Lifestyle

Mein Leben als Frau eines Piloten - Ein Erfahrungsbericht

Von GRAZIA am Montag, 28. September 2020 um 15:31 Uhr

Wie ist es eigentlich für eine Frau, wenn ihr Partner ein Pilot ist? Hier ist ein Erfahrungsbericht...

Häufig werde ich gefragt, wie das eigentlich so ist mit einem Piloten zusammen zu sein. 

Die meisten Menschen haben ein klares Rollenbild vor Augen und wenn sie uns als Paar treffen, werden wir die meiste Zeit, ob wir es mögen oder nicht, mit Vorstellungen und Vorurteilen über das Image eines Piloten und seiner Frau konfrontiert.

Jeder der uns kennt, weiß, dass das meiste einfach nicht der Wahrheit entspricht.

Ich möchte vielmehr darüber erzählen, wie wir uns kennenlernten, was mir besonders im Gedächtnis geblieben ist und wie es sich anfühlt, mit einem Piloten liiert zu sein.

Der Tag an dem ich ihn traf

Um es gleich vorweg zu nehmen, als wir uns vor einigen Jahren kennenlernten, war es tatsächlich wie aus einer kitschigen Romanze und entsprach wirklich jeglichem Klischee, aber deswegen erzähle ich diese Geschichte ja auch so gerne…

Es begann, als ich meine beste Freundin Jana zum Flughafen begleitete. Ich wollte sie persönlich verabschieden, da sie für ein gesamtes Jahr auf Weltreise verschwinden würde. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahmen wir auf der Besucherterrasse des Flughafens bei einem Glas Sekt Abschied voneinander. Wir genossen die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings. So saßen wir da - uns gegenüber am Geländer stand ein Pilot, Paul!

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Diese Uniformen sind wirklich sexy...

Er war mir sofort aufgefallen. Groß, lässig, wunderschöne Augen und eine Figur, die sich sehen lassen kann. Und was ist das bloß mit dieser Uniform? Zu diesem Zeitpunkt fiel mir zum ersten Mal auf, wie sexy die doch sein können.

Es gab nur ein Problem: Ich brachte einfach keinen Mut auf, ihn anzusprechen. Auch Jana konnte mich nicht überzeugen, obwohl sie nur zu eindeutig die Schwingungen zwischen uns spürte. Er sah die ganze Zeit zu mir herüber, genauso wie ich zu ihm, und so hoffte ich innerlich inbrünstig, dass er vielleicht die Courage aufbringen würde mich anzusprechen.

Dann geschah es tatsächlich. Ganz langsam, die Situation abwägend, kam er auf unseren Tisch zu und fragte, ob er sich setzen dürfte. Mein Gott, was roch dieser Mann gut! Wir unterhielten uns bis zum Abflug von Jana zu dritt. Für welche Airlines er flog, wohin es meine Freundin treiben wird und vieles mehr. Nach einiger Zeit wurde Janas Flug aufgerufen und sie ging etwas voraus. Das gab Paul die Möglichkeit mich nach meiner Nummer zu fragen.

Das erste Date

Nach Telefonaten und vielen Nachrichten trafen wir uns etwa zwei Wochen später wieder. 

Paul holte mich ab und wir fuhren zu einem nahegelegenen Flugfeld. Er stieg aus dem Wagen und zog sich seine Pilotenjacke über. Ich fand das noch schärfer als die Uniform. Es ließ ihn männlich und robust aussehen, ein Mann an den man sich anlehnen kann. In diesem Moment wusste ich, dieser Mann gehört zu mir. Noch immer wusste ich nicht, was er vorhatte, doch da sah ich es von Weitem. Eine kleine private Propellermaschine wartete auf uns. Wir stiegen ein, flogen los. Ich war hin und weg. Mit diesem Mann in einer kleinen Privatmaschine hoch über den Dächern unserer Stadt - Im wahrsten Sinne fühlte ich mich wie im siebten Himmel.

Ⓒ Foto von Jon Ly von Unsplash

Die Realität 

So märchenhaft auch alles begann, an diesem Tag wurde mir tatsächlich bewusst, dass das Leben mit einem Piloten wie ein Leben in einer eigenen Welt zu sein scheint. Aber das leider nicht immer im positiven Sinne.

Vieles von dem, was dort oben in der Luft passiert, wird nicht veröffentlicht. Damals wurde mir klar, dass es vor allem bedeutet Verständnis zu zeigen und kompromissbereit zu sein, als Frau an der Seite eines Piloten. Mir war von Anfang an bewusst, worauf ich mich da einlassen würde.

Eine Menge Vertrauen

Wir entschieden nach unserem AusFLUG, zusammen zu sein. Ein kleines bisschen kitschig. Ich gehörte nun zu seiner Welt. 

Aber ganz ehrlich, als Pilot hat Paul die Verantwortung für hunderte von Menschenleben zu übernehmen und das tagein, tagaus. Ich weiß tatsächlich nie, ob ich ihn auch wiedersehen werde, sobald er in den Flieger steigt. Natürlich geht man immer vom Besten aus, aber Zwischenfälle passieren, das erzählt er mir dann aber immer erst, wenn es vorbei ist.

Ich habe mich schon sehr oft dabei erwischt, dass ich mich so sehr sorge, weil er längst hätte gelandet sein müssen, ich aber noch keine Nachricht von ihm erhalten habe. Das zehrt an den Nerven.

Dafür benötige ich ein großes Maß an Vertrauen. Nicht in ihn persönlich, aber darin, dass er heil zu mir zurückkommt. Pilotenfrauen müssen im Gegensatz zu anderen Partnerinnen mehr vertrauen, mehr Kompromisse eingehen und flexibler sein.

Auch Jana kann das nachvollziehen und möchte in der Hinsicht nicht mit mir tauschen. Als Jana von ihrer Reise zurückkam, traf sie einige Zeit später ihren heutigen Ehemann (Ja, sie ist bereits verheiratet!) und als sie die Pilotenjacke an Paul sah, war das erste, was sie daraufhin tat, ihrem Ehemann eine solche Jacke aus Leder zu schenken. Die steht wirklich jedem Mann!

Die Zeit zu zweit

Paul und ich sind nach wie vor sehr glücklich und planen Schritt für Schritt unser gemeinsames Leben. Wir leben bereits zusammen und wir haben Hochzeitspläne.

Ich bin so froh, ihn zu haben. Mein Leben hat sich völlig verändert und ist doch gleichgeblieben. Ihn zu lieben, hat mir beigebracht, was Menschen erreichen können, wenn sie beide Kompromisse eingehen.

Er wirkt immer noch sehr gutaussehend in seiner Uniform, keine Frage. Aber wenn ich diese Pilotenjacke zu Hause am Haken hängen sehe, erinnert sie mich doch viel mehr daran, welch ein Glück ich habe, einen so tollen Mann kennengelernt zu haben.

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