit der Aussicht auf die Bekanntschaft mit wilden Gibbon-Affen, die andere mit der Nähe zu zahlreichen Wasserfällen. Damit gehören beide Ressorts definitiv zu den denkwürdigeren Unterkünften, obgleich es durchaus noch ungewöhnlichere gibt – denen dürfte dann allerdings die einmalige Dschungelatmosphäre von Laos fehlen. Aber der nächste Urlaub kommt bestimmt.

Für Grenzgänger: Belize

Apropos unberührte Natur – die findet sich auch im mittelamerikanischen Belize, dem kleinen, am karibischen Meer gelegenen Nachbarn von Mexiko und Guatemala. Zwar ist El Salvador unter den Staaten Zentralamerikas noch kleiner als Belize, dafür hat Belize eine Bevölkerungszahl, die hierzulande bestenfalls einer mittelgroßen Stadt entspricht und kaum mehr ausländische Besucher pro Jahr. Zusammen mit der Tatsache, dass fast die Hälfte des Landes als Naturschutzgebiet gilt, stehen die Aussichten auf ein ungestörtes Naturerlebnis also nicht schlecht. Umso erfreulicher, denn mit seinen Vulkanen, Urwäldern und der darin enthaltenen Artenvielfalt ist das eines der Highlights.

fotolia.com © Aleksandar Todorovic Belize bietet nicht nur Karibikflair, sondern auch die typischen zentralamerikanischen Vulkanlandschaften.

Ein anderes sind die auch hier zu findenden Spuren der untergegangenen Maya-Kultur. Praktischerweise erlaubt die Nähe zu Guatemala mit der antiken Stadt Tikal und der mexikanischen Halbinsel Yucatán einen grenzüberschreitenden Eindruck der zentralamerikanischen Geschichte. Ganz zu schweigen davon, dass sich der Aufenthalt in Belize ohnehin dazu anbietet, auch den beiden Nachbarstaaten einen Besuch abzustatten – oder eben umgekehrt, wie es Viel-Unterwegs-Bloggerin Katrin angegangen ist: Denn sich etwa das karibische Caye Caulker und das Belize Barrier Reef entgehen zu lassen, wäre ein unverzeihliches Versäumnis.

Exotische, ungewöhnliche und vor allem noch recht wenig bereiste Urlaubsdestinationen lassen sich aber über den gesamten Globus verstreut finden. Wenn du ein Faible für Südamerika hast, ist beispielsweise Bolivien nach wie vor eine interessante Möglichkeit. Von Osteuropa bis Asien warten mit Montenegro, Georgien und Taiwan nur drei von einer Reihe spannender Ziele auf ihre Erkundung. Selbst vermeintlich naheliegende (oder näherliegende) Länder wie Estland haben ihre Reize, die bislang dem Massentourismus entgangen sind.

Ähnliches gilt für den afrikanischen Kontinent, wo im Norden den Mittelmeerstaaten und im Süden selbstverständlich Südafrika eine Vorreiterrolle zukommt, obwohl es doch noch so viel mehr zu bereisen gäbe. Was positiv formuliert wiederum bedeutet, dass es weiterhin ausreichend Gelegenheiten gibt, außergewöhnliche Reisegelüste zu befriedigen.