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Macht Spinning dick?

Von GRAZIA am Montag, 21. April 2014 um 17:30 Uhr
Da strampeln wir uns ewig auf Indoor-Bikes ab, und jetzt heißt es auf einmal: Davon wird man nicht dünner, sondern nimmt sogar zu! Zeit, einen Gang runterzuschalten?

„Kontraproduktiv! Zeitverschwendung! Ein Garant für fette Beine!“ Charles Poliquin hasst den Hype ums Spinning. Der kanadische Olympia-Coach ist überzeugt: Spinning macht dick! Bestenfalls, weil man – jedenfalls bei Veranlagung zur Birnenform – Muskelmasse aufbaut und dann epische Schenkel bekommt. Schlechtestenfalls, weil man Muskelmasse abbaut. Angeblich bis zu 40 Prozent, und das ist dann wirklich kontraproduktiv, weil Muskelzellen selbst im Ruhezustand (also auf dem Sofa!) fast doppelt so viele Kalorien verbrennen wie Fettzellen.

„Ein paarmal die Woche in die Pedale zu treten und sonst nichts zu machen bringt der Figur gar nichts. Es laugt aus, ohne dass der Körper wirklich etwas getan hat“, sagt Poliquin und liefert einen Vergleich: „Nehmen wir den Trizeps. Den könnten wir ganz ähnlich auspowern, indem wir mit einer Fliegenklatsche 100 imaginäre Fliegen in 30 Sekunden klatschen. Macht der Trizeps dabei schlapp? Ja. Werden die Arme definierter aussehen? Kaum. Weil der Widerstand, gegen den man trainiert, nicht hoch genug ist, um eine hormonelle Antwort im Körper auszulösen. Und nur die sorgt dafür, dass der Körper modifiziert wird.“  Zu dem bulligen Bodybuilder kommen auch viele Models. Logisch: Wer weiß, wie man an Masse zulegt, weiß auch, wie’s weniger wird.

„Man bekommt vom Spinning nicht zwangsläufig den Körper, den man haben will“, sagt auch Promi-Trainer David Kirsch. Er ist zwar kein ausdrücklicher Gegner, rationiert die Spinning-Einheiten von Kundinnen wie „Sports Illustrated“-Model Kate Upton aber streng. Laufstegmodels sollen bei ihm gar nicht aufs Fahrrad. „Wenn man dünner wirken möchte, hilft Sport, der die Muskeln streckt, Radfahren verkürzt sie eher.“

Dürfen wir jetzt also nicht mal mehr auf den Drahtesel? „Doch, natürlich“, sagt Fitness-Coach Karsten Schellenberg, der mit Stars wie Franka Potente und Matthias Schweighöfer trainiert. „Durch bloßes Freizeitradeln wird sich die Muskulatur nicht verkürzen. Beim Spinning geht es ja auch um Rhythmuswechsel, verschiedene Sitzpositionen und Kraft-zonen, und beim Cooldown werden die Muskeln gedehnt. Eine Frau, die zweimal in der Woche zum Pilates geht, wirkt bestimmt nicht dünner als eine, die mit derselben Intensität Spinning macht.“

Text: Annika Thomé

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